Formel 1 : Briatore holt sich Störenfried ins Haus

Flavio Briatore freut sich über die Rückkehr von Fernando Alonso zu Renault. Allerdings hat der zweifache Weltmeister gezeigt, dass eine Zusammenarbeit mit ihm zum großen Problem werden kann.

Matthias Bossaller
Alonso
Wieder vereint: Fernando Alonso (l.) kehrt zurück zu Renault und Teamchef Flavio Briatore. -Foto: ddp

BerlinRenault-Teamchef Flavio Briatore war schon länger am zweimaligen Weltmeisters Fernando Alonso dran. Bereits Anfang November äußerte sich der Renault-Teamchef zu einer Rückholaktion des Spaniers. "Ich habe Fernando ein Angebot für die Zukunft gemacht", sagte er auf der Internetseite der "Gazzetto dello Sport".

Jetzt freut sich der Italiener, "Fernando wieder zu Hause begrüßen zu dürfen". Briatore hofft durch die Verpflichtung des ehemaligen McLaren-Piloten wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen zu können. "Fernando und Nelson sind das aufregendste Fahrer-Paar der neuen Saison", äußerte sich der 57-Jährige euphorisch über die Kombination Alonso und Nelson Piquet junior, den zweiten Fahrer den Renault für die kommende Saison verpflichtet hat.

Nestwärme für Alonso

Briatore, der Alonso beim Start seiner Karriere persönlich managte, will dem verlorenen Sohn eine Nestwärme bieten, die dieser bei McLaren-Mercedes nicht hatte. "Er wird sich garantiert von Beginn an wohl fühlen", glaubt der Teamchef, der zudem einen großen Vorteil darin sieht, dass Alonso das Team kenne "und weiß, wie wir arbeiten".

Doch der clevere Geschäftsmann ist sich bewusst, dass die Heimkehr von Alonso zu Renault keine Herzensentscheidung war. Die Fahrerplätze bei den Spitzenteams der Formel 1 sind alle schon belegt, so dass für den Spanier nur noch die Franzosen übrig blieben. Zudem erleichterte ein geschätztes Jahresgehalt von 35 Millionen Euro den Schritt zu Renault.

Ausstiegsklausel im Vertrag

Alonso soll für den Zwei-Jahresvertrag eine Ausstiegsklausel besitzen, wonach er bereits nach einer Saison den Rennstall verlassen kann. Briatore wollte seinen ehemaligen Weltmeister eigentlich drei Jahre binden. Doch es ist ein offenes Geheimnis, dass Alonso am liebsten bei BMW oder Ferrari fahren würde. Eine perfekte Voraussetzung für eine fruchtbare Zusammenarbeit sieht sicherlich anders aus, vor allem wenn man bedenkt, wie sich Alonso bei seinem vorherigen Arbeitgeber McLaren-Mercedes verhalten hat. Briatore kalkuliert eventuelle Probleme bereits mit ein: "Wenn man heiratet, sich trennt und dann wieder zusammen kommt, ist das nicht einfach."

Alonso hat trotz seiner Klasse als Fahrer seinen Ruf durch sein Fehlverhalten in der Zeit bei McLaren-Mercedes beschädigt. Auf seinem einjährigen Egotrip hat er versucht, seinen Teamchef Ron Dennis im Zusammenhang mit der Spionage-Affäre zu erpressen. Er hat sich in der selben Angelegenheit als Kronzeuge gegen sein eigenes Team zur Verfügung gestellt, als McLaren-Mercedes die Rekordstrafe von 100 Millionen Dollar samt Abzug aller Punkte aus der Konstrukteurswertung aufgebrummt wurde.

Rauswurf provoziert

Die Kritik an einer angeblichen Bevorzugung seines ehemaligen Team-Gefährten Lewis Hamilton und die daraus resultierenden Zweikämpfe auf der Strecke haben Alonso in die selbstverschuldete Isolation getrieben. Am Ende hat der 26-Jährige mit seinem teamschädigenden Verhalten seinen Rauswurf provoziert.

Bei McLaren-Mercedes hatte sich ein Konflikt zwischen dem damaligen Neuling Lewis Hamilton und Titelverteidiger Alonso entwickelt, weil der Engländer nur widerwillig den Part des Lehrlings spielen wollte und stattdessen den WM-Titel selbst ins Visier nahm. Alonso, der sich als Nummer-eins-Fahrer wähnte, kam mit dieser Situation nicht zurecht und unterstellte seinem Arbeitgeber und Teamchef Dennis offen, ihn gegenüber Hamilton zu benachteiligen. "Diese Weltmeisterschaft wird abseits der Rennstrecke entschieden", wetterte er nach dem Großen Preis von China und unterstellte sogar Manipulation. Sein Reifendruck sei zu hoch gewesen, deshalb habe er keine Chance gegen Hamilton gehabt.

"Entweder du lässt mich aus dem Vertrag, oder ich packe aus."

Nachdem ihm die Führungsrolle im Team abhanden gekommen war, soll Alonso durch einen Erpressungsversuch seine Vertragsauflösung gefordert haben. Der Spanier soll Teamchef Dennis gedroht haben, belastende E-Mails im Spionagefall gegen den englisch-deutschen Rennstall zu verwenden. Die "Bild am Sonntag" zitierte Alonso mit den Worten: "Entweder du lässt mich aus dem Vertrag, oder ich packe aus."

Dass Alonso den Betriebsfrieden derart stört, ist bei Renault nicht zu fürchten. Zudem hat Briatore vorgebaut und Alonso die Nummer eins im Fahrerlager versprochen. Dennoch bleibt abzuwarten, wie lange die Zweckgemeinschaft zwischen dem schwierigen Spanier und seinem ehemaligen Ziehvater funktioniert.

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