Sport : Folklore in der Westpfalz

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Oliver Trust über das Chaos

beim 1. FC Kaiserslautern

Chaos entfaltet seine schauerliche Faszination. Überall. Selbst in Kaiserslautern, wo sonst Saumagen, Märchen von verwunschenen Prinzessinnen, der Heimatverein und Weinfeste Tag und Nacht bestimmen. Schön anzuschauen ist das Durcheinander beim Fußball-Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern. Von außen belustigend. Federleicht und unbeteiligt. Sie tanzen Ringelreihen mit bunten Bändern im Haar und Rachegelüsten im Herzen. Folklore in der Westpfalz.

Es wird nicht mehr viel über Fußball geredet rund um den Betzenberg. Gesprächsthema sind die eitlen Gestalten, die den 1. FC Kaiserslautern führen. Vorstandschef Jürgen Friedrich fühlt sich als Baumeister des Erfolges. Genau wie Aufsichtsratschef Robert Wieschemann und Geschäftsführer Gerhard Herzog. Trainer Andreas Brehme geht als arme Sau lustwandeln. Über allem liegt der Nebel des Misstrauens. Stühlerücken und Suche nach Verbündeten im Dunkeln.

Am Donnerstagabend tagen im vertrauten Kreise Aufsichtsrat und Vorstand. Wer weiß da schon vorher, wer unter dem Deckmantel der Vereinsliebe nicht doch die eigenen Interessen im Verborgenen spazieren trägt. Ein anständiger Mensch tut keinen Schritt, ohne Feinde zu kriegen. Oder: Nichts ärgert die Menge mehr, als wenn einer sie nötigt, ihre Meinung zu ändern. In Kaiserslautern, meint Friedrich, herrscht positive Aufbruchstimmung. Ob er damit seinen Aufbruch weg vom Verein hinein ins Privatleben meint? Teile des Aufsichtsrates führen „informelle Gespräche“ mit der vereinsinternen Opposition. Ein neuer starker Mann soll den Klub vom kommenden Jahr an führen. Trainern schwirren herum, doch der Job am Betzenberg ist nicht allzu begehrt. Selbst Christoph Daum, der doch so gern in die Bundesliga zurückkehren würde, ist sich zu schade für das Tollhaus am Betzenberg. Das ganze Land lacht über den 1. FC Kaiserslautern.

Den Knall des Autos gegen die Wand hören nur die, die nicht im Wagen sitzen. „Was ist hier eigentlich los? Ich verstehe die Aufregung nicht“, sagt Friedrich. Er soll sich am Verein persönlich bereichert haben. Und die anderen? Wieschemann, Herzog, Brehme – wer bleibt, wer geht? Sie alle tragen eine schwere Last, und die Schuldsprüche gehen an viele Adressen, die sie alle in ihrer eigenen Erlebniswelt mit Verwunderung aufnehmen.

Schauerlich faszinierend von außen. Traurig und tragisch im Innern.

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