Formel 1 : Bruno Senna: Nicht nur der Name überzeugt

Bruno Senna, der Neffe des tödlich verunglückten Weltmeisters Ayrton Senna, steht vor dem Sprung in die Formel 1. Bei Tests für Honda hinterlässt er einen guten Eindruck

Karin Sturm[Barcelona]
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Der Traum von der Formel 1. Bruno Senna durfte für Honda testen.Foto: AFP

Als der Wagen mit dem gelben Helm zurück in die Boxengasse rollte, stürzten sich Massen von Fotografen auf ihn und umzingelten ihn. Es blitzte und klickte im Akkord, doch es war nicht der gelbe Helm des Weltmeisters Lewis Hamilton, der bei den Formel-1-Testfahrten in Barcelona so viel Aufmerksamkeit erregte – es war der Kopfschutz, dessen Design Hamilton zur Nachahmung inspiriert hatte. Nach mehr als 14 Jahren ist der gelbe Helm mit dem Namen Senna in die Formel 1 zurückgekehrt.

Wahrscheinlich wird er Rubens Barrichello ablösen

Bruno Senna, der Neffe des 1994 in Imola tödlich verunglückten dreimaligen Weltmeisters Ayrton Senna, absolvierte in Barcelona für Honda seinen ersten Test in einem Formel-1-Wagen. Und der 25-jährige Brasilianer überzeugte bei seiner ersten Fahrt so sehr, dass die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass er in der kommenden Saison seinen Landsmann Rubens Barrichello als Stammpiloten bei Honda ablösen wird.

Senna war schon nach der ersten Ausfahrt am Montag anzumerken, wie viel Freude ihm sein Debüt im Formel-1-Auto gemacht hatte. „Ich hatte einen Riesenspaß“, sagte der Vizemeister der Nachwuchsserie GP2. Obwohl sein Auftritt vor allem den Sinn hatte, den noch skeptischen Honda-Teamchef Ross Brawn von seinen Fähigkeiten zu überzeugen, war Senna den Test sehr locker angegangen: „Ich hatte überhaupt keinen Druck. Das Team wollte nur, dass ich erst einmal das Auto kennen lerne, mich an die Elektronik gewöhne, an die ganzen Schalter und Knöpfe, all die Abläufe und Möglichkeiten, welche die Formel 1 bietet.“

Die Umstellung bereitete Senna weniger Probleme als erwartet. Am Montag war er gleich 1,2 Sekunden schneller als sein Kontrahent Lucas di Grassi, obwohl Sennas brasilianischer Landsmann, den Honda ebenfalls unter die Lupe nahm, bereits ein Jahr lang als Renault-Testfahrer Formel-1-Erfahrung sammeln konnte. Am Dienstag war er nur unwesentlich langsamer als di Grassi, am Mittwoch fehlten ihm auf den Stammpiloten Jenson Button weniger als drei Zehntelsekunden.

Nach dem Tod seines Onkels fuhr er zehn Jahre lang kein Rennen

Mit seiner Leistung bestätigte Bruno Senna, was er schon in der GP2 angedeutet hatte: seine außergewöhnliche Lernfähigkeit in kürzester Zeit, die ihn innerhalb von vier Jahren von seinem ersten Rennen in der englischen Formel BMW im Herbst 2004 jetzt in ein Formel-1- Auto brachte. Das ist auch insofern bemerkenswert, als er nach dem Unfall seines Onkels aus Rücksicht auf die Familie zehn Jahre lang auf seine Pilotenträume verzichten musste und ihm deswegen Erfahrungen aus der Kart- und Juniorenzeit fehlen.

Auch bei Honda registrierte man Sennas Vorstellung wohlwollend. Teammitglieder bemerkten, dass er „schnell auf Zeiten kommt und sich nicht aus der Ruhe bringen lässt“. Auch sein Auftritt außerhalb des Cockpits scheint einen gewissen Eindruck hinterlassen zu haben. Seine Offenheit und seine positive Art, mit Menschen umzugehen, kommen gut an.

Honda gefällt Sennas  großer Werbewert

Natürlich hat Senna gegenüber di Grassi und Barrichello noch einen weiteren Vorteil: seinen Namen. Zwar betont er, „dass ich das, was ich erreicht habe, durch meine eigene Leistung erreicht habe, nicht durch meinen Namen. Heute bekommt in der Formel 1 niemand mehr eine Chance, von dem ein Team nicht überzeugt ist.“ Doch die klickenden Kameras dürften den Honda-Verantwortlichen klar gezeigt haben, dass der Neffe der Formel-1-Legende neben seinem Fahrtalent auch einen nicht zu unterschätzenden Werbewert besitzt. Und obwohl Senna darauf besteht, dass er seinen eigenen Weg gehen und Ayrton „nicht kopieren“ will, wird er mit den Vergleichen mit seinem Onkel aufgrund der verblüffenden optischen Ähnlichkeiten zumindest leben müssen. Er selbst ist daran nicht ganz unschuldig, schließlich traf er die Wahl, Ayrtons Helmdesign zu übernehmen.

Die Frage ist nun, ob der gelbe Helm tatsächlich demnächst wieder bei einem Grand Prix zu sehen sein wird. „Ich glaube, ich habe einen guten Job gemacht“, sagte Senna. „Ob das reicht, um einen Stammplatz zu bekommen, ist die Entscheidung des Teams.“ Dann fügte er mit einem Grinsen an: „Wir müssen jetzt halt mal ein bisschen abwarten.“ Mindestens bis nächste Woche – dann, so sickert durch, soll der neue Fahrer möglicherweise schon bekannt gegeben werden.

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