Sport : Formel 1: Alles vergessen

Karin Sturm

Die BMW-Führungsspitze lag sich in den Armen. Der Champagner im Plastikbecher wurde in der Hitze von Malaysia sehr schnell warm, aber das störte nicht beim Riesenjubel im BMW-Williams-Lager. Ralf Schumacher hatte gerade vor Juan-Pablo Montoya den Großen Preis von Malaysia gewonnen - ein Doppelsieg für BMW-Williams im zweiten Formel-1-Rennen dieser Saison. Auf den dritten Platz fuhr Weltmeister Michael Schumacher mit seinem Ferrari. Nick Heidfeld (Sauber) wurde Fünfter, Heinz-Harald Frentzen (Arrows) landete auf Rang elf. "Das ist unser bisher größter Erfolg überhaupt", sagte BMW-Motorsport-Direktor Gerhard Berger. "Ich habe mich heute nur einmal ziemlich geärgert, bei der Strafe gegen Juan-Pablo, denn die war absolut ungerechtfertigt, das war ein ganz normaler Rennunfall. Was die Sportkommissare sich dabei gedacht haben, möchte ich auch gern wissen. Aber wenn man dann einen Doppelsieg feiert, ist das alles vergessen."

Zum Thema Das Spiel: Formel1-Champion gesucht Montoya war in der ersten Kurve mit Michael Schumacher kollidiert. Die Beiden hatten sich berührt, und an Schumachers Ferrari ging dabei ein Frontflügel kaputt, was dem Weltmeister einen Boxenstopp und großen Rückstand einbrachte. Der Kolumbianer wurde dazu verurteilt, einmal langsam die Boxengasse zu durchfahren - eine Entscheidung, die niemand verstand. "Wahrscheinlich wollte die Rennleitung nach den Vorfällen von Australien zeigen, dass sie hart durchgreifen können - und ich musste das ausbaden", schimpfte Montoya. Ob der Kolumbianer ohne den Zwischenfall gewonnen hätte, wollte Berger nicht kommentieren: "Ralf war heute sehr gut unterwegs, es war einfach sein Tag."

Ralf Schumacher, der zwar wie schon bei seinen früheren drei Grand-Prix-Siegen niemanden wirklich überholen musste, aber ein perfektes Rennen fuhr, sagte: "Das Team hat mir ein Super-Auto hingestellt, es war fantastisch zu fahren, ich hatte nicht das geringste Problem, auch die Michelin-Reifen waren absolut super - heute hat einfach alles gepasst." McLaren-Mercedes dagegen erlebte ein Desaster: Beide Silberpfeile schieden mit Motordefekten aus. Von Schadenfreude wollte Gerhard Berger aber überhaupt nichts wissen: "In der Formel 1 geht so etwas ganz schnell - das kann beim nächsten Mal auch ganz leicht umgekehrt sein."

Sehr zufrieden konnten auch Nick Heidfeld und das Sauber-Team sein: Heidfeld wurde Fünfter, Teamkollege Felipe Massa Sechster - die ersten Punkte der Saison sind gesichert, und das ausgerechnet in Malaysia, wo Sauber dank Sponsor Petronas quasi ein Heimspiel hatte. "Das war natürlich besonders schön und wichtig", sagte Heidfeld, dem vor allem sein Duell mit McLaren-Pilot David Coulthard in der Anfangsphase Spaß gemacht hatte. "Das war richtig gut - und mit David kann man so etwas riskieren, da weiß ich, dass der keinen Blödsinn macht." Gemischte Gefühle dagegen hatte Heinz-Harald Frentzen: Er hatte wieder Riesenprobleme am Start, als erneut der Motor abstarb. "Wir müssen da noch etwas an der Software ändern", sagte sein Teamchef Tom Walkinshaw. Mit fast zwei Runden Rückstand ging der Mönchengladbacher ins Rennen, fuhr dann aber mit dem noch sehr neuen, fast ungetesteten Arrows ein sehr starkes Rennen und unter anderem die achtschnellste Rennrunde.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben