Formel 1 : Alonsos Ausschluss fast ausgeschlossen

Welche Konsequenzen drohen Alonso und McLaren in der Spionage-Affäre?

Karin Sturm

Monza - Fernando Alonso hat sicherlich schon erfreulichere Post erhalten. Vor kurzem ging dem Formel-1-Weltmeister ein Schreiben des Automobil-Weltverbandes Fia zu. „Die Fia wurde über eine Unterstellung informiert, dass einer oder mehrere McLaren-Fahrer im Besitz von wichtigen schriftlichen Beweisen dieser Untersuchung seien oder kurzfristig gewesen sein könnten“, hieß es da unter Bezug auf die Spionage-Affäre, in die Alonsos Team McLaren-Mercedes und Ferrari verwickelt sind. Offenbar durch einen Tipp hatte die Fia erfahren, dass Alonso per E- Mail vom McLaren-Testfahrer Pedro de la Rosa Abstimmungsdaten des Konkurrenten Ferrari erhalten hatte. Das Ganze soll im März stattgefunden haben, also vor der Übergabe des 780-Seiten-Geheimdossiers durch den einstigen Ferrari-Techniker Nigel Stepney an McLaren-Ingenieur Mike Coughlan. Mit dem Versprechen der Straffreiheit im Falle der Kooperation wurde Alonso aufgefordert, sich zu erklären – andernfalls wurden „ernste Konsequenzen“ angedroht. Alonso selbst äußerte sich auch beim ersten Trainingstag zum Großen Preis von Italien nicht öffentlich. Sein Team erklärte nur, man werde bei der Anhörung am 13. September schlagkräftige Gegenbeweise vorlegen. „Unser Team hat nichts getan, was nicht erlaubt ist“, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

Die Frage ist nun, welche Konsequenzen zu erwarten sind, wenn McLaren wirklich für schuldig befunden werden sollte. Erstens wohl kein kompletter Ausschluss des Teams aus der diesjährigen WM, wie es die Fia eigentlich angedroht hat. Denn damit würden sehr wohl die Fahrer mitbestraft, außerdem wäre die WM-Show gegen Ferrari ruiniert – und da hat mit Sicherheit vor allem Grand-Prix-Boss Bernie Ecclestone einiges dagegen. Und auch für 2008 erscheint das eher unwahrscheinlich, denn dass sich die Formel 1 tatsächlich einer ihrer größten Attraktionen selbst beraubt, ist nur schwer vorstellbar.

Gut vorstellbar ist dagegen, dass Fia-Präsident Max Mosley das Team seines Intimfeindes Ron Dennis mit einem Abzug sämtlicher WM-Punkte in der Konstrukteurswertung belegen lässt. Außerdem ließe sich so möglicherweise ein Weg Alonsos zurück zu Renault ebnen – dem Team des Ecclestone-Freunds Flavio Briatore. Alonso, bis vor kurzem noch kreuzunglücklich bei McLaren, bestreitet mögliche Wechselabsichten: „Ich bin Teil des Teams, also ist es auch mein Problem.“ Dennoch dürfte eine große Portion Politik in der Angelegenheit stecken.

Zunächst einmal muss aber bewiesen werden, dass McLaren aus Ferrari-Informationen tatsächlich Vorteile zog. Was bei den angeblich „nicht besonders detaillierten, eher allgemeinen Infos“ über Abstimmungen des Konkurrenten Ferrari, die in besagten E-Mails nach Insiderinformationen auftauchen, zweifelhaft ist. Denn erstens ist die Übertragbarkeit von Details angesichts der unterschiedlichen Bauweise der Autos gering. Und zweitens ist Ideenklau in der Formel 1 nichts Ungewöhnliches, wie BMW-Technikchef Willy Rampf neulich zugab: „Wir bauen pro Jahr mindestens 20 Ideen der Konkurrenz nach – wie alle anderen auch. Nur, das meiste davon funktioniert am eigenen Auto dann sowieso nicht.“ Karin Sturm

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