Formel 1 : Auf der anderen Straßenseite

Nicht nur kontinental-europäische Autofahrer kommen sich in England wie in einer verkehrten Welt vor. Button und Hamilton tauschen ihre Rollen.

Karin Sturm

Silverstone - Nicht nur kontinental-europäische Autofahrer kommen sich in England wie in einer verkehrten Welt vor. Ein ähnliches Gefühl dürften auch die beiden britischen Formel-1-Stars Lewis Hamilton und Jenson Button bei ihrem Heimrennen in Silverstone haben – innerhalb eines Jahres hat sich für die beiden alles auf den Kopf gestellt.

Der eine, der amtierende Weltmeister, hat einen fast unvorstellbaren Absturz hinter sich. Lewis Hamilton, 2008 Weltmeister und schon bei seinem Heimsieg damals von allen umjubelt, kämpft in dieser Saison mit einem nicht konkurrenzfähigen McLaren-Mercedes mühsam um den Anschluss. In Silverstone erwischte es ihn schon vor dem Rennen heftig: Er wird als 19. und Vorletzter an den Start gehen. Sicherlich hatte Hamilton nach dem Unfall von Adrian Sutil und dem folgenden Abbruch auch Pech, dass ihm sein letzter Versuch auf eine schnelle Runde genommen wurde. Dennoch war Hamilton sehr frustriert: „Ich weiß gar nicht, was wir mit diesem Auto hier verloren haben, es ist eine Schande, hier 19. zu sein. Ich habe mir eigentlich Punkte erhofft, aber wir sind meilenweit davon entfernt.“

Neben dem sportlichen Misserfolg hat Hamilton auch außerhalb der Strecke zu kämpfen: Unter anderem durch die Affäre zu Saisonbeginn, in der Hamilton Rennkommissare belog, hat er Sympathien verloren – und den Status der britischen Nummer eins an Button.

An jenen Jenson Button, der noch vor kurzem im hoffnungslos unterlegenen Honda im Hinterfeld herumgurkte, der im Winter nach dem Ausstieg der Japaner dann ohne Job dazustehen schien – und der jetzt nach sechs Siegen in sieben Rennen mit dem Brawn-Team für die meisten schon als der Weltmeister 2009 gilt. Letztes Jahr musste er Hamilton in Silverstone noch zu einem Triathlon-Wettkampf herausfordern, „weil das der einzige Wettbewerb ist, in dem ich eine Chance habe, dich zu schlagen“.

Hamilton kann jetzt freilich nicht auf gleiche Weise kontern – denn auch in Sachen Fitness hat er in diesem Jahr gegen Button keine Chance. „Das liegt vor allem daran, dass ich gerade zuletzt wieder so viele PR-Termine hatte, während sich Jenson in Monaco eine Woche lang ausruhen und trainieren konnte“, sagt der Weltmeister. Allerdings betont Hamilton, seinem Landsmann den Erfolg zu gönnen: „Jenson fährt eine fantastische Saison und er hat es absolut verdient, den Titel zu gewinnen. Wenn ich schon nicht wieder Weltmeister werden kann, dann ist es für mich das Beste, wenn Jenson den Titel holt.“ Button wiederum, dem es durch den Erfolg nach und nach gelingt, sein Image als allzu lässiger Playboy abzuschütteln, kann die Probleme von Hamilton nachvollziehen: „Mir braucht keiner zu sagen, wie es ist, wenn man in einem unterlegenen Auto keine Chance hat.“Karin Sturm

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