Formel 1 : BMW läuft nicht mehr sauber

Nick Heidfeld und Robert Kubica sollten um den Formel-1-Titel kämpfen – derzeit fahren sie hinterher

Karin Sturm[Sachir]
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Kommt da noch wer? Momentan können Nick Heidfeld und BMW-Sauber nicht allzu viele Autos hinter sich lassen. Ein zweiter Platz ist...

Bis jetzt haben sie es immer geschafft, mit ihren Zielen genau im abgesteckten Rahmen zu bleiben – obwohl das durchaus anspruchsvoll war: Regelmäßig in den Punkten 2006, die ersten Podestplätze 2007, der erste Sieg 2008. Doch jetzt scheint die Planerfüllung erstmals ins Stocken zu geraten. WM-Titelkandidat wollte BMW-Sauber in der Saison 2009 sein, und noch während und nach den Wintertests sah auch alles durchaus danach aus. Aber die ersten drei Rennen haben Ernüchterung gebracht. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen ist der Erste, der das auch offen zugibt, ohne um den heißen Brei herumzureden: „Insgesamt sind wir nicht zufrieden. Wir haben das hohe Ziel, um den Titel zu kämpfen. Im Moment sind wir eindeutig nicht in dieser Position.“

Ein zweiter Platz im Regen von Malaysia für Nick Heidfeld ist als bisher einziges Top-Ergebnis nicht viel. Vor allem aber ist das Auto derzeit einfach nicht schnell genug, um ganz vorne mitzufahren, das Energierückgewinnungssystem KERS, auf das BMW große Hoffnungen gesetzt hatte, bringt noch keine großen Vorteile, auch wenn Theissen weiter an das Potenzial seines Lieblingskindes glaubt: „Ab Saisonmitte werden die schnellsten Autos im Feld KERS-Autos sein.“ In Bahrain reichte es in der Qualifikation wieder nur zu den Plätzen 13 und 14 für Robert Kubica und Nick Heidfeld.

Natürlich leidet BMW, wie viele andere Teams, unter der umstrittenen Regelauslegung beim Diffusor. Damit sind schon einmal drei Teams, Brawn, Toyota und Williams, vor den Münchnern, dazu Red Bull. Und ein bisschen Pech kam auch noch dazu: Kubica hätte in Australien gewinnen können, wäre er nicht kurz vor Schluss in den Zweikampf mit Sebastian Vettel verwickelt worden, der am Ende beide einen Podestplatz kostete. Und Heidfeld wurde auch mehrfach unschuldig in Kollisionen verwickelt, die bessere Ergebnisse unmöglich machten. In Australien knallte ihm gleich zum Start Rubens Barrichello ins Heck, in China drehte ihn erst Timo Glock um, dann traf ihn das Rad von Adrian Sutils Force India.

BMWs Grundproblem aber ist die fehlende Geschwindigkeit im Vergleich zur Spitze. Das weiß auch Heidfeld, der dennoch nicht in Panik verfällt: „Sicher ist es ärgerlich. Die Situation, wie sie jetzt ist, kann man nicht wegreden und nicht innerhalb einer Sekunde ändern. Wir müssen mit vollem Einsatz das Auto weiterentwickeln.“ Das Entwicklungsprogramm, das so schnell wie möglich Abhilfe schaffen soll, läuft auf vollen Touren. Es wurde schon lange vor dem Diffusor-Urteil auf den Weg gebracht, allerdings wohl ein bisschen später als bei McLaren oder Renault, wo man jetzt schon zumindest gewisse Teillösungen am Auto hat. „Wir werden alles dafür tun, die erwartete Performance zu erreichen“, sagt Theissen. „Das dauert jedoch seine Zeit. Das Kernthema ist die Aerodynamik.“

Für den Start der Europasaison in Barcelona am 10. Mai ist ein umfangreiches neues Aerodynamik-Paket geplant. Ob die Doppel-Diffusor-Lösung dann schon in ihrer endgültigen Version am Auto sein wird, ist nicht sicher. Genauso wenig kann BMW einschätzen, wie groß der Sprung nach vorne dann ausfallen wird. „Die Frage wird sein, was die anderen Teams bringen“, sagt Heidfeld. „Wir hoffen, dass wir einen großen Schritt nach vorne machen können, denn ein kleiner würde nicht reichen, um unser Ziel zu erreichen.“ Kleinere Schritte reichen höchstens, um im Mittelfeld ein paar Plätze gutzumachen – hinter den klar schnelleren Brawn, Red Bull, Toyota und Williams. „Dahinter wird es eng“, sagt Heidfeld. In China waren sieben Autos innerhalb eineinhalb Zehntel.

Resignieren wird BMW noch nicht, auch wenn Theissen die Situation realistisch einschätzt: „Es wird nicht einfacher, unser Saisonziel zu erreichen, wenn man zwei Rennen unter den Erwartungen geblieben ist.“ Um den Titel wollen sie trotzdem noch mitfahren. „ Wir müssen das Auto nach vorne bringen“, sagt Theissen. „Das ist die oberste Priorität.“

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