Sport : Formel 1: Angst vor Indianapolis

Karin Sturm

Indianapolis ja oder nein? Endgültig ist diese Frage trotz der großen Töne von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone noch nicht beantwortet. Zwei Wochen vor dem Großen Preis der USA denken mehrere Fahrer an einen Boykott. Der prominenteste ist der Weltmeister: Michael Schumacher.

Ferraris Teamchef Jean Todt eröffnete der "Gazzetta dello Sport" in einem Interview einen Einblick in das Innenleben des Deutschen. "Michael war sehr traurig, als er nach Monza kam. Ich habe ihn gefragt, ob er fahren will. In Monza wollte er dabei sein, aber was Indianapolis betrifft, werden wir uns nach Michaels Entscheidung richten", sagte Todt. Es seien nicht nur die Trauer um die Opfer der verheerenden Terror-Anschläge und die Angst vor dem Flug nach Amerika, die Schumacher zweifeln lassen. Vor allem habe er sich über einige seiner Kollegen geärgert, allen voran BAR-Pilot Jacques Villeneuve. Dieser hatte Schumachers Vorschlag abgelehnt, in den ersten beiden Schikanen nicht zu überholen. Offensichtlich auf Druck ihrer Teamchefs schlossen sich fünf weitere Fahrer der Weigerung an.

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Online-Gaming: meinberlin.de sucht den Formel-1-Champion! Nach dem gescheiterten Abkommen von Monza erscheint es unwahrscheinlich, dass alle Fahrer sich für einen Boykott von Indianapolis entscheiden könnten. Vielleicht aber muss das Rennen schon aus logistischen Gründen ausfallen. Über diese Probleme wollen in den nächsten Tagen in Brüssel der Weltverband Fia und Behörden reden. Im Moment müsste die komplette Luftfracht der Formel 1 über Amsterdam laufen. Dort steht eine Druckkammer für die Sprengstoff-Suche unter Flugbedingungen - die einzige in Europa, die groß genug ist, die Formel-1-Container aufzunehmen. Erst am Dienstag kommen die Transporter aus Monza zurück, spätestens am Donnerstag müsste das Material in Amsterdam in die Jumbos verladen und ausgeflogen werden. Für Indianapolis aber gibt es noch keine Landeerlaubnis, ein Ausweichen über Chicago oder Kanada würde weitere Verzögerungen mit sich bringen.

Zudem weiß niemand, wie die Formel 1 ihre Reifen schnell genug nach Indianapolis bringen soll. Eine große Lieferung von Bridgestone aus Japan hängt jetzt schon seit einiger Zeit in Alaska fest. Und dann ist da noch die leidige Sache mit dem Sprit: Benzin darf im Moment wohl aus Sicherheitsgründen überhaupt nicht in die USA eingeflogen werden. Also müsste die Fia amerikanischen Sprit als offizielles Rennbenzin freigeben und vorschreiben. Dass dann die Motorenhersteller im Dreieck springen würden, weil sie ja nicht wüssten, was der ungewohnte Treibstoff mit ihren Hochleistungs-Triebwerken anstellen würde, kann sich jetzt schon jeder vorstellen. Auch von Verschärfungen der Visa-Bedingungen ist die Rede. Noch ein Punkt, der sich kurzfristig als Hindernis erweisen könnte.

Irgendwie wurde man am Sonntagabend im Fahrerlager von Monza das Gefühl nicht los, dass auch zahlreiche Verantwortliche darauf hoffen, es würde auf diesem Weg doch noch zu einer Absage des umstrittenen Rennens kommen. Bei einem Verzicht auf den Großen Preis der USA aus logistischen Gründen würden die Amerikaner wie auch die Formel-1-Verantwortlichen ihr Gesicht wahren, und Verträge müssten auch nicht gebrochen werden.

Über Alternativen wird jedenfalls schon spekuliert. So könnte das ausgefallene Rennen zwei Wochen nach dem offiziellen Saisonfinale in Japan nachgeholt werden. Das wäre Ende Oktober. Als Austragungsorte sind die Strecken von Jerez in Spanien und Estoril in Portugal im Gespräch.

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