Formel 1 : Christian Horner: „Mercedes ist einer der Hauptgegner“

Red-Bull-Teamchef Christian Horner spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über Hausverbote für Mercedes-Mitarbeiter, den Zwist zwischen beiden Teams und die Entscheidung über Vettels neuen Teamkollegen.

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Red-Bull-Teamchef Christian Horner ist nicht gut auf Mercedes-Sportchef Toto Wolff zu sprechen.
Red-Bull-Teamchef Christian Horner ist nicht gut auf Mercedes-Sportchef Toto Wolff zu sprechen.Foto: rtr

Herr Horner, Mercedes hat zwei der letzten drei Rennen gewonnen. Ist das Team jetzt Ihr Hauptkonkurrent in der WM?

 Auf jeden Fall sind sie ein sehr starker Gegner, das sehen wir seit Malaysia. Aber ich unterschätze auch Ferrari, Lotus und die anderen nicht. Wir haben dieses Jahr gesehen, dass sich die Formkurve immer wieder ein bisschen verschoben hat und ich glaube, dass das auch so bleiben wird. Aber mit Sicherheit ist Mercedes einer der Hauptgegner.

 

Werden die neuen Reifen noch einmal einiges verändern?

 Ich glaube, das wird nur einen sehr geringen Unterschied machen. Es wird hoffentlich vor allem hauptsächlich deutlich sicherer werden.

 

Hatten Sie nach dem Ausgang der Mercedes-Testaffäre eigentlich das Gefühl, dass es da möglicherweise ein abgekartetes Spiel gab, auch durch die nebulöse Rolle des Automobil-Weltverbands Fia und seines Rennleiters Charlie Whiting?

 Ich glaube nicht, dass da von Fia-Seite aus irgendetwas mit Absicht geschehen ist. Vielleicht sind einige Meinungen ein bisschen schnell, ein bisschen voreilig geäußert worden, als man eine Lösung gesucht hat. Das ist in dem Tribunal auch klar geworden. Aber da steckte sicher keine böse Absicht dahinter.

 

Das Verhältnis zwischen Red Bull und Mercedes war ja zuletzt ziemlich gespannt – haben die Mercedes-Bosse jetzt bei Ihnen Hausverbot?

 Niki Lauda ist jederzeit herzlich willkommen.

 

Haben Sie sich über gewisse Äußerungen, wie die mit dem „Brause-Produzenten, der Mercedes nicht ewig vor der Nase herumfahren könne“, auch geärgert?

 Ganz ehrlich, ich beschäftige mich gar nicht mit diesen Dingen. Ich konzentriere mich darauf, was wir selbst auf der Strecke tun, nicht darauf, was andere Leute sagen. Und man kann dem Team sowieso in Wahrheit nicht wegnehmen, was wir in den letzten fünf Jahren erreicht haben, 37 Siege, sechs WM-Titel, über 40 Pole-Positions, mehr WM-Punkte als jeder andere. Das spricht doch für sich selbst.

 

Es heißt, Sie hätten einen Friedensgipfel, den eine Zeitung mit Mercedes-Sportchef Toto Wolff  arrangieren wollte, abgelehnt.

 Ich sehe keinen Sinn darin, so etwas als öffentlichen Zirkus zu inszenieren. Wenn Toto mit mir reden, mir etwas sagen will, dann habe ich da überhaupt kein Problem damit, im Gegenteil. Aber solche Gespräche sollten grundsätzlich privat stattfinden, nicht als Medienereignis.

 

Haben Sie manchmal das Gefühl, dass in der Öffentlichkeit ihre Rolle als Teamchef nicht genügend anerkannt wird, dass es zu sehr heißt, die Entscheidungen würden sowieso andere treffen, speziell Red-Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz? Besonders auch nach den Vorkommnissen in Malaysia rund um die Teamorder?

 Dietrich ist nun mal der Chef des gesamten Unternehmens, so wie Luca di Montezemolo bei Ferrari oder Zetsche bei Mercedes. Der Unterschied liegt darin, dass Dietrich das Unternehmen auch noch komplett gehört. Ich führe das Team, was das Tagesgeschäft angeht, treffe alle Entscheidungen, wie das Team operiert – und berichte auch durch Helmut Marko sehr direkt an Dietrich Mateschitz. Teamintern ist das alles sehr klar geregelt – auch wenn es vielleicht von außen manchmal gewisse Fehleinschätzungen gibt.

 

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