Formel 1 : Der Pate gibt nicht auf

Bernie Ecclestone kämpft um seine Macht und will den Verkauf der Formel 1 an Murdoch verhindern. Dass er in diesem Fall sehr schnell völlig aus dem Spiel wäre, kann er sich ausrechnen.

Karin Sturm
Der Chef. Bernie Ecclestone ist inzwischen 80. Es mehren sich die Zweifel, dass er das Geschehen noch überblickt.
Der Chef. Bernie Ecclestone ist inzwischen 80. Es mehren sich die Zweifel, dass er das Geschehen noch überblickt.Foto: dpa

Bernie Ecclestone muss allmählich das Gefühl bekommen, dass er aufs Abstellgleis gedrängt werden soll. Der 80-Jährige hat zwar seit dem Verkauf an die Investmentgesellschaft CVC keine Anteilsmehrheit an der Formel 1 mehr, doch in Wahrheit ist er immer noch der Herrscher der Formel 1. Doch in letzter Zeit tauchen immer mehr Hinweise auf, dass sich ein spektakulärer Verkauf der Rennserie anbahnt, der Ecclestones Zukunft unklar lassen würde. Zunächst meldete der Medienmogul Rupert Murdoch gemeinsam mit der italienischen, über die Agnelli-Familie direkt mit Fiat und Ferrari verbundenen Investmentgruppe Exon Interesse an. Dann erklärte McLarens Teamchef Martin Whitmarsh, die beste Lösung wäre doch, wenn die Rennställe selbst die kommerziellen Rechte kaufen und kontrollieren würden. Nun gibt es noch einen Interessenten: die Investmentgruppe Genii von Renault-Besitzer Gerard Lopez.

Schon länger gibt es im Formel-1-Fahrerlager Getuschel darüber, wie es mit respektive ohne Ecclestone weitergehen könnte. Dass der inzwischen 80-Jährige nicht mehr ewig an der Spitze der Formel 1 stehen kann, ist allen klar. Immer häufiger wird zumindest unter der Hand bezweifelt, dass Ecclestone in seinem Alter grundsätzlich alle wichtigen und zum Teil sehr komplexen Aspekte im Formel-1-Business noch wirklich überblickt. Nicht nur seine sehr skeptische Haltung neuen Medien gegenüber ist da ein Thema, auch seine schon hin und wieder schwankende Tagesverfassung. Ab und zu merkt man ihm sein Alter eben doch an.

Andererseits beweist der Formel-1- Pate immer wieder, dass er gut genug vernetzt ist, um sich auch aus schwierigen Situationen zu befreien. So etwa aus der Affäre um Schmiergeldzahlungen rund um den früheren BayernLB-Mitarbeiter Gerhard Gribkowski, aus der er mit der Erklärung vor der Münchner Staatsanwaltschaft, er sei erpresst worden, erst einmal ziemlich schadlos herauskam.

Klar ist auch: Ein Verkauf an Murdoch ist das Letzte, was Ecclestone will. Dass er in diesem Fall sehr schnell völlig aus dem Spiel wäre, kann er sich ausrechnen. Der Medienzar würde dann auch über diesen Teil seines Imperiums die komplette Kontrolle übernehmen. Und dass er alles andere als gewillt ist, seine Macht vorzeitig abzugeben, das hat Ecclestone schon mehr als einmal sehr deutlich gemacht.

Noch erklärt CVC, man sei an einem Verkauf überhaupt nicht interessiert, ob das allerdings für jeden Fall und jede Summe gilt, sei einmal dahingestellt. „Das ist alles immer eine Frage des Preises“, sagt der ehemalige Teamchef und heutige BBC-Experte Eddie Jordan, „wenn der stimmt, dann wird man bei CVC sicherlich überlegen, das sind schließlich Geschäftsleute.“ Noch eine Frage ist allerdings unklar: Möglicherweise hat Bernie Ecclestone sich ein Vetorecht in solchen Fragen zusichern lassen. Dass ihn CVC nicht so leicht loswerden kann, wird in Formel-1-Kreisen schon aus der Tatsache geschlossen, dass er immer noch da ist. Denn einer der CVC-Chefs würde sich lieber heute als morgen von ihm trennen, wie man weiß.

Wenn es überhaupt zu einem Verkauf kommt, dann wäre der Lieblingskandidat von Ecclestone wohl Lopez. Die zerstrittenen Teams wären als Verhandlungspartner zu wenig berechenbar, doch mit Lopez, dem Hobbyrennfahrer, zu dem er ein gutes Verhältnis hat, könnte er sich sicher arrangieren.

Ein schneller Verkauf ist so oder so nicht zu erwarten. Ecclestones verschachteltes Milliarden-Geschäft ist keine Würstchenbude, die man so schnell den Besitzer wechseln lassen kann. Da sind umfangreichste Bilanz- und Wertanalysen nötig, die von Experten auf eine Dauer von mindestens bis zu eineinhalb Jahren geschätzt werden. Und dann läuft auch noch 2012 das sogenannte Concorde-Agreement aus, das die Macht- und Finanzstrukturen innerhalb der Formel 1 regelt. Und bevor kein neues unterschrieben ist und die Rahmenbedingungen klar sind, wird es wohl mit einem Verkauf nichts werden. Bernie Ecclestone wird also noch das eine oder andere Mal mit den Armen hinter dem Rücken durch die Boxengasse schreiten.

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