Sport : Formel 1: Alles beim Alten

Das Bruderduell hat er fair gewonnen, den vierten WM-Titel fast schon in der Tasche und ein weiteres Kapitel Formel-1-Geschichte geschrieben: Ferrari-Star Michael Schumacher feierte beim Großen Preis von Frankreich ein goldenes Jubiläum und könnte nach dem 50. Sieg seiner Karriere bei 31 Punkten Vorsprung auf den Schotten David Coulthard den WM-Titel 2001 im Rekordtempo gewinnen. Mit seinem nächsten Triumph, den er am 15. Juli in Silverstone ins Visier nimmt, kann sich Michael Schumacher außerdem in der ewigen Rekordliste der Formel 1 mit 51 Siegen auf eine Stufe mit dem viermaligen Weltmeister Alain Prost stellen (siehe auch nebenstehenden Beitrag). Doch große Töne spuckte Schumacher nicht: "Ich bin zwar in einer sicheren Position, aber ich sage immer wieder, dass man den Tag nicht vor dem Abend loben soll." Von einer Vorentscheidung im Kampf um den Titel will er nichts wissen.

Zum Thema Online Spezial: Formel 1 Der Kerpener verwies bei einer erneuten Schumacher-Show vor 120 000 Zuschauern in Magny Cours seinen Bruder Ralf im BMW-Williams mit 10,3 Sekunden Vorsprung auf den zweiten Platz. Für die Schumachers war es der zweite Doppelsieg in diesem Jahr nach Montreal, wo Ralf das Familienduell gewonnen hatte. Für den jüngeren Schumacher war es trotz der Niederlage ein gutes Wochenende, nachdem er an seinem 26. Geburtstag am Samstag seine erste Pole Position geholt hatte und jetzt in der WM-Wertung mit 31 Punkten auf Rang drei steht. Noch auf der Auslaufrunde gratulierte Ralf seinem großen Bruder mit erhobenem Daumen, im Parc Ferme nahm er Michael herzlich in die Arme, nach dem Zwist vom Nürburgring waren die Schumachers wieder ein Herz und eine Seele.

"Es war ein perfektes Resultat, mit Ralf und Rubens neben mir. Nachdem Ralf in Kanada Erster war, habe ich es heute geschafft. Unsere Strategie war einfach besser, und der Bridgestone-Reifen hat uns den Sieg ermöglicht", sagte Michael Schumacher, der allerdings vom guten Start seines Bruders überrascht war: "Als er wegziehen konnte, habe ich mich schon gewundert. Eigentlich hatten wir es anders erwartet. So war das Rennen schwieriger, als wir es uns vorgestellt hatten. Ich hatte aber erwartet, hier gewinnen zu können."

Der jüngere Schumacher haderte mit technischen Problemen nach dem ersten Boxenstopp: "Mein Set up hat überhaupt nicht funktioniert, aber ab dem zweiten Satz waren die Reifen nicht mehr gut. So bin ich froh, dass ich noch Zweiter geworden bin."

Für Michael Schumacher, der die Führung in der Gesamtwertung auf 78 Punkte ausbaute, war es bereits der sechste Saisonsieg und der fünfte nach 1994, 1995, 1997 und 1998 in Frankreich. Dritter wurde sein Ferrari-Teamkollege Rubens Barrichello (Brasilien) vor dem Schotten David Coulthard im McLaren-Mercedes. Nick Heidfeld holte im Sauber als Sechster einen WM-Punkt, sein Mönchengladbacher Ortsrivale Heinz-Harald Frentzen ging im Jordan auf Platz acht leer aus.

Für die Silberpfeile war es ein weiterer schwerer Tag. Coulthard, den eine Zehn-Sekunden-Strafe (zu schnell in der Boxengasse) weit zurückwarf, kann seine Titelhoffnungen damit fast schon begraben, weil er bei einem Punktestand von 47:78 Zählern nach dem zehnten von 17 WM-Läufen nicht mehr aus eigener Kraft Weltmeister werden kann. Selbst, wenn er die restlichen sieben Rennen alle gewinnen sollte, könnte er Michael Schumacher nicht mehr einholen, wenn der jeweils Zweiter werden sollte.

Zum großen Pechvogel wurde einmal mehr David Coulthards Teamkollege Mika Häkkinen aus Finnland. Der ehemalige Weltmeister blieb mit seinem McLaren-Mercedes bereits am Start zur Einführungsrunde wie angewurzelt stehen. Es war das frühe Ende seines Arbeitstages.

Ralf Schumacher erwischte von der Pole Position den deutlich besseren Start als sein Bruder Michael und behauptete souverän seinen ersten Platz. Der Ferrari-Star musste sich sogar eines Angriffs von Coulthard erwehren, konnte aber Rang zwei festigen. Bis zu seinem ersten Reifenwechsel in Runde 24 hatte sich Ralf rund drei Sekunden Vorsprung herausgearbeitet, die er in der Box aber einbüßte. Michael Schumacher wurde in Runde 25 von der Ferrari-Crew schneller abgefertigt, kam vor Ralf wieder auf die Piste und fuhr danach ungefährdet dem Sieg entgegen.

Ralf Schumacher fiel nach seinem zweiten Boxenstopp zwar zwischenzeitlich hinter seinen Teamkollegen bei BMW-Williams, Juan Pablo Montoya, und auch hinter Rubens Barrichello zurück. Montoyas Ausfall und ein dritter Tankstopp des Brasilianers spülten Ralf Schumacher aber zurück auf Platz zwei. "Das war ein gutes Bruderresultat", meinte der ältere Schumacher hinterher erfreut. Da wollte Ralf Schumacher dann doch nicht einstimmen: "Ich war so langsam, habe alles verloren. Irgendwie war es hier ein Desaster", meinte er.

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