Sport : Formel 1: Die harte Schule

Frank Bachner

Der Mann war dreimal Weltmeister. Ein Star. Er durfte große Töne spucken, glaubte er jedenfalls. Also sagte Alain Prost: "Mein Ferrari liegt wie ein Lastwagen auf der Straße." Ferrari feuerte ihn umgehend, kurz vor dem Ende der Formel-1-Saison. Nestbeschmutzung riefen sie Prost hinterher, dem Weltmeister. 1991 war das, und es war der vorerst letzte spektakuläre fristlose Rauswurf eines Fahrers.

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TED: War der Rauswurf von Frentzen überfällig?
Online-Gaming: meinberlin.de sucht den Formel-1-Champion! Bis Mittwoch. Da flog Heinz-Harald Frentzen bei Jordan raus. In den Medien heißt es jetzt, alle seien davon überrascht worden. Vor vier Wochen noch hatte Jordan und Frentzen verkündet, dass sie bis 2002 zusammenarbeiten wollen. Dennoch herrschte gestern auf dem Hockenheimring eine seltsame Unaufgeregtheit. Im Jordan-Motorhome saß ein einzelner Mann, las Zeitung, nebendan putzten Mechaniker die riesigen Jaguar-Lkw. In der Hitze schien alles Leben erstorben. Träge, alles war so träge.

Ein passendes Bild. Frentzens Entlassung ist nicht wirklich ein ergreifendes Thema, das Empörung oder Mitleid auslöst. Debattiert wird allein die Frage: warum gerade jetzt? Ein deutscher Fahrer vor dem deutschen Grand Prix gekippt - das passt irgendwie nicht richtig. Es muss einen besonders heftigen Krach gegeben haben zwischen Fahrer und Teamchef. So greift der Mechanismus des knallharten Geschäfts Formel 1. Für Gefühle ist die Seelsorge zuständig.

"Formel 1 ist ein Millionengeschäft", sagt ein Motoren-Entwicklungsingenieur. "Frentzen ist mit seinem Fahrzeug nicht klargekommen. Er war der falsche Mann am falschen Platz. Er war eine Altlast. Und Altlasten werden nicht mitgeschleppt. Eddie Jordan ist ein knallharter Geschäftsmann. Der verliert nur ganz selten." Frentzen beklagte sich öffentlich über sein Auto, das war ein Fehler. Er hatte schlechtere Ergebnisse als sein Teamkollege Jarno Trulli, das war der noch größere Fehler. Trulli hat neun WM-Punkte, Frentzen sechs.

Jordan, der Mann mit der John-Lennon-Brille, den langen Koteletten und dem Gel im Toupet. Ein Mann mit Dollarzeichen in den Augen. Jahrelang hatte er gegen Michael Schumacher prozessiert. Der fuhr 1991 sein erstes Formel-1-Rennen in einem Jordan. In nächsten Rennen saß er in einem Benetton. Schumacher und Jordan einigten sich außergerichtlich. "Aber da", sagt ein langjähriger Szene-Kenner, "ist viel Geld geflossen. Für Jordan natürlich." Einmal drohte der Ire auch Ralf Schumacher mit fristloser Kündigung, als der noch für Jordan fuhr.

Für Jordan ist so etwas normal. Es ist die harte Schule der Formel 1, mehr nicht. Jordan kämpfte jahrelang ums Überleben, er ackerte sich mühsam in die etablierten Kreise. Im Jahr lief 2000 vieles schief. Das will er verhindern, der Mann, der nur halb ironisch sagt: "Ich bin so ungern Zweiter". In der Konstrukteurswertung ist Jordan nur Fünfter. Daran ist das Fahrzeug schuld, aber auch Frentzen. Deswegen sind Experten nur vom Zeitpunkt des Rauswurfs überrascht. Jordans Hauptsponsor ist schließlich die Deutsche Post AG. Und die hat ihren Hauptmarkt in Deutschland. Und natürlich suchte sie deshalb auch ein Team mit einem deutschen Fahrer. Der ist dann öfter im Bild als etwa ein englischer Pilot. Aber bei der Post AG ist Frentzen auch nur ein Kosten-Nutzen-Faktor. Und sein Nutzen ist offenbar geringer als erwartet.

"Wir haben von der Entscheidung am Dienstag erfahren", sagt Uwe Bensin von der Pressestelle der Post AG, "das ist allein eine Sache des Teams." Sein Unternehmen, sagt Bensin, setze vor allem auf den Erfolg des Teams, nicht auf nationale Identitäten. "30 Prozent unseres Umsatzes machen wir schließlich im Ausland." Und wo, bitteschön, ist der Erfolg? Es reicht aus, sagt Bensin. "Wir haben im vergangenen Jahr einen Werbegewinn durch das Formel-1-Sponsoring von rund 120 Millionen Mark erzielt." Daran hatte auch Heinz-Harald Frentzen seinen Anteil. Immerhin etwas.

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