Sport : Folge 14 und Schluss: New York, New York

Nach dem morgigen Rückspiel gegen Real Madrid verlässt Lothar Matthäus das Land. Über 20 Jahre Wirkens auf Deutschlands Fußballfeldern ist alle Häme vergossen. Wir wollen noch einmal auf das Gesamtwerk des Mannes zurückkommen, der es vom fränkischen Raumausstatter zum Krösus fußballerischen Schaffens gebracht hat: in Herzogenaurach, Mönchengladbach, Bayern, Italien und, wenn der Fußball-Gott denn will, nun auch in den USA. Eine Erinnerung, heute in der letzten Folge.

Noch ein paarmal schlafen, dann ist er weg. Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Er nimmt sich bestimmt zum Abschied noch ein verschwitztes Trikot eines Madriders mit. Vielleicht wird er weinen und ein letztes Mal in das Münchner Olympiastadion winken, aber dann muss er weg. Ganz weit. Wo die Häuser hoch sind, viel höher als die Gagen, die man dort mit Fußball verdienen könnte. Der heißt dort soccer, weil sie football schon haben, geht aber ganz anders. Nicht richtig jedenfalls. Lothar lebt dann in New York bei der Wohlfahrt. Genauer : Mit Maren Müller-Wohlfahrt. Im Trump Tower, 721. Fifth Avenue. Und in München haben sie nicht nur einen Libero, sondern auch einen Regierungssprecher weniger. Die Journalisten wissen in ein paar Tagen gar nicht mehr, wen sie interviewen sollen. Damit die "Bild" nicht komplett auf dem Trockenen sitzen bleibt, schickt sie einen Reporter gleich mit. Lothar ist schließlich ihr Spezl.

Doch kurz bevor es losgeht, hat Lothar ihnen und uns noch etwas versprochen: "Ich bin sicher, dass ich in vier bis sechs Wochen Interviews auf englisch geben kann, die auch der Deutsche verstehen wird." Das muss einem erst mal einfallen. Ansonsten soll uns das natürlich recht sein. Gespannt sind wir allemal.

Eigentlich dürfen die Kicker der Dingsbumsliga da drüben nur 250 000 Dollar pro Saison verdienen. Sponsoren bringen Lothar auf eine Million, sonst wäre er nämlich gar nicht gekommen. Die Hälfte geht aber wahrscheinlich schon für die George-Washington-Bridge drauf. Da muss er jeden Tag zweimal drüber, um von Manhattan nach New Jersey zum Training zu fahren. Macht vier Dollar hin und vier Dollar wieder zurück. Stau ist dort immer. New Jersey aber ist überhaupt nicht mehr New York und schon gar nicht große Welt. New Jersey ist eher wie Meppen. Mit dem Unterschied, dass in Meppen und Umgebung die Fußballplätze um einiges besser sind als dort. Die Mannschaft vermutlich auch.

In München gab es nach jedem Training eine Pressekonferenz. Dem gemeinen New Yorker, erst recht aber dem New Jersianer als solchem, geht der Fußball europäischer Art herzlich am Gesäß vorbei. Er findet sozusagen unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Eigentlich war Lothar in seiner Laufbahn bislang ganz gut beraten von Norbert Pflippen, seinem langjährigen Begleiter, aber warum er das jetzt macht? Keiner weiß es, er selbst am wenigsten. Offiziell sagt er: wegen Maren. Okay, Maren Müller-Wohlfahrt ist schon ein guter Grund, aber das wäre er in drei Monaten doch auch noch. In der Zwischenzeit hätte er noch mal eben Deutscher Meister, Pokalsieger und Gewinner in der Champions League werden können. So endet seine Karriere hierzulande doch ein bisschen läppisch, auch wenn er bei der Europameisterschaft im Sommer noch mal mitmischen will. Da sind die Aussichten, sich zu blamieren, auch nicht gering. Und das alles wegen einer Frau?

Der Mann sollte eigentlich gewarnt sein. Wo seine Liebe bislang hinfiel, musste Lothar nachher eine Menge Geld lockermachen. Lothar Matthäus ist zweimal teuer geschieden worden. Hoffentlich bleibt ihm wenigstens das erspart. Mit bald vierzig Jahren hat Lothar nun jedoch genug Lebenserfahrung gesammelt, dass ihn auch eine weitere Trennung von der Lebensabschnittsgefährtin nicht gänzlich unvorbereitet träfe. Für den Fall nämlich, dass ihn Maren über kurz oder lang doch in die Wüste schickte, hat er schon angekündigt, er könne sich durchaus auch ein Ende der Karriere in Dubai vorstellen. Na denn, servus Lothar. JOHANNES TAUBERT

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