Formel 1 : Der Bautrupp rückt wieder an

Künftig soll der Fahrer mit den meisten Rennsiegen in einer Saison Weltmeister werden und nicht mehr der mit den meisten Punkten. Christian Hönicke über die dauernden Renovierungen in der Formel 1.

Christian Hönicke

In gewisser Weise ist Bernie Ecclestone ein Bauherr. Sein Haus ist die Formel 1, und nachdem er es als charmantes Objekt für Bastler übernommen hatte, hat der 77-Jährige daraus einen prunkvollen Palast mit Doorman und Sprudelwannen gezaubert. Die Formel 1 ist das umsatzstärkste jährliche Sportereignis der Welt, doch wie jeder gewissenhafte Eigentümer wartet auch Ecclestone nicht, bis der Putz wieder zu bröckeln beginnt. Beim kleinsten Fleck auf der Tapete lässt er den Bautrupp anrücken – die Befindlichkeiten der Bewohner interessieren ihn dabei nur peripher. Ob neue Strecken, neue Regeln oder neue Austragungszeiten: Ecclestone weiß, dass seine Mobilie mit jedem neuen Einbau an Wert gewinnt.

Das musste jetzt auch die Stadt Melbourne erfahren. „In Mr. Ecclestones Weltanschauung sind wir keine Menschen. Wir sind Statisten“, schreibt das Melbourner Blatt „The Age“. Dem höchst beliebten Eingangsportal seiner Formel-1-Saison drohte er kurzerhand mit der Streichung, wenn die Stadtoberen von Melbourne sich weiterhin seiner Idee eines Nachtrennens in die Quere stellen.

Laut „Mail on Sunday“ stehen weitere Renovierungsarbeiten ins Haus. Demnach soll künftig der Fahrer mit den meisten Rennsiegen in einer Saison Weltmeister werden und nicht mehr der mit den meisten Punkten. Das soll die Spannung und die Zahl der Überholmanöver erhöhen, weil sich die Fahrer nicht mehr mit einem zweiten Platz zufrieden geben würden. Das klingt nicht völlig abwegig, aber Ecclestone sollte dabei berücksichtigen, dass die Formel 1 seit fast 60 Jahren auf dem Punktesystem basiert und ein völlig neues Fundament einige zuverlässig zahlende Dauermieter aus seinem Haus ekeln könnte. Ein wenig Ruhe würde der Dauerbaustelle Formel 1 mal wieder ganz gut tun.

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