Sport : Formel 1: Das harte Leben ohne Stall-Order

Hartmut Moheit

Wie war das noch vor wenigen Wochen? Formel-1-Weltmeister Mika Häkkinen sei müde, der zweimalige Champion aus Finnland habe keine Motivation mehr, die Schwangerschaft seiner Frau Erja würde ihn nunmehr über neue Lebensinhalte nachdenken lassen. So lauteten die Kommentare in Kanada im Juni. Davon ist schon längst keine Rede mehr, über "Flying Mika" werden mittlerweile wieder ganz andere Schlagzeilen geschrieben. Daran ändert auch der "nur" zweite Platz in Hockenheim absolut nichts. "Ich bin wieder da", kündigte Häkkinen vor dem Chaos-Rennen an. "Ich mache keine Geschenke, ich möchte den dritten Titel in Folge erkämpfen."

Genau mit dieser Einstellung startete der 31-Jährige beim Großen Preis von Deutschland in seinen 139. WM-Lauf. Völlig egal war es ihm, dass Michael Schumacher hinter ihm stand. Völlig egal war ihm auch, dass Teamkollege David Coulthard in der WM-Wertung noch besser platziert war. Mika Häkkinen fuhr ganz allein sein Rennen. Mit etwas Glück hätte er auch gewinnen können, gönnte aber auch, sportlich fair, Rubens Barrichello den Erfolg. "Er hat den Sieg verdient. Wer so mutig wie er bei diesem Wetter fährt, der soll auch vorne sein", sagte er. Wer die Bilder nach dem Zieleinlauf und auf dem Siegerpodest sah, wie Häkkinen und sein Teamkollege David Coulthard den Brasilianer herzten und schließlich in einer Champagner-Dusche förmlich ertränkten, der glaubt ihm diese Worte ohne Wenn und Aber. Vor dem nächsten Grand Prix in zwei Wochen in Budapest fehlen Häkkinen noch zwei Punkte auf Michael Schumacher, Coulthard liegt mit ihm gleichauf.

Die Problematik für Mika Häkkinen scheint in den kommenden sechs Rennen nicht so sehr Schumacher zu sein, sondern eher das interne McLaren-Mercedes-Duell. Da es weiterhin keine Stallorder geben kann - beide Fahrer können schließlich Weltmeister werden -, scheint Schumacher mit einer klaren Ferrari-Strategie im Vorteil zu sein. Es gab schon einmal eine ähnliche Situation 1986, als sich zwei Teamkollegen gegenseitig um die Krone des Motorsports brachten. Nigel Mansell und Nelson Piquet fuhren für Williams-Honda, Alain Prost lag damals im McLaren in Lauerstellung. Prost hieß dann der Weltmeister, als beide in den entscheidenden Rennen ausfielen. Hätten sich Mansell und Prost nur einmal zuvor geeinigt, wäre einer von beiden Weltmeister geworden.

Für Häkkinen ist diese Geschichte ziemlich uninteressant, für Coulthard übrigens auch. Wer will es den Beiden im Silberpfeil auch verübeln, dass sie - jeder für sich - die Chance wahrnehmen möchten. "Erst wenn ich 21 Punkte hinter Coulthard liege und es wären noch zwei Rennen zu bestreiten, dann wäre ich mit einer Team-Order einverstanden", meinte Häkkinen, der sich auf dem Hockenheimring locker, auskunftsfreudig und angriffslustig wie lange nicht mehr gab. Erinnerungen an die beiden zurückliegenden Saisons wurden sofort wach. So gibt sich nur ein Rennfahrer, der vor Selbstbewusstsein nur so strotzt. "Die WM hat für mich jetzt erst richtig begonnen, denn jetzt liegt alles wieder allein in meinen Händen. Das war auch in den zwei Jahren zuvor so", kommentierte Häkkinen seine Situation.

Einen Unterschied gibt es freilich: Der eigene Teamkollege ist einer von zwei Hauptgegnern. Für die Teamchefs bei McLaren-Mercedes, Ron Dennis und Norbert Haug, ist das kein Grund zur Sorge. "Unsere Fahrer sind intelligent genug zu wissen, was von ihnen erwartet wird. Dazu brauchen sie keine Order", lautet ihr Kommentar, den sie zu diesem Thema schon mehrfach unisono abgaben. Bei einem Häkkinen ohne Motivation wäre eine solche Aussage nicht nötig gewesen. Wie haben sich doch viele im Frühsommer in dem Finnen geirrt ...

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