Sport : Formel 1: Damals in den Ardennen

Karin Sturm

Heinz-Harald Frentzen ist hin- und hergerissen. "Wenn man diese Strecke so durchgehen lässt, dann hätte man viele andere auch nicht umbauen müssen", sagt der Formel-1-Pilot. Aber eigentlich ist er froh, dass man Spa so gelassen hat. Denn da ist ja nicht nur das Risiko, die Frage um die Sicherheit - sondern auch die Faszination: Eau Rouge, Blanchimont, Raidillon, La Source - Namen, die Rennfahrer und Fans begeistern. Namen der berühmtesten, berüchtigsten und anspruchsvollsten Kurven auf der traditionsreichsten und schwierigsten Strecke, die sich im Formel-1-Kalender findet. 6,968 Kilometer lang schlängelt sich das Asphaltband der Berg- und Talbahn durch die Wälder der belgischen Ardennen - die Lieblingsstrecke fast aller Formel-1-Piloten, "eine Fahrerstrecke, die extreme Herausforderungen bietet", sagt Frentzen.

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Online-Gaming: Die Strecke von Spa im Simulator Geliebt, gehasst, gefürchtet. Eine Mutprobe, das ist Eau Rouge - die heißeste Formel-1-Kurve. Mit Tempo 300 jagen die Autos am Sonntag beim Großen Preis von Belgien wieder durch diesen Streckenabschnitt von Spa-Francorchamps - und versuchen, durch die Senke zu kommen, ohne vom Gas zu lupfen. In dieser Kurve wirken die Beschleunigungskräfte von mehreren Seiten auf das Auto. Sogar von oben. "Wenn man in die Senke reinsticht", erzählt Frentzen, "wird man mit der vierfachen Erdbeschleunigung gegen den Boden gepresst." Das Auto setzt auf, einen Augenblick lang ist der Pilot Passagier.

Eau Rouge forderte Opfer. Am 1. September 1985 starb dort, im Linksknick nach der Senke, Deutschlands Hoffnung Stefan Bellof nach einer Kollision mit dem Belgier Jacky Ickx. 1982 stapelten sich hier fünf Formel-2-Autos übereinander. Der Belgier Thierry Tassin erlitt einen Schädelbruch. 1999 hob der Malaysier Alex Yoong, der noch in dieser Saison für Minardi fahren wird, im Formel-3000-Auto ab und verletzte sich.

Alle reden von Eau Rouge, dabei gibt es andere Stellen, die genauso schwierig sind, an denen aber die Situation mit den Auslaufzonen noch kritischer ist. Blanchimont zum Beispiel. Tempo 320 wird dort gefahren. "Man probiert jedes Jahr was Neues, um die Sicherheit zu verbessern, aber der Platz reicht einfach nicht", sagt Ralf Schumacher, der die allgemeine Spa-Begeisterung seiner Kollegen nicht unbedingt teilt: "So schnelle Kurven brauchen größere Auslaufzonen."

Frentzen sagt: "Die Herausforderung ist gewaltig, aber im Hinterkopf weiß man natürlich auch, dass man Glück braucht." Ein besonderes Gefühl sei es jedes Mal, wenn er nach Spa kommt, gibt der Mönchengladbacher zu. Von Angst redet ein Formel-1-Fahrer nicht, höchstens von "Respekt". "Spa ist die letzte Naturstrecke, anders als die künstlichen Kurse, die wir sonst haben", sagt Michael Schumacher. "Dazu kommt das Wetter." Es regnet oft in den Ardennen, so auch am Freitag im Training. Als die ersten Tropfen vom Himmel fielen, wurde es auch Regenmeister Schumacher mulmig: "Mir wäre eine trockene Piste lieber. Wenn hier auch noch die Sichtverhältnisse kritisch werden, dann ist das kein Spaß mehr."

Schumachers Ängste bestätigten sich prompt. Beim Rundendrehen übersah er den langsamer fahrenden Pedro de la Rosain - bei Tempo 250, in der Kurve Eau Rouge. Sein Ferarri prallte ins Heck des Jaguar und verlor einen Frontspoiler. Schlimmer noch sah es bei David Coulthard am Vormittag aus. Der Schotte verlor in der Fagnes-Kurve die Kontrolle über sein Auto und krachte seitlich in die Leitplanke. Coulthard hatte Glück. "Ich bin okay", sagte er erleichtert.

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