Sport : Formel 1: Der fünfte Deutsche

Karin Sturm

André Lotterer wünscht niemandem etwas Schlechtes. Schon gar nicht einem Rennfahrerkollegen. Aber ab und zu, da hofft er ein klein wenig, dass es vielleicht doch ein Problem gibt. Nichts Schlimmes natürlich, nur eine harmlose, kurzfristige Sache, die ihm selbst als Jaguar-Testpilot eine große Chance eröffnet. In Silverstone hätte es für den 19-Jährigen beinahe mit einem Einsatz bei einem Formel-1-Grand-Prix geklappt. Aber Stammfahrer Eddie Irvine meldete sich für das Rennen rechtzeitig gesund.

Zum Thema Online Spezial: Formel 1 Zuletzt war Lotterer, der wie Nick Heidfeld von Manager Werner Heinz betreut wird, bereits zu einigen überraschenden Einsätzen bei Tests gekommen, weil Irvine immer wieder an den Folgen einer Nackenmuskelzerrung laborierte. Der gebürtige Duisburger Lotterer, der teilweise in Südamerika und in Belgien aufwuchs, fünf Sprachen spricht und heute in Bitburg und im englischen Milton Keynes lebt, war als sein Ersatzmann vorgesehen. Er wäre der fünfte Deutsche in der Formel 1 gewesen. "Ich hätte sofort einsteigen können", sagte Lotterer. "Vom Speed her passt es auf jeden Fall, aber eine Renndistanz habe ich halt noch nie probiert."

Die Hoffnung, bald ein Jaguar-Stammfahrer zu sein, ist realistisch. Schließlich ist bekannt, dass Jaguar-Boss Wolfgang Reitzle gern einen Deutschen im Team haben würde. Dass er darauf spekuliert, bestätigt Lotterer: "Ich muss an meine Chance glauben. Aber eines ist klar: Reitzle hat mir geholfen, ins Team zu kommen. Meine Leistung muss ich jetzt selbst bringen, wenn ich weiterkommen will."

Dabei gibt es für Lotterer ein Problem. Der deutsche Formel-1-Boom mit bereits vier deutschen Fahrern in der höchsten Klasse könnte sich für ihn als hinderlich erweisen: "Die Leute werden irgendwann sagen, oh Gott, nicht schon wieder ein Deutscher." Aber dann schiebt er die Zweifel, "die man natürlich immer mal hat", weg: "Wenn die Leistung da ist, dann wird die nächste Stufe schon kommen. Mehr als alles dafür zu tun, kann man nicht."

Dass bei Jaguar in der Zukunft etwas passieren muss, ist klar. Die Raubkatzen, in klassischem "British Racing Green" - um auch dem Letzten klarzumachen, in welcher Position und Tradition man sich selbst sieht - haben bis jetzt nicht allzu oft ihre Krallen gezeigt. Trotz Eddie Irvines Podestplatz in Monaco machten sie bis jetzt mehr Schlagzeilen durch ihre Personalpolitik als durch Rennerfolge. Zuletzt durch die Affäre um Starkonstrukteur Adrian Newey mit McLaren, zu Beginn des Jahres schon durch den Coup von Jaguar-Boss Wolfgang Reitzle, Niki Lauda als neuen Rennleiter zu verpflichten. Der versuchte erst einmal, auf Einkaufstour zu gehen - in dem Wissen, dass mit der bestehenden Truppe der große Sprung nach vorn wohl nicht gelingen könnte. Dass sein Plan von der Verpflichtung Neweys in letzter Sekunde scheiterte, war im Gesamtkonzept ein gewaltiger Rückschlag, der Fahrerwechsel von Luciano Burti zu Pedro de la Rosa als zweitem Mann neben Eddie Irvine brachte auch nicht gerade den Super-Effekt.

Das stärkt die Hoffnung für Lotterer - auch wenn er bis jetzt nicht viel Kontakt mit dem Österreicher hatte, "weil Lauda bei den Tests kaum dabei ist". Aber dass sich André sehr schnell an den Umstieg aus der Formel 3 in die Formel 1 gewöhnte, gleich bei den ersten Tests überzeugte, oft zumindest gleichschnell war wie de la Rosa, das war ja nicht zu übersehen. "Das ist schon ein tolles Gefühl", sagt er, "vor allem mit dem Wissen, dass ich noch sehr viel lernen kann und trotzdem von Anfang an recht gut zurechtgekommen bin".

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben