Sport : Formel 1: Blaulicht in der Boxengasse

Frank Bachner

Helle Aufregung herrschte gestern auf der Rennstrecke von Monza während der Testfahrten verschiedener Formel-1-Teams. Ein Krankenwagen fuhr in die Boxengasse, mit Blaulicht und ziemlicher Geschwindigkeit. War Michael Schumacher in dem Wagen? War doch etwas Schlimmeres passiert als ursprünglich gedacht? War der Formel-1-Weltmeister vielleicht sogar ernsthaft verletzt?

Keiner wusste etwas Genaues, und das steigerte die Hektik. Michael Schumacher hatte einen Unfall auf der Strecke - das war schnell klar. Aber was war wirklich passiert? Schumacher war mit hoher Geschwindigkeit beim Anbremsen der zweiten Schikane von der Strecke abgekommen. Er überstand den Aufprall unverletzt, trotzdem wurde der Krankenwagen vorsichtshalber auf die Strecke geschickt. Bis dies allen an der Strecke bewusst war, verging einige Zeit.

Zum Thema Online Spezial: Formel 1 Auch Ralf Schumacher, der zum Zeitpunkt des Unfalls seines Bruders ebenfalls auf der Strecke unterwegs war, bekam man eine ganze Weile nicht zu Gesicht. Während auf den Tribünen noch Unwissenheit über die tatsächlichen Ereignisse herrschte, fuhr das Safety Car auf die Strecke, um die weiteren Fahrer zu bremsen. Klarheit kehrte erst ein, nachdem Ralf Schumacher wild gestikulierend aus dem inzwischen zurückgekehrten Safety Car gestiegen war. Er hatte an der Unfallstelle seines Bruders angehalten, um sich über dessen Gesundheitszustand zu informieren. Auf den ersten Blick schien ihm alles in Ordnung gewesen zu sein, wenngleich die Diagnose des Rennarztes noch ausstand.

Um seinen Wagen kümmerte sich Ralf Schumacher nicht mehr; ein Lastkraftwagen brachte den BMW zurück an die Box. Als Ralf - mit verstörter Miene zwar - Autogramme gab, waren auch die letzten Beobachter davon überzeugt, dass der Unfall seines Bruders so schlimm nicht gewesen sein konnte.

Die nächste Aufregung folgte jedoch prompt. Angeblich hätten an Michael Schumachers Unfallstelle keine Reifenstapel als Sicherheitspuffer gelegen. Ralf weigerte sich, seine Testfahrt fortzusetzen, so lange sich an dieser Tatsache nichts ändern würde. Der Veranstalter hätte ihm geantwortet, dass die Reifen erst am Donnerstag dort positioniert werden würden. Das klang alles verdächtig skandalös, war aber lediglich eine in der allgemeinen Hektik produzierte Fehlinformation. Die Reifen waren de facto bereits an der Unfallstelle und hatten Schumachers Aufprall auch wie vorgesehen gebremst. Allerdings hatte der dreifache Weltmeister trotzdem die Leitplanke touchiert.

Nachdem sich dies alles geklärt hatte, ging Ralf Schumacher am Nachmittag schließlich doch noch einmal auf die Strecke. Er hätte es vielleicht besser bleiben lassen sollen, denn auch er produzierte einen (ebenfalls glimpflich verlaufenden) Abflug.Sein Bruder war zu dieser Zeit schon in der Luft. Er hatte sich noch einmal untersuchen lassen, dann flog er nach Hause in die Schweiz. Heute gehen die Testfahrten weiter, mit Ralf, aber ohne Michael Schumacher. Mit 220 in die Leitplanken - das steckt auch er nicht so schnell weg.

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