Formel 1 : Danke nach links

Nick Heidfeld und BMW nutzen die Querelen der Gegner.

Christian Hönicke[Budapest]
Heidfeld
Dritter in Ungarn: Nick Heidfeld. -Foto: dpa

Mario Theissen blickte leicht nach links, wo sich die verspiegelte Teamzentrale von McLaren-Mercedes befand. „Ja, das ist richtig“, sagte der BMW-Teamchef, als jemand bemerkte, der dritte Platz seines Fahrers Nick Heidfeld beim Großen Preis von Ungarn sei auch den internen Querelen bei den Nachbarn zu verdanken, auch wenn er gleich hinterherschickte, man wolle lieber aus eigener Kraft nach vorn kommen. Nachdem Ferrari durch einen Tankfehler Felipe Massa nicht aufs Podest brachte, räumte auch McLaren in Folge des Clinchs seiner Fahrer den eigentlich Fernando Alonso zugedachten Platz unter den ersten Drei frei.

Theissen konnte auch deswegen lächeln, weil er sich selbst zuschreiben konnte, eine Eskalation in seinem Team erfolgreich verhindert zu haben. Nachdem beim vergangenen Rennen auf dem Nürburgring Heidfeld seinen Teamkollegen Robert Kubica von der Strecke geboxt hatte, schritt Theissen energisch dazwischen. Noch am Tatort erklärte der Deutsche, der normalerweise der Diplomatensprache sehr zugetan ist, ungewöhnlich deutlich: „Das Team hat einen guten Job gemacht – die Fahrer nicht. Vor allem Nick muss nächstes Mal die Augen besser offen halten.“

Danach bat er die beiden konzerneigenen Rivalen zum Rapport. „Aber erst kurz vor dem Rennen in Ungarn, um die Sache erstmal sacken zu lassen“, sagte Theissen, inzwischen wieder im Diplomatenmodus. „Wir haben nicht darüber gesprochen, wer Schuld hatte, sondern wie sich solche Dinge künftig verhindern lassen.“ Auch der Auslöser der Aussprache wollte nicht expliziter werden. „Wir haben es intern geregelt, und mehr werden wir dazu nicht sagen“, erklärte Heidfeld. „Der Zwischenfall war aber sicherlich weder meine noch Roberts Absicht.“ Er habe menschlich keine Probleme mit Kubica. „Es gibt keine Spannungen zwischen uns“, sagte der Mönchengladbacher achselzuckend. „Wir kommen sehr gut miteinander klar, aber im Auto bekämpfen wir uns auch sehr hart.“

Nachdem Kubica zu Beginn der Saison noch Probleme mit den neuen Bridgestone-Reifen hatte, hat er sich an den jüngsten Rennwochenenden zu einem ebenbürtigen Widersacher entwickelt. Das Aufeinandertreffen in der Eifel war eine fast logische Konsequenz der Auseinandersetzung um die Führungsposition im Team. Heidfeld: „Robert ist einfach ein schneller Fahrer, und deshalb begegnen wir uns hin und wieder auf der Strecke.“ In Zukunft wolle man es aber vermeiden, „dass wir uns gegenseitig in die Karre fahren“. Auf dem Hungaroring gelang das schon recht gut. Heidfeld und Kubica umfuhren sich weiträumig und brachten als Dritter und Fünfter wichtige WM-Punkte ins Ziel. „Beide Fahrer haben heute ein sehr starkes Rennen abgeliefert“, stellte Theissen zufrieden fest.

Vor allem Heidfeld durfte sich über ein „super Rennen“ freuen. Am Ende wehrte er die Attacken Alonsos gekonnt ab, „denn ich habe extra vorher meine Reifen geschont, um dagegen halten zu können“. Sein zweiter Podestplatz in diesem Jahr installierte ihn endgültig als ersten Verfolger des unter normalen Umständen übermächtigen McLaren-Ferrari-Quartetts. Dies könnte auch insofern ein Vorteil sein, als Heidfeld noch immer um günstigere Modalitäten bei der anstehenden Vertragsverlängerung kämpft. Der 30-Jährige würde sich gern langfristig an das aufstrebende Team binden, doch BMW möchte ihm angeblich erst einmal nur ein weiteres Jahr zugestehen. Theissen: „Wir haben sehr gute Gespräche geführt, aber noch ist nichts unterzeichnet.“ Es werde wahrscheinlich erst in der nun folgenden Sommerpause dazu kommen.

Dass Heidfeld und Kubica auch im nächsten Jahr bei BMW fahren werden, scheint also unstrittig. „Ich denke, beide Seiten haben keine großen Alternativen“, sagte Heidfeld. Da wusste er allerdings noch nicht, dass Alonso bald auf dem Markt sein könnte. Als Theissen gefragt wurde, ob er den abwanderungswilligen Weltmeister aufnehmen würde, nickte er wieder leicht nach links. Dann blickte er durch die Glasfront hinter sich in seine eigene Teamzentrale und lächelte. „Ich brauche keinen Fahrer für die nächste Saison, ich habe schon zwei.“ Das war nicht ganz richtig: Noch hat er erst einen.

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