• Formel 1: Die einsame Entscheidung: Keiner versteht, warum Williams das Talent Jenson Button gehen lässt

Sport : Formel 1: Die einsame Entscheidung: Keiner versteht, warum Williams das Talent Jenson Button gehen lässt

Karin Sturm

"Ich weiß genau, was ihr jetzt alle denkt", sagte Gerhard Berger in die Runde, "und manchmal denken wir genau dasselbe, oder?", fügte er mit kurzem Seitenblick auf den Teamchef Frank Williams hinzu...

Da hatte Jenson Button in Spa mit dem dritten Startplatz sowie Rang fünf im Rennen bei seinem ersten Formel-1-Start auf dieser extrem schwierigen Fahrerstrecke die große Sensation geschafft, wieder einmal sein Super-Talent eindrucksvoll unter Beweis gestellt, Williams und Berger ihn gerade eben auch über den grünen Klee gelobt - und eigentlich hätte jetzt eigentlich die unvermeidliche Frage kommen müssen: "Warum, um Himmelswillen, schiebt BMW-Williams dieses Juwel dann für zwei Jahre zu Benetton ab, holt dafür den Kolumbianer Juan-Pablo Montoya aus der CART-Serie, der sich erst wieder auf die Formel 1 einstellen muss. Ein gewagtes Experiment, das zuletzt bei Alex Zanardi schon einmal schiefging?"

Konkret kam die Frage nicht. Nicht an Frank Williams - denn der Rollstuhl-General hatte schon zuvor klargemacht, "Ich diskutiere geschäftliche Entscheidungen nicht öffentlich." Auch nicht an den BMW-Motorsport-Direktor Gerhard Berger, denn dem fiele es wohl noch schwerer, sie zu erklären. "Alles im Leben, alle Entscheidungen sind ein Risiko", kommentiert er nur vorsichtig - wenn es nach ihm gegangen wäre, wäre der 20-Jährige sicherlich geblieben.

"Der beste junge Einsteiger in die Formel 1 in den letzten zehn Jahren, vor allem, weil er ja absolut aus dem Nichts kommt", sagt Berger, "er hat mich unglaublich beeindruckt, von Rennen zu Rennen mehr. Als Frank mich im letzten Winter anrief, um mir von Button zu erzählen, brauchte ich erst mal ein Blatt Papier, um mir den Namen aufzuschreiben, ich hatte keine Ahnung, wer das sein sollte." Klar, Button war nicht gerade nur so durch die Nachwuchsformeln durchgeflogen, dass er große Schlagzeilen gemacht hätte. Das ist zum Beispiel der Unterschied zu Ayrton Senna, bei dem man ja schon in der Formel Ford und der Formel 3 gesehen hatte, was da für ein Superstar heranwächst. Berger: "Ich muss zugeben, ich war erst skeptisch, aber als ich Jenson dann zum erstenmal in München traf, war ich schnell überzeugt. Er hatte von Anfang an etwas ganz besonderes an sich, in seinen Augen, in seiner Art des Auftretens, in seiner Entschlossenheit..."

Das bestätigte sich für Berger auch im Laufe des laufenden Rennjahres: "Besonders toll finde ich, wie er zum Beispiel in jedem Zeittraining am Ende noch einmal alles aus sich rausholt. Für die letzten zwei Versuche sagt er immer, jetzt lasst das Auto, wie es ist, jetzt muss alles aus mir kommen - und dann legt er fast immer noch was drauf..."

Auch Ralf Schumacher scheint die Williams-Entscheidung nicht ganz erklärlich. Lange hielt er sich ja zurück: "Ich kann ja sowieso nichts daran ändern", meinte er ein paar Mal, als schon klar wurde, dass Button für Montoya würde Platz machen müssen. Jetzt, nachdem die Sache klar ist, wird Ralf Schumacher schon etwas deutlicher: "Ich glaube, dass unser Verlust der Gewinn von Benetton sein wird, ich war von Jensons Leistungen jedenfalls immer ziemlich beeindruckt. Ich finde, für seine erste Formel-1-Saison hat er schon ein paar ganz tolle Vorstellungen abgeliefert - und er wird sich sicher in Zukunft auch noch weiter steigern."

Montoya, das "Lieblingskind" von Frank Williams, kennt Ralf allerdings noch nicht, "da muss ich einfach mal abwarten." Leise Zweifel, ob der Kolumbianer den Umstieg aus der US-amerikanischen CART-Serie so schnell schafft wie von Williams erwartet, klingen da mit an, schließlich durfte sich Ralf ähnliches im Jahr 1999 schon einmal ansehen: Als es sein damaliger Teamkollege Alex Zanardi nämlich nicht schaffte - und Schumi zwei vor allem in der Entwicklungsarbeit ziemlich auf sich allein gestellt war. Das könnte ihm jetzt wieder blühen.

Aber die einsame, für viele mehr als unverständliche Williams-Entscheidung passt ja gut in eine Serie eigenartiger Vertragsauflösungen mit dem Mansell-Abgang 1992, dem Hill-Rausschmiss 1996, die außer Frank Williams selbst auch niemand nachvollziehen konnte. Der gibt sich dabei nur kryptisch wie fast immer und sagt: "Wenn Jenson uns mit dem Benetton im nächsten Jahr schlagen sollte, dann werde ich mich zumindest für ihn persönlich sehr freuen." Ob ihn das wohl auch als Chef seines Rennstalles beglücken dürfte?

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