Sport : Folk Dance

Die einen hatten nur Herz, aber die anderen Klasse. Und so kam es, wie es kommen musste. Spanien besiegte Irland 4:0, was noch sehr wenig war.

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Links das Bein und rechts das Bein. Und dann hinein. Spaniens David Silva (links) tänzelt sich zum 2:0 und die drei irischen Verteidiger vor ihm schwindlig. Foto: dapd
Links das Bein und rechts das Bein. Und dann hinein. Spaniens David Silva (links) tänzelt sich zum 2:0 und die drei irischen...Foto: dapd

Heutzutage fängt der Vereins-Fußball ja schon in der G-Jugend an, das sind die Vier- bis Sechsjährigen. Diese Mini-Fußballer tragen meist viel zu große Trikots, die an ihren schmalen Leibern herumflattern, und sie wissen oft noch nicht genau, wo sie hinlaufen sollen. Manche suchen noch eifrig nach Blumen auf dem Fußballplatz. Aber im Grunde haben diese Winzlinge schon ein riesiges Fußballerherz, ein, sagen wir, irisch anmutendes Herz, denn egal, wie gut der Gegner auch ist, sie rennen, kämpfen und laufen unverdrossen weiter, selbst, wenn sie bei ihren ersten Spielen zweistellig verlieren. Das passiert.

Die Iren haben am Donnerstagabend alle G-Jugendspieler glücklich gemacht, denn sie haben vorgeführt, dass es einem gar nichts ausmachen muss, wenn der Gegner überlegen ist. Dass man, im Gegenteil, sogar Spaß daran finden kann, keine Blumen zu pflücken, sondern einfach weiterzuspielen, auch wenn schon wieder diese Tiki-Takas angebraust kommen und einen schwindlig passen.

Nein, die Iren haben das zweite Gruppenspiel gegen Spanien nicht zweistellig verloren, es hätte leicht so kommen können, kam es aber nicht. Und warum sollte man das nicht feiern und besingen, wie es die Iren getan haben, schließlich, so hatte es nach dem glimpflichen 0:4 (0:1) Keith Andrews formuliert, „haben wir gegen die beste Mannschaft der Welt gespielt“. Und nur weil die Männer von der grünen Insel, angeführt von ihrem 73-jährigen Trainer Giovanni Trapattoni, wiederum nicht zu den weltbesten Gegnern der Spanier gehören, sah es manchmal so aus, als würde da diese G-Jugend gegen ein fast ausgewachsenes Junioren-Team kicken.

Dabei konnte man die hoffnungslose Unterlegenheit der irischen Nationalmannschaft auch anders sehen: Selbst gegen diese aller Welt sympathischen, aber fußballerisch limitierten Iren haben die Spanier, ja doch, nur vier Tore erzielt. Eine Krise kann man dem Welt- und Europameister zwar nicht andichten, zumal mit Fernando Torres dieses Mal auch noch ein echter Stürmer auf dem Platz stand und zweimal traf, aber ein wenig herumstochern muss erlaubt sein. Was soll man sonst gegen Spanien tun?

Einmal, irgendwann Mitte der zweiten Halbzeit, gab es offenen Szenenapplaus für einen irischen Spieler, als dieser, nun ja, spanienleicht, den heranstürmenden Torres mit einer tatsächlich eleganten Körpertäuschung ins Aus schlittern ließ. Richard Dunne konnte sich allerdings nicht lange an diesem aus irischer Sicht selten aufgeführten Kunststück erfreuen, weil sogleich irgendein anderer dieser wuseligen, kleinen Spanier da war und Dunne zu einem an diesem Abend doch zahlreicheren Rückpässen auf den eigenen Torwart zwang. So ging das die ganze Zeit. Ballbesitz für Irland hieß entweder Rückpass, Ballverlust oder, gerade noch im letzten Augenblick, Steilpass nach vorne, wo der Ball wiederum in 99,9 Prozent der Fällen beim Gegner landete.

Trapattoni hatte nach dem Spiel ein „Chancenplus“ der Spanier ausgemacht, allerdings fragte niemand nach, ob er dieses auch beziffern könne. Es wäre eine astronomische Zahl geworden, hätte der Italiener nachzählen müssen, einfacher war es gewesen, den Möglichkeiten der Iren zu folgen. Jeder G-Jugendspieler hätte es geschafft, bis eins oder zwei zu zählen, um sich dann wieder dem Blumenpflücken zu widmen. Keith Andrews fand sogar, dass „wir nur ein Schatten unserer selbst“ waren, aber so viel Selbstkasteiung passte gar nicht zur ansonsten heldenhaft fröhlich ertragenen Niederlage. Die eigentlichen Schattenmänner trugen ohnehin nicht grüne, sondern rote Trikots mit gelben Streifen. Und immer, wenn die tapferen Iren glaubten, sie hätten einen dingfest gemacht, war er schon wieder im dichten Regen untergetaucht.

Manchmal verwandelten sich die Schatten sogar in Menschen aus Fleisch und Blut, in David Silva etwa, der im irischen Strafraum ein preisverdächtiges Tänzchen vor drei Verteidigern aufführte, ehe er zum 2:0 abschloss. Neben ihm und Torres reihte sich noch der eingewechselte Fabregas in die Torschützenliste ein. Aber wie gesagt, zweistellig wurde es nicht. Also sind die Spanier gar nicht so gut?

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