Sport : Football: Pfiffe für die schlechteste Abwehr der Liga

Ingo Wolff

Im Football zählt jedes Yard. Es bringt nicht unbedingt Punkte, kann aber, wie am vorigen Spieltag in Düsseldorf, für Berlin Thunder zum entscheidenden Touchdown und damit zum Sieg fehlen. Im morgigen Heimspiel gegen die Amsterdam Admirals (Jahnstadion, Beginn 18 Uhr) zählt für Thunder jedes Yard sogar doppelt.

Natürlich muss das Team erst mal so viel laufen, dass es zum Punkten in der Endzone ankommt oder wenigstens in sicherer Entfernung zum Torgestänge ein Fieldgoal erzielen kann. Doch diesmal zählt auch die reine Entfernung, die die Angriffsformation von Berlin Thunder auf dem Spielfeld zurücklegt. Denn am Ende der Saison könnten die erlaufenen Yards der Offensive über den Einzug in das Endspiel der europäischen Footballliga NFL Europe entscheiden. Thunder fehlen nur 51 Yards um auf Frankfurt Galaxy aufzuschließen und damit im Offensiv-Ranking einen Platz vorzurücken, was in der Endabrechnung bei Punktgleichheit mehrerer Teams und unentschiedenen Direktvergleichen zählt. Ein langer gefangener Pass könnte also über den Einzug in den World Bowl entscheiden, ohne dass dieser direkt Punkte bringt.

Für solche Pässe sind die Künste von Jonathan Quinn gefragt. Der Berliner Quarterback hat trotz der Niederlage gegen Rhein Fire gezeigt, dass er der beständigste Spielmacher der Liga ist. Er hat mit seinen Spielzügen in dieser Saison mit 1720 Yards die längste Distanz zurückgelegt und dabei die meisten Touchdowns (15) vorbereitet. Ihm dicht auf den Fersen ist nur der Amsterdamer Spielmacher Spergon Wynn mit 12 Touchdowns und 1563 Yards. Es kommt morgen also zum Duell der beiden besten Spielmacher.

Für Quinn spricht aber noch eine weitere Bestmarke: Gegen Düsseldorf konnte er als erster Quarterback in dieser Saison in einem Spiel über 300 Yards auf seinem Konto verbuchen. Seine Steigerung rechtzeitig zum Saisonfinale hat in der Offensiv-Statistik schon erheblich im Kampf um den zweiten Platz hinter Barcelona geholfen. Diese gute Bilanz der Offensivreihe steht bei Thunder aber im erheblichen Gegensatz zur Defensive. Die Berliner Verteidiger stehen mit über 600 Yards Rückstand abgeschlagen auf dem letzten Platz. Kein anderes Team musste so lange Spielzüge gegen sich hinnehmen. Da Verteidigung und Angriff aber quasi zwei eigenständige Mannschaften sind, hat auch bei Thunder die löchrige Defensive wenig Einfluss auf die Leitung der Offensive. Damit könnte also die schwächste Abwehr der Liga mit etwas Glück trotzdem World-Bowl-Sieger werden.

Um die Leistung gegen die Admirals nicht nur vom Glück abhängig zu machen, verteilt die Crew von Thunder vor dem Start im Jahnstadion 2000 Trillerpfeifen an die Zuschauer. Mit der Pfeiferei soll Amsterdams Quarterback Wynn die Konzentration auf präzise Pässe genommen werden. Richtig unfair ist die Aktion aber nicht, denn Thunder wird beim Rückspiel am kommenen Wochenende in Amsterdam gegen ähnlichen Lärm anspielen. Die Admirals können dabei allerdings auf die Technik der AmsterdamArena zurückgreifen. Sie werden künstlichen Lärm einspielen.

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