Football : Eine Liga muss einpacken

Die American-Football-Liga schließt ihre Football-Filiale in Europa. Es sei eine "Strategieänderung".

BerlinEuropa liegt nicht mehr in Deutschland – zumindest nicht mehr in der Welt der American-Football-Liga NFL. Die nordamerikanische Zentrale machte nämlich gestern ihre 1991 als World League of American Football gegründete Filiale dicht. Zuletzt hatte die Liga, in der fünf von sechs Klubs aus Deutschland kamen, unter dem Titel „NFL Europa“ firmiert. Das Aus wurde in den USA mit einer „Strategieänderung“ der NFL begründet, die fortan sporadisch reguläre Saisonspiele in Europa abhalten will, um so für sich zu werben. Den Anfang machen am 28. Oktober im Londoner Wembley-Stadion die Miami Dolphins und die New York Giants.

Natürlich gab es zum Ligen-Begräbnis noch ein paar belanglose Worte aus der Zentrale. „Wir danken unseren Fans für die tolle Unterstützung der NFL Europa im Laufe der vergangenen Jahre“, sagte NFL-Commissioner Roger Goodell. Erst vor einer Woche hatten die Hamburg Sea Devils den „World Bowl“ gegen die Frankfurt Galaxy gewonnen. Zudem gehörten Rhein Fire Düsseldorf, Berlin Thunder, die Centurions Köln und die Amsterdam Admirals zur NFL Europa. Gerüchte, dass das Ende der Liga bevorstehe, kursierten seit Wochen. Allerdings beriefen sich die Klubs immer auf langfristige Verträge. An die hatte auch Hauke Wilkens, General Manager der Centurions, geglaubt. Wilkens sagte dem Tagesspiegel: „Als ich 2005 in Köln eingestiegen bin, wurde ein Businessplan für fünf Jahre verabschiedet.“ Nun sei er „geschockt“. „Wir haben zuletzt große Fortschritte gemacht, haben unsere Zuschauerzahlen verbessert.“

Andernorts lief es allerdings weniger gut, etwa in Berlin. Dort wurden zum ersten Spiel der letzten Saison zwar 30 000 Fans vor allem mit Freikartenaktionen ins Olympiastadion gelockt, doch als es ans Bezahlen ging, kamen dann kaum mehr als 10 000 Zuschauer pro Partie. Die Zahl der verkauften Eintrittskarten soll sich in Berlin nur im vierstelligen Bereich bewegt haben. Für Michael Lang, von 1998 bis 2005 General Manager bei Thunder, waren die „mauen Zuschauerzahlen eindeutig der Punkt, der den Amerikanern nicht gefallen hat“. Bei plus-minus-null wären die Klubs erst bei 20 000 Zuschauern gewesen. Zudem habe die Wertigkeit der NFL-Farmteam-Liga abgenommen. „Da spielte keiner mehr, der später in der NFL zum Superstar wurde“, sagt Lang.

Zuletzt ist die Liga mit ihrem Minispielplan in zweieinhalb Monaten durch ihre Standorte gerauscht: Zeit, um sich die in jedem Jahr neuen Namen der Spieler zu merken, hatten die Fans kaum. Nun werden sie keine Namen mehr lernen müssen in der NFL Europa, die kurzerhand dichtgemacht wurde – nach nordamerikanischem Muster, ganz uneuropäisch.

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