Sport : Formel 1: Coulthard und der Heim-Grand-Prix

Hartmut Moheit

Es ist kein Scherz: David Coulthard lag fast eine Sekunde vor Michael Schumacher. Das Problem für den McLaren-Mercedes-Fahrer ist allerdings, dass es um nichts ging. Im Freien Training am Freitag ließ er den Weltmeister und WM-Spitzenreiter von Ferrari hinter sich. Das ist bekanntermaßen nicht sehr aussagekräftig. Dennoch, die Botschaft des Schotten im Silberpfeil ist angekommen: "Ich kann den Titel noch gewinnen." Dafür tut Coulthard alles und spart nicht mit selbstbewussten Sprüchen: "Sollte ich es nicht schaffen", sagt er, "dann wird das auf jeden Fall andere Gründe haben als meine Fahrleistungen."

Wer David Coulthard vor seinem 116. Grand Prix begegnet, stellt fest, dass er keinen Zweckoptimismus verbreitet. Auch am Nürburgring überlässt der 30-Jährige nichts dem Zufall. Auf dem Gelände des Fahrsicherheits-Zentrums hat er sein privates Wohnmobil geparkt, das mit Fitnessgeräten regelrecht vollgestopft ist. "Wer um den WM-Titel kämpft, der muss auch absolut fit sein", sagt Coulthard.

Das hört sich so an, als habe er schon immer entsprechend gelebt. Aber Coulthard, die Speerspitze von McLaren-Mercedes im Kampf gegen Ferrari um den Weltmeistertitel 2001, war früher anders. Er gibt zu, dass er "früher zu viele Ablenkungen von der Formel 1 zugelassen hatte". Dies sei nun aber alles ganz anders. Den momentanen Rückstand von 18 Punkten auf Michael Schumacher (58:40) sieht Coulthard, der elf Grand-Prix-Siege vorweisen kann, als "in zwei Rennen aufholbar". Und der Große Preis von Europa am Sonntag auf dem Eifelkurs ist schließlich erst der neunte von 17 Weltmeisterschaftsläufen in dieser Saison.

Rückendeckung bekommt Coulthard vom ehemaligen Weltmeister Jacques Villeneuve aus Kanada, seinem besten Kumpel. Er sieht den Schotten ebenfalls in einer völlig neuen Situation. "Was auffällt, das ist Davids Konstanz in dieser Saison. Ich würde mein Geld auf David setzen", sagt der Mitbesitzer des BAR-Honda-Teams und derzeitige WM-Siebente über den Gentleman der Formel-1-Szene. Hilfe bekommt David Coulthard aber auch von Mika Häkkinen, der gestern die Bestzeit im Freien Training erzielte. Je besser der zweimalige Champion aus Finnland abschneidet, desto größer ist die Chance, dass er für Coulthard die gewünschten Hilfestellungen leisten kann. "Es gibt bei uns zwar keine Stallregie", sagt Coulthard, "aber wäre Mika in Montreal vor mir gewesen, hätte ich erwartet, dass er mich vorbeilässt. Doch dazu kam es ja durch meinen Ausfall nicht."

Wer wie der ehemalige Formel-1-Pilot Marc Surer eine Erfolgsmüdigkeit bei Coulthard und Häkkinen ausmacht, der dürfte sich täuschen. "Wenn ein Team über Jahre immer um die WM gekämpft hat, lässt irgendwann die Konzentration bei dem einen oder anderen ein wenig nach", sagte Surer, der als TV-Kommentator für das Schweizer Fernsehen arbeitet. Für Mercedes-Sportchef Norbert Haug ist das absolut nicht der Fall. Immer dann, wenn man ihm neue Fahrer einzureden versucht, wiederholt er geradezu gebetsmühlenartig: "Wir sind mit beiden Fahrern absolut zufrieden."

In den nächsten Tagen dürften Coulthard und Häkkinen ihre Verträge mit McLaren-Mercedes um ein weiteres Jahr verlängern. Coulthard lässt keinen Zweifel daran, dass er dazu bereit ist: "Ich wüsste kein anderes Team, das mir wie McLaren-Mercedes siegfähiges Material zur Verfügung stellen könnte." Gerade am Nürburgring möchte er an seine Erfolge von Brasilien und Österreich in dieser Saison anknüpfen und dem Ferrari-Star Michael Schumacher ein Stück näher rücken. Seit 1995 war er viermal Dritter, aber gewonnen hat Coulthard in der Eifel noch nie. "Das soll sich ändern", sagt er selbstbewusst. "Es ist schließlich unser Heim-Grand-Prix - nicht der von Ferrari."

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