Formel 1 : Alles neu am Start

Die Formel 1 ändert sich: Eine Übersicht über Reformen und ihre Wirkung nach den ersten beiden Rennen

Karin Sturm[Sepang]
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Die neuen Favoriten

Zwei Rennen erst sind in der neuen Saison absolviert, trotzdem zeigt sich schon jetzt: Die alte Hierarchie gilt nicht mehr. „Ganz vorne ist natürlich Brawn GP, gefolgt von Toyota, dann kommt eine Gruppe mit Williams, Red Bull und auch uns und vielleicht Ferrari“, sagt BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. Wobei vor allem die Teams von Brawn, aber auch Toyota und Williams von ihrer umstrittenen Auslegung des Regelwerks in Sachen Diffusor profitieren – jenem Endstück des Unterbodens, das in der Brawn-Version über eine halbe Sekunde pro Runde bringen soll. Die übrigen Teams protestieren gegen diese Interpretation, die auf jeden Fall dem Geist des Reglements widerspricht. Entschieden wird der Fall bei der Verhandlung vor dem Berufungsgericht des Weltautomobilverbandes Fia am 14. April. „Wenn diese Diffusoren legal bleiben, dann ist die WM entschieden“, sagt Felipe Massa, „bis wir anderen nachgezogen haben, sind Brawn und Button punktemäßig zu weit weg.“ Red Bull ist das einzige Team, das annähernd mithalten kann. „Wir fühlen uns als moralische Sieger, unter den legalen Autos sind wir eins und zwei“, erklärte Red-Bull-Sportchef Helmut Marko in Sepang nach dem Qualifying. Für Sebastian Vettel eine große Chance, in diesem Jahr vorne mitzumischen.

Die neuen Außenseiter

McLaren-Mercedes und Ferrari bezahlen jetzt den Preis dafür, dass sie sich letztes Jahr bis zum Saisonende einen harten Kampf um den WM-Titel lieferten, dem die volle Aufmerksamkeit gelten musste. So wurde am 2008er-Auto bis zum Ende weiterentwickelt, was Kapazitäten band, die in der Vorbereitung auf 2009 fehlten. Beide Teams haben im Prinzip ein ähnliches Problem: ein Auto, das sich gut fährt, weshalb die Fahrer kaum über Abstimmungsprobleme klagen, das aber einfach zu langsam ist. „Wir brauchen mehr Abtrieb“, sagt McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, der jetzt zu allem Überfluss auch noch die Lügenaffäre um den suspendierten Sportdirektor Dave Ryan und Weltmeister Lewis Hamilton am Hals hat. Das lenkt ab, wenn man schneller werden will. Der Ferrari hingegen ist zwar schneller, dafür gibt es andere Probleme. Zur fehlenden Zuverlässigkeit kommen unverständliche Fehler. In Malaysia blieb Felipe Massa in der ersten Qualifyingrunde hängen, weil man Reifen sparen wollte. Im Rennen dann wechselte Kimi Räikkönen zu früh auf Regenreifen.

Die neuen Regeln

Ein bisschen spektakulärer als in den letzten Jahren geht es auf der Strecke schon zu. Auch wenn nicht gerade ein Monsun das Klassement durcheinanderwirbelt, gibt es mehr Überholmanöver. Allerdings scheint dafür nicht nur die neue Aerodynamik der Autos verantwortlich zu sein, sondern auch das Energierückgewinnungssystem Kers, das nicht in allen Autos eingebaut ist. Lewis Hamilton in Australien und Kimi Räikkönen in Malaysia lieferten den Beweis, dass Kers etwas bringt, wenn die Gerade bis zur ersten Kurve lang genug ist. Andererseits verzweifeln die Piloten ohne Kers, wenn sie hinter einem Kers-Auto festhängen. „Selbst wenn man deutlich schneller ist, hat man praktisch kaum eine Chance“, sagte Timo Glock. Auch die Entscheidung von Reifenhersteller Bridgestone, in dieser Saison nicht immer die am besten passende Reifenmischung an die Strecken zu bringen, fördert die Zahl der Überholmanöver. Klar ist aber auch: Sollten die umstrittenen Diffusoren endgültig für legal erklärt werden und alle in diese Richtung nachbauen müssen, wird das Überholen wieder sehr viel schwieriger. Dann haben die Autos genau jene Aerodynamik, die man ja eigentlich vermeiden wollte.

Die neue Sparsamkeit

Im Kleinen wird gespart, im Großen eher nicht. Fahrer wie Timo Glock verzichten freiwillig auf ihre vertraglich garantierten First-Class-Flüge auf Langstrecken, vor allem im Bereich der Reise- und Hotelkosten wird jetzt bei fast allen Teams genauer hingesehen. Teilweise versucht man auch, mit etwas kleineren Mannschaften an der Strecke klarzukommen, auch in den Werken zu Hause wurde die Belegschaft reduziert. Doch was man hier einspart, wird an anderer Stelle aus dem Fenster hinausgeworfen. So ist das Kers-System eine teure Entwicklung, die bis jetzt im Rennen nicht den großen Vorteil bringt und deren Umweltfreundlichkeit, was die Formel 1 angeht, fragwürdig ist. Und auch der Diffusorstreit produziert hohe Kosten. Weil die Fia nicht in der Lage war, das Thema rechtzeitig vor Saisonbeginn zu klären, entwickeln nun sieben Teams neue Modelle, um aufrüsten zu können, wenn die Diffusoren legal bleiben. Und drei Teams entwickeln Modelle, um abzurüsten, wenn die Entscheidung gegenteilig ausfällt.

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