Sport : Formel 1: Der Junge und das Auto

Karin Sturm

In der Formel 1 soll er bald um die Weltmeisterschaft fahren - im Alltag hat er zuweilen Schwierigkeiten, ein normales Auto zu bekommen. "Wenn ich einen Leihwagen abhole, dann schauen die mich oft ganz entgeistert an - weil sie glauben, ich dürfte noch gar nicht Auto fahren", erzählt Kimi Räikkönen. In manchen Ländern wie den USA darf der Finne mit einem Leihwagen auf der Straße noch nicht fahren, dazu reichen seine 22 Jahre nicht aus. In seinem Job fragt freilich keiner danach. Im Gegenteil, im Rennsport gilt seine Jugend, zusammen mit seinem Talent, als großes Kapital. Der Rennstall McLaren-Mercedes hat den Frischling vom Team Sauber geholt - als Nachfolger des zweimaligen Weltmeisters Mika Häkkinen und als große Hoffnung im Kampf gegen Michael Schumacher und Ferrari.

Für Räikkönen ist das kein Problem. Sein Selbstvertrauen ist unerschütterlich. Es half ihm, nach nur 23 Autorennen den Sprung in die Formel 1 zu schaffen. Es gab ihm den Mut, nach nur einem Jahr den Schritt von Sauber zum Top-Team McLaren zu wagen. Und es treibt ihn weiter an. Räikkönen gibt sich nicht mit Teilerfolgen zufrieden. "Natürlich werde ich unter Druck stehen, aber Druck hat man immer. Damit muss man umgehen können." Dass er sich nicht verstecken muss, dass er das Zeug zum großen Fahrer hat, davon ist er innerlich überzeugt. Schließlich war der Sprung aus der Formel Renault zu Sauber um einiges größer als der jetzige Wechsel - und der hat problemlos geklappt. "Ich glaube, ich kann mich schnell auf Neues einstellen", sagt Räikkönen vorsichtig. Denn überheblich klingen will er dann doch nicht. Er ist ja noch so jung.

"Kimi hat was Besonderes", schwärmt Josef Leberer, der Physiotherapeut des Sauber-Teams, der ihn im vergangenen Jahr betreute. Leberer hat sich früher sechs Jahre lang um den dreimaligen Weltmeister Ayrton Senna gekümmert - und sieht und sucht manchmal gewisse Parallelen, auch wenn er direkte Vergleiche natürlich nie offen aussprechen würde. "Kimi hat diesen absoluten Erfolgswillen bei allem, was er macht", erzählt Leberer, "dazu kommt eine absolute Konzentrationsfähigkeit, wie man sie normalerweise nur bei den ganz großen Champions findet." Kein Wunder, dass Räikkönen vor dem direkten Zweikampf mit den Großen der Branche keine Bedenken hat. Natürlich wolle er nicht gleich in den ersten Rennen einen Michael Schumacher von der Strecke schieben. "Aber ich werde meine Position schon zu verteidigen wissen und auch attackieren. Um in der Formel 1 Erfolg zu haben, muss man angreifen. Gegen alle." Übergroßer Respekt bringt gar nichts, das hat Räikkönen gelernt, im vergangenen Jahr, als er um die hinteren Plätze im Fahrerfeld rangelte. Und jetzt? "Ich habe mir schon mit allen möglichen Leuten harte Duelle geliefert. Warum soll das vorne anders sein?"

Keine verbalen Duelle allerdings: Räikkönen gilt im lauten Rennzirkus als Schweiger. Wenn er nicht vor Publikum steht, kann er aber durchaus locker sein und lachen und erzählen. Wird aus dem Jungen ein Champion, ein Weltmeister? Räikkönens Antwort ist ein schüchternes Lächeln. Aber er hat sich vorgenommen, dieses Jahr ein Rennen zu gewinnen. "Mindestens! Es dürfen auch zwei oder drei sein!"

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