Sport : Formel 1: Dem Gipfel ganz nah

Hartmut Moheit

Extreme sind es, die Alexander Wurz liebt. Die Formel 1 bietet dem Österreicher sehr viele davon, aber sie genügen ihm nicht. "Alles zu seiner Zeit", sagt der 27-Jährige, der in dieser Saison mehr im Hintergrund agiert. Seine Rolle als Testfahrer bei McLaren-Mercedes zwingt Wurz zum Verzicht, so auch auf eine besondere Herausforderung im Rennsport, den Großen Preis von Monte Carlo in Monaco. "Dreimal bin ich ihn bereits in einem Benetton gefahren", erzählt er und tritt sofort den Beweis dafür an, wie sich dieser Stadtkurs in sein Gehirn eingebrannt hat. "Aus der Casino-Kurve heraus wird kurz auf 130 km/h im vierten Gang beschleunigt, dann geht es bergab zur holprigen, rechtsdrehenden Mirabeau-Haarnadelkurve, die im zweiten Gang mit 30 km/h gefahren wird ..."

So genau beschreibt Alexander Wurz die gesamte Strecke, von der er generell meint: "Der Straßenkurs von Monaco, mit seinen engen, stark gewundenen Kurven und dem Fehlen jeglicher Überholmöglichkeiten ist eine einzige Herausforderung für Fahrer und Autos und erfordert daher volle Konzentration zu jedem Zeitpunkt des Rennens." Einmal im Jahr erscheint der Formel-1-Tross im Fürstentum, um auf dem absolut nicht mehr der Zeit entsprechenden Kurs den besonderen Kick zu erleben. "2002 möchte ich das dort auch wieder erleben", sagt Wurz.

Am liebsten würde Wurz dann selbst in einem Silberpfeil sitzen, was für ihn die größte Herausforderung wäre. Aber solange Mika Häkkinen und David Coulthard noch erste Wahl sind, kann er nur hoffen. Die Extreme im Extremsport Formel 1 findet der ehemalige Weltmeister auf einem BMX-Rad und Le-Mans-Sieger von 1996 dennoch: in seinem Job als Testfahrer und in seiner Freizeit. "Die Aufgabe des Testfahrers ist es, Entwicklungen am Formel-1-Boliden auf höchstem Niveau auszuprobieren", beschreibt er seine Tätigkeit bei den Silbernen. Nach seinem Ausscheiden bei Benetton (für ihn kam Jenson Button) war es für Wurz besser als Testfahrer bei einem Spitzenteam einzusteigen, als in einem kleinen durch Hinterherfahren den guten Ruf zu verlieren. "Ich darf nicht langsamer sein als die beiden Stammpiloten." Was bei McLaren-Mercedes bedeutet, dass er Häkkinen oder Coulthard sofort in einem Rennen ersetzen können muss.

Bescheinigt wird dem Österreicher von allen Seiten, dass er diesen Anforderungen bestens gerecht wird. Eine bessere Reputation, um schnell wieder als Rennfahrer in ein Cockpit bei einem guten Team steigen zu können, kann Wurz nicht bekommen. Das weiß er, da macht es ihm nichts aus, dass er bei McLaren-Mercedes eine seiner Marotten nicht weiter pflegen darf. Früher fiel Wurz immer durch einen blauen und einen roten Rennschuh auf, heute trägt er zwei silberne.

Was er privat macht, das ist seine Sache. Auch, welche Extreme Alexander Wurz dann sucht. "Klettern ist eine meiner Leidenschaften, da habe ich noch sehr viele Träume", sagt der Mann aus dem Alpenland, und erzählt von seinem ersten Trip zum Himalaya. Sein Trekkingpartner war Jamling Tenzing, dessen Vater Tenzing Norgay als Sherpa 1953 den Mount-Everest-Erstbesteiger Edmund Hillary begleitet hatte. "Wenn man den Mount Everest und seine Nachbarn Lhotse und Nuptse betrachtet, kommen einem die Alpen geradezu winzig vor."

Alexander Wurz war im Gebirge der 8000er zwar bloß bis auf eine Höhe von 4800 Metern, wo andere ihr Basislager für die großen Besteigungen aufschlagen, aber dennoch total von seinen Erlebnissen fasziniert: "Ich war dem Everest ganz nahe und durfte einige meiner Bergsteigerträume ausleben, und - dessen war ich mir sicher - es wird nicht lange dauern, bis ich zurückkommen werde. Beim nächsten Mal für länger und mit einem wärmeren Schlafsack." Die große Kälte war selbst für ihn zu extrem.

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