Sport : Formel 1: Das Gebot von Spannung und Kommerz - Renn-Wochenende in Suzuka

Karin Sturm

Michael Schumacher soll zwar in diesem Jahr Weltmeister werden - aber möglichst noch nicht in Japan. Jedenfalls, wenn es nach den Plänen des immer als allmächtig bezeichneten Formel-1-Chefs Bernie Ecclestone geht. In England verkündete Ecclestone schon vor dem Start des eventuell vorentscheidenden Renn-Wochenendes in Suzuka präzise sein Wunschszenario der letzten beiden WM-Rennen: "Die Weltmeisterschaft sollte auf jeden Fall bis Malaysia spannend bleiben."

Dass jetzt vielleicht im fünften Jahr hintereinander die Entscheidung erst im letzten Rennen fällt, ist für Ecclestone Beweis für die hohe Qualität des Unternehmens Formel 1. "Allerdings hatte ich nicht gehofft, dass Häkkinen mir vor zwei Wochen in Indianapolis ausfällt", sagt Ecclestone. "Wäre er damals Zweiter geworden, dann würde er nur zwei Punkte hinter Schumacher liegen. Aber man weiß ja nie - vielleicht bekommt McLaren in Japan Probleme. Für die Weltmeisterschaft wäre es jedenfalls gut, wenn es so laufen würde."

In den vergangenen vier Jahren wurde Ecclestones Wunsch stets erfüllt. Die Weltmeisterschaft entschied sich stets im letzten Rennen. Seitdem in der Formel 1 der kommerzielle Einfluss immer größer wird, passt sich das sportliche Geschehen überraschend an die Erwartung nach größtmöglicher Spannung an. In den letzten zehn Jahren gab es von 1990 bis 1995 nur ein Mal eine Entscheidung im letzten Saisonrennen - 1994 in Adelaide, als Michael Schumacher durch den Crash mit Damon Hill seinen ersten Titel holte. Ein Mal, 1992, wurde die WM sogar schon fünf Rennen vor Schluss entschieden, als Nigel Mansell bereits in Ungarn Weltmeister wurde. Zwei Mal fiel die Entscheidung im drittletzten Grand Prix, das war 1993 in Estoril durch Alain Prost und 1995 in Adelaide bei Schumachers zweitem Titelgewinn. Zwei Mal wurde der Weltmeister im vorletzten Rennen gekürt, 1990 und 1991 jeweils in Suzuka, beide Male hieß der Sieger Ayrton Senna.

Doch seit 1996 ist nun alles anders. Die Spannung hält regelmäßig bis zum Schluss - auch wenn zwischenzeitlich immer wieder mal jemand mit bereits über 20 Punkten Vorsprung führt. 1996 ging bei Damon Hill auf einmal so viel schief, dass der weit zurückliegende Jacques Villeneuve noch einmal herankam. 1997 wurde Ferrari im Finale ein Kotflügel genehmigt, der in zumindest sehr ähnlicher Form bei Williams verboten wurde. 1988 lag Schumacher zur Saisonmitte mit 22 Punkten zurück und holte diese noch auf. Nur im vergangenen Jahr, da wollte es mit der Spannung gar nicht klappen. Bei Ferrari wurden in Malaysia, zwei Wochen vor dem Finale, Unregelmäßigkeiten an den Windabweisern enteckt, von den Italienern sogar selbst zugegeben. Disqualifikation? WM-Titel für Häkkinen schon vor dem finalen Showdown? Nein, in letzter Sekunde fand sich noch ein kaum mehr erwarteter Ausweg in Form einer veränderten Regelinterpretation. Diese machte es möglich, die Disqualifikation wieder aufzuheben und das Finale eben doch wieder bis zum letzten Rennen nach Suzuka zu vertagen.

Alles Zufälle? Schumacher wäre es natürlich lieber, wenn die Serie diesmal reißen und er er schon in Suzuka den WM-Sieg perfekt machen würde. Noch bremst Ecclestone: "Abwarten. Auch ein Michael Schumacher ist nicht unfehlbar. Er wäre ja in den USA schon beinahe draußen gewesen, wie leicht hätte das bei seinem Dreher passieren können ..." Vielleicht muss sich der Deutsche also noch zwei Wochen gedulden. Was immer auch passiert, heißt es in der Branche, der Ferrari-Pilot könne sich auf jeden Fall darauf verlassen, dass sich Ecclestones Wünsche und Prognosen noch immer erfüllt haben. Originalton Bernie Ecclestone: "Ich habe immer gesagt, dass Michael Schumacher in diesem Jahr Weltmeister wird!"

0 Kommentare

Neuester Kommentar