Formel 1 : Der falsche Brasilianer

Formel 1:Rubens Barrichello fährt um die WM, Felipe Massa teilt aus.

Karin Sturm[Sao Paulo]
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Foto: dpaANSA

Vor einem großen Supermarkt auf dem Weg aus Sao Paulo hinaus zur Rennstrecke von Interlagos steht das Formel-1- Auto von Rubens Barrichello. Doch der im Rahmen einer Werbekampagne aufgestellte Brawn-Renner interessiert die Passanten nicht so richtig, kaum einer bleibt stehen. Was für ein Unterschied zum letzten Jahr, als der Ferrari von Felipe Massa, der um den WM-Titel kämpfte, in einem Shopping-Center zum magischen Anziehungspunkt für die Massen wurde.

Zwar kämpft auch Barrichello diese Saison um den WM-Titel, doch vor seinem Heimrennen wird deutlich, dass der Brawn-Pilot sich einfach schwertut, die Herzen der brasilianischen Fans zu gewinnen. Trotz der Stimmungsmache in den heimischen Medien gilt er den meisten Fans eben als „ewiger Verlierer“. Da mag der 37-Jährige, der in der WM 14 Punkte Rückstand auf seinen Teamkollegen Jenson Button hat, noch so oft betonen, er könne sich selbst „sehr wohl als Weltmeister vorstellen“ und er durchlebe gerade „die beste Zeit meines Lebens, nachdem ich im Winter ja wirklich schon Zweifel hatte, ob ich noch einmal einen Platz in der Formel 1 finden würde“ – so richtig will es keiner hören. Und auch die Gerüchte um seinen angeblichen Wechsel zu Williams reißen niemanden wirklich vom Hocker. Barrichello dementiert den Wechsel noch – aber wohl vor allem deshalb, weil er befürchtet, bei einer zu frühen offiziellen Bekanntgabe Nachteile im Titelkampf bei Brawn zu haben.

Stattdessen schaut ganz Brasilien wieder auf Felipe Massa, obwohl der nach seinem Unfall in Ungarn hier noch gar nicht wieder am Start ist. Deswegen ist Massa offensichtlich so frustriert, dass er nun nach allen Seiten kräftig austeilt. Zum Beispiel gegen seinen Rennstall Ferrari, weil ihn der in diesem Jahr nicht mehr fahren lassen will, er selbst sich aber fit fühlt. „Ich könnte gelassen mitfahren“, sagte Massa. „Aber wegen der Unfallrisiken ziehen sie (die Ärzte und Ferrari) es vor, noch etwas zu warten.“ Oder gegen seinen zukünftigen Ferrari-Teamkollegen Fernando Alonso. Immer wieder wärmt Massa das Thema Singapur 2008 auf und erklärt, dass Alonsos Sieg durch den inszenierten Unfall seines damaligen Renault-Teamkollegen Nelson Piquet Junior ihm den Titel geraubt habe. Nun behauptete er, Alonso sei nicht so unschuldig, wie er immer tue: „Er wusste es, ohne Zweifel, es geht gar nicht, dass er es nicht wusste. Da bin ich mir absolut sicher.“ Und weil er gerade so schön dabei war, legte er auch noch ein bisschen zusätzliches Feuer für nächstes Jahr, mit der Bemerkung: „Wenn ich zu Renault gegangen wäre, dann hätte es vielleicht ein Problem mit Alonso gegeben, so kommt er zu uns, da sehe ich keines.“

Dass das alles den Ferrari-Verantwortlichen nicht so gefällt, ist klar. Sie schoben sogar eine offizielle Erklärung nach, dass Massas Äußerungen zum Thema Singapur allein seinem „persönlichen Gefühl“ entsprächen und „nicht auf konkreten Beweisen“ basiere. In jedem Fall ist die ganze Aufregung nicht gerade hilfreich für Massas an sich sehr gute Position im Ferrari-Team. Und auch nicht dafür, die Aufmerksamkeit seiner Landsleute auf den Titelkampf von Rubens Barrichello zu lenken. Aber vielleicht kann er ja doch noch etwas für seinen Freund tun. Am Sonntag wird Felipe Massa die Zielflagge in der Hand halten: „Ich würde mich sehr freuen, wenn ich die Flagge als Erstes für Rubens schwenken könnte.“

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