Formel 1 : Button darf gewinnen

Das Brawn-Team feiert einen souveränen, aber kontroversen Doppelsieg beim Formel-1-Rennen in Spanien.

Christian Hönicke[Barcelona]
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Zielsicher. Der Brite Jenson Button im Brawn-Mercedes holte in Barcelona schon seinen vierten Saisonsieg. Foto: AFP

Die Aufrüstungsschlacht der Formel-1-Teams hat Millionen verschlungen. Mit großem Aufwand hatten die Rennställe vor dem ersten Grand Prix der Saison in Europa neue Doppelddiffusoren und Aerodynamikteilchen an die Autos geschraubt. Am Ende blieb die Hackordnung aber auch beim Großen Preis von Spanien am Sonntag wie in der jüngeren Vergangenheit. In einem taktisch geprägten Rennen ohne große Highlights fuhren die Brawn-Mercedes-Piloten Jenson Button und Rubens Barrichello einen ungefährdeten Doppelsieg vor den Red-Bull-Fahrern Mark Webber und Sebastian Vettel heraus. Unumstritten war der Sieg allerdings nicht: Barrichello erhob nach dem Rennen wenig versteckte Vorwürfe der Stallorder an sein Team. „Ich hatte das Gefühl, heute gewinnen zu können“, sagte er.

Nick Heidfeld kam im BMW auf Rang sieben direkt vor Nico Rosberg (Williams) ins Ziel, Timo Glock steuerte seinen Toyota auf Rang zehn. Mit seinem vierten Saisonsieg baute Button den Vorsprung an der Spitze der WM-Wertung weiter aus. „Wenn es gut läuft, dann läuft es eben gut“, sagte Button. „Im letzten Jahr war es anders herum, da lief einfach alles schlecht.“ Vettel bleibt in der WM auf Rang drei.

Eine bessere Platzierung und eventuell sogar den Sieg vergab der junge Deutsche in Barcelona, weil er in den zwei entscheidenden Szenen des Wochenendes das Nachsehen hatte. Die erste hatte sich schon am Samstag ereignet, als Button ihm in der allerletzten Sekunde des Qualifikationstrainings noch die beste Startposition weggeschnappt hatte. Die zweite spielte sich eben bei jenem Start ab.

Nicht nur, dass ihn Brawn-Pilot Rubens Barrichello am Start genauso wie den WM-Führenden Jenson Button überholte und von Platz drei auf eins vorfuhr – wie befürchtet hatte der auf Platz zwei gestartete Deutsche am Start auch gegen den hinter ihm anfahrenden Felipe Massa keine Chance, der mit seinem Ferrari dank des Kers-Systems mehr Power auf der ersten Geraden hatte. Dahinter crashten Adrian Sutil im Force India, Jarno Trulli im Toyota und die Toro-Rosso-Fahrer Sebastien Bourdais und Sebastian Buemi ins Aus.

Nach dieser anfänglichen Aufregung und der daraus resultierenden Safetycar-Phase waren die Positionen auf der Strecke manifestiert. Vettel hing hinter Massa fest – und wann immer er dem Brasilianer nah genug kam, um zum Überholen anzusetzen, drückte Massa einfach auf den mit „Kers“ bezeichneten Turbo-Boost-Systems in seinem Ferrari und war dadurch im entscheidenden Moment immer ein paar km/h schneller. „Es ging einfach nicht. Ich kam einfach nicht vorbei“, sagte Vettel nach dem Rennen.

Auch nicht beim ersten Boxenstopp, den das rot-blaue Doppelpack ohne Positionsveränderung synchron in der 20. Runde hinter sich brachte. Die gleiche Prozedur ereignete sich in der 43. Runde beim zweiten Tankaufenthalt. Diesen Bremsklotz nutzten die beiden Brawns, um zu einem ungefährdeten Doppelsieg davonzustürmen.

Dass aber nicht Barrichello, sondern Button gewann, rief nach der Siegerehrung Aufregung hervor. Weil Buttons Strategie auf zwei Stopps umgestellt wurde, kam er noch an seinem Teamkollegen vorbei, der wie geplant dreimal stoppte. Der Brasilianer beschwor hinterher Erinnerungen an den Stallorderskandal von 2002, als er Michael Schumacher im Ferrari hatte Platz machen müssen (siehe nebenstehenden Text). „Ich war ziemlich überrascht, als sie mir dann sagten, dass sie Jensons Strategie zu zwei Stopps ändern“, sagte Barrichello.

Umgekehrt funktionierte es für Vettels Teamkollegen Mark Webber: Er schob sich noch vor auf Rang drei, weil er im Gegensatz zum Deutschen dreimal nachtankte und so das fahrende Hindernis Massa samt hinterfahrendem Anhang umgehen konnte. Vier Runden vor Schluss gelang es Vettel doch noch, die rote Mauer zu überspringen. Felipe Massa hatte mit Spritmangel zu kämpfen und musste später auch noch Fernando Alonso im Renault passieren lassen.

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