Formel 1 : Bahrain und das Fiasko der Funktionäre

Bahrain verzichtet auf seinen Grand Prix, die Diskussion um das Rennen hat die Formel 1 beschädigt. Vor allem aber die Bosse Ecclestone und Todt machten eine äußerst schlechte Figur.

Karin Sturm
Rote Welle. Auf dem Wüstenkurs der Formel 1 in Manama wird in diesem Jahr nun doch nicht mehr gefahren.
Rote Welle. Auf dem Wüstenkurs der Formel 1 in Manama wird in diesem Jahr nun doch nicht mehr gefahren.Foto: dpa

Am Donnerstagabend gegen 19.30 Uhr Ortszeit, als sich die Rennstrecke in Montreal bereits weitgehend geleert hatte, war das Problem endlich gelöst. Die Verantwortlichen für den Grand Prix in Bahrain erklärten überraschend, man werde auf die Austragung des Rennens in diesem Jahr verzichten – und ersparten der Formel 1 nach einem langen Hickhack weitere unschöne Scherereien. Noch wenige Stunden zuvor war das Rennen in Bahrain das große Thema im Fahrerlager von Montreal gewesen. Ein Briefwechsel zwischen der Teamvereinigung Fota und dem Weltverband Fia war öffentlich geworden, in dem man versuchte, die Verantwortung für die Wiederaufnahme des umstrittenen Rennens vor allem zwischen Fia-Präsident Jean Todt und Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hin und her zu schieben.

Schon da war die Tendenz in Richtung Absage klar, man musste nur noch einen Weg finden, aus dem selbst angerichteten Schlamassel irgendwie wieder schadenfrei herauszukommen. Die Weltmeisterschaft wird in diesem Jahr also doch in 19 statt wie ursprünglich geplant 20 Rennen ausgetragen. Es ist offen, ob die Streckenbetreiber diesen Schritt wirklich völlig uneigennützig taten oder ob im Hintergrund ein Deal ablief, etwa mit Zusagen für 2012. Zumindest bleiben den Formel-1-Verantwortlichen so jetzt weitere Peinlichkeiten erspart.

Ausschlaggebend für den Rückzieher sei laut Streckenchef Zayed R. Alzayani die Tatsache gewesen, dass sich die Teams gegen eine Austragung ausgesprochen hätten. Man wolle den beteiligten Wettbewerbern keine Probleme verursachen. „Bahrain hat immer versucht, in der fortlaufenden Entwicklung der Formel 1 eine positive Rolle zu spielen, und war Vorreiter für ein Rennen im Mittleren Osten“, sagte Alzayani. „Wir haben anderen Ländern geholfen, in anderen Regionen ihre eigenen Rennen auf die Beine zu stellen. Bahrain hat aber absolut kein Interesse daran, ein Rennen stattfinden zu sehen, das den Kalender nur noch mehr in die Länge zieht und den Fahrern, Teams und Zuschauern den Spaß an der Formel 1 nimmt.“

Trotzdem – was zurückbleibt, ist natürlich ein fader Beigeschmack. Denn die Formel 1 als Ganzes, vor allem aber die Bosse Ecclestone und Todt machten in der ganzen Diskussion eine äußerst schlechte Figur. Die Argumente der Teams waren lange bekannt: Es gab logistische Bedenken bezüglich einer Verlängerung der Saison mit Indien als Abschlussrennen am 11. Dezember. Zudem gab es Vorbehalte ob der politischen Situation in Bahrain, auch vor der Fia-Weltratssitzung am 3. Juni, auf der die Entscheidung fiel, das Rennen doch auszutragen. Todt argumentierte, der Weltrat habe sich auf das Urteil von Ecclestone verlassen, der schließlich für das Rennen gestimmt habe. Genau konnte hinterher niemand sagen, ob das Abstimmungsergebnis nun einstimmig gewesen war oder nicht.

Kurz vor der Sitzung hatte Ecclestone betont, dass er das Rennen in Bahrain gerne stattfinden ließe – mit Argumenten wie „das sind doch alles nette Leute dort“. Danach machte er einen Rückzieher, als die Kritik von allen Seiten auf ihn einprasselte. Plötzlich tat Ecclestone so, als sei er schon immer gegen eine Neuansetzung gewesen. Die Fia sorgte für Kopfschütteln, weil sie mit dem Spanier Carlos Gracia einen Delegierten zur Überprüfung und Berichterstattung nach Bahrain geschickt hatte, der nur sehr schlecht Englisch spricht– geschweige denn Arabisch.

Auch die Fahrer gaben keine allzu gute Figur ab. Außer Mark Webber, der ganz klar von Anfang an sagte, „wo Menschen und Menschenrechte verletzt werden, darf die Formel 1 kein Thema sein“, traute sich keiner, ein klares Statement abzugeben. Vogel-Strauß-Politik überall, nur keine Meinung haben, geschweige denn dazu stehen.

Wobei Weltmeister Sebastian Vettel noch ein bisschen mehr versuchte als die meisten anderen. Er gab zumindest zu bedenken, dass die Logistik und die zusätzliche Belastung für die Teammitglieder, vor allem die Mechaniker, wohl gegen das Rennen sprächen – auch wenn er einer politischen Beurteilung komplett auswich. Bei den meisten anderen klang das eher nach: „Kann ich nicht beurteilen, will mich auch gar nicht damit beschäftigen.“ Oder, wie bei Nico Rosberg: „Dazu sage ich gar nichts.“

Mit dem jetzt von allen Seiten anerkannten Rückzugsargument der logistischen Gründe muss sich die Formel 1 auch nicht der Frage stellen, die sonst eigentlich auf der Hand läge: Wenn man in Bahrain angesichts der politischen Situation nicht fahren kann und soll, wie verhält sich die Situation eigentlich in China, wo sich die Menschenrechtslage zuletzt drastisch verschlechtert hat? Dieser Frage will sich keiner stellen – dazu ist der chinesische Markt zu wichtig.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben