Formel 1 : Debütanten haben Vorfahrt

Der Sieger Lewis Hamilton und Youngster Sebastian Vettel prägen den Großen Preis der USA in Indianapolis.

Karin Sturm
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Lewis Hamilton: Der Brite feierte seinen zweiten Sieg in Folge. -Foto: AFP

BerlinDas Rennen in Indianapolis war etwa zur Hälfte vorüber, als Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso versuchte, die Hierarchie bei McLaren-Mercedes wieder herzustellen. Am Ende der langen Geraden attackierte er seinen Teamkollegen Lewis Hamilton, doch das Manöver ging schief. Der Brite hielt voll dagegen, blieb vorn, und der Spanier Alonso war erkennbar verärgert. Bei der nächsten Vorbeifahrt an der Box von McLaren-Mercedes gab er wütend Handzeichen in Richtung Crew. Alonso, der wusste, dass er gerade seine vielleicht einzige Chance verpasst hatte, Hamilton doch noch zu überholen, schimpfte über Funk: "Ich kann schneller fahren."

Mag ja sein, aber er durfte nicht schneller fahren an diesem Tag. Hamilton verteidigte seinen Spitzenplatz, und er gewann gestern den Großen Preis der USA. Vor Alonso und vor den Ferrari-Piloten Felipe Massa (Brasilien) und Kimi Räikkönen (Finnland). Aber Formel-1-Geschichte schrieb in diesem Rennen Sebastian Vettel aus Heppenheim. Der 19-jährige BMW-Sauber-Pilot fuhr auf Platz acht und war damit der jüngste Fahrer, der es jemals in die Punkteränge geschafft hat. Vettel, der für den vor einer Woche verunglückten Robert Kubica (Polen) am Steuer saß, profitierte allerdings von den Ausfällen seiner Landsleute Nick Heidfeld und Nico Rosberg.

Dem Sieger Hamilton, ebenfalls ein Formel-1-Neuling, waren solche Informationen allerdings herzlich egal. "Ich hätte nie mit einem zweiten Sieg in Folge gerechnet", sagte er. "Die letzten 15 Runden kamen mir unendlich lang vor." Der 22-Jährige hat in der Gesamtwertung jetzt zehn Punkte Vorsprung auf Weltmeister Alonso. Das Verhältnis der Beiden zueinander scheint aber nicht so schlecht zu sein, wie es aussah. Sie umarmten sich vor der Siegerehrung und gingen Hand in Hand aufs Podium.

Aber Alonso hatte die Duelle mit Hamilton natürlich nicht vergessen. "Am Start war es sehr eng. Ich konnte ihn nicht überholen, wollte aber auch nicht zu viel riskieren, damit es nicht wie in Kanada wieder schiefgeht. Der Start war der entscheidende Moment, danach war fast schon klar: Wer Zweiter ist, wird Zweiter bleiben. Aber in Europa werde ich wieder richtig angreifen."

Wenn Alonso ein Problem hat, dann auch nicht direkt mit Hamilton, sondern wohl mit einem ganz speziellen Aspekt der momentanen McLaren-Situation. Dass sein Team in diesem Jahr so dominiert, ist zum großen Teil seiner Arbeit zu verdanken. Der Spanier hat mit seinen technischen Qualitäten einen großen Sprung nach vorn ermöglicht und das Team neu motiviert. Aber jetzt profitiert ausgerechnet sein Teamkollege Hamilton so stark von seiner Arbeit.

Sebastian Vettel kann das Duell bei McLaren-Mercedes gelassen verfolgen. Er hat mit Platz acht ein ausgezeichnetes Ergebnis erreicht. Dabei war er schon kurz nach dem Start über eine Wiese gerumpelt und hatte vier Plätze verloren. "Ich wollte eine Kollision vermeiden und bin deshalb durchs Gras gefahren. Aber der Punktgewinn ist natürlich wunderschön", sagte Vettel. Nico Rosberg im Williams dagegen entwickelt sich allmählich zum Pechvogel der Saison. Der Wiesbadener lieferte wieder eine starke Vorstellung, fuhr vom 14. Startplatz auf Platz sechs - und blieb dann vier Runden vor Schluss mit Motorschaden stehen. "Es ist unglaublich", schimpfte er. Noch schlimmer traf es Ralf Schumacher. Er überstand nicht mal die Startphase. Schumacher kollidierte kurz nach Rennbeginn mit David Coulthard, das war es dann für den Toyota-Piloten. "So etwas ist immer schade. Aber es passiert halt", sagte Schumacher lapidar.

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