Sport : Formel 1: Drei endlose Runden

Karin Sturm

Letzte Runden haben es in sich. Besonders dann, wenn man einem Sieg entgegenfährt. Wenn es dann auch noch der erste Sieg in der Formel-1-Karriere ist, ein Erfolg, auf den man fast fünf Jahre gewartet hat. Und wenn man das ganze Rennen von der Spitze aus bestimmt hat, ohne wirklich je richtig unter Druck gewesen zu sein, dann erst recht. So wird Ralf Schumacher die letzten Runden im Autodromo Enzo e Dino Ferrari von Imola an diesem Ostersonntag wohl beim Großen Preis von San Marino nicht so schnell vergessen.

"14 Runden vor Schluss habe ich erstmals ans Gewinnen gedacht", sagte der Bruder des Weltmeisters, nachdem alles überstanden war. "Aber dann fiel mir der Nürburgring 1999 ein, als ich auch geführt habe und 16 Runden vor Schluss ausgefallen bin. Also habe ich gedacht, warten wir mal lieber noch ein bisschen." Drei Runden vor dem Ende kamen die Gedanken dann wieder - "und dann wurden diese drei Runden endlos lang."

Dann endlich war auch die 70. Runde geschafft, und die BMW-Williams-Crew jubelte an der Boxenmauer. Der erste Gratulant des Siegers war Bruder Michael. "Wurde ja auch langsam Zeit", sagte der Weltmeister. An einem Tag, an dem für ihn selbst alles schief ging, konnte er sich wenigstens über einen Erfolg des kleinen Bruders freuen. Michael Schumacher hatte seinen Ferrari wegen eines Defektes schon in der 25. Runde abstellen müssen. Obendrein verlor er die alleinige Führung in der Weltmeisterschaftswertung. Den ersten Platz muss sich Michael Schumacher jetzt mit dem schottischen McLaren-Mercedes-Piloten David Coulthard teilen, der in Imola Zweiter wurde. Beide haben 26 Punkte.

Michael Schumacher hatte nach seinem Ausfall genug Zeit zum Zuschauen und verteilte Komplimente: "Der Ralf hat nicht den kleinsten Fehler gemacht, das war ein Superrennen von ihm." Aber einige, darunter BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger und Schumachers Manager Willi Weber, sind ja sowieso überzeugt, "dass Ralf heute praktisch schon so gut ist wie Michael". Der einzige Unterschied, so Berger: "Eines hat Michael, was Ralf nicht hat, ein dickeres Bankkonto." Teamchef Frank Williams scheint ähnlich zu denken: "Ich habe Glück, denn mein Schumacher ist billiger."

Komplimente gab es auch für BMW: Im 21. Rennen nach dem Wiedereinstieg der erste Sieg - das ist eine bemerkenswerte Leistung. Mercedes hatte es 1997 in Australien erst im 50. Anlauf geschafft, im 34. mit Partner McLaren. Der letzte BMW-Sieger war übrigens 1986 in Mexiko Gerhard Berger. Dass dieser Erfolg jetzt gerade in Imola kam, berührte den Österreicher: "Imola ist für mich die Strecke mit den meisten Emotionen. Hier habe ich meinen ersten Grand Prix gesehen, hier habe ich in der Formel-3-EM meine ersten Punkte geholt, hier habe ich in der Formel 1 zum ersten Mal auf dem Podest gestanden. Hier bin ich bei meinem Unfall 1989 fast gestorben, und hier habe ich 1994 zwei Freunde verloren: Ayrton Senna und Roland Ratzenberger."

Auch für Frank Williams und den Reifenhersteller Michelin war der Ostersonntag ein großer Tag. Für Michelin kam der Sieg schon im vierten Rennen nach dem Wiedereinstieg, was Rennchef Pierre Dupasquier fast überwältigte: "Fantastisch, das ist eine tolle Belohnung für unsere Anstrengungen." Und für Williams war es ausgerechnet auf der Strecke, auf der sein Team vor sieben Jahren mit Senna seinen besten Fahrer verlor, ein Sieg nach harten Jahren. Zuletzt hatte 1997, beim Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring, ein Williams-Fahrer gesiegt: Jacques Villeneuve.

In Euphorie wollte dennoch keiner der großen Bosse verfallen - weder die BMW-Motorsportchefs Mario Theissen und Gerhard Berger noch Teamchef Frank Williams: "Das ist ein großer Tag für uns", sagte Williams, "und wir haben sehr lange und hart darauf hingearbeitet. Aber insgesamt sind uns Ferrari und McLaren immer noch voraus. Aber wir strengen uns an, dahin zu kommen. Wir werden nicht schlafen.

Mario Theissen bedankte sich vor allem "bei der BMW-Mannschaft in München, die diesen schnellen Erfolg mit einem enormen Kraftakt in den letzten Monaten ermöglicht hat". Aber das Ziel Gewinn der Weltmeisterschaft will er sich "noch ein bisschen aufheben. Sagen wir mal bis 2003".

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