Sport : Formel 1: Druck von hinten

Hartmut Moheit

Kopfschütteln und ungläubige Blicke: In der McLaren-Mercedes-Box herrschte Ratlosigkeit. Dass David Coulthard und Mika Häkkinen mit den Silberpfeilen heute zum Großen Preis von Österreich in der Formel 1 in Spielberg nur aus der vierten Reihe starten würden, hatte niemand erwartet. Weit über Sieben Zehntelsekunden hinter dem in 1:09,562 Minuten klar Bestzeit fahrenden Titelverteidiger Michael Schumacher - dabei hatte sich das britisch-deutsche Team hier etwas ausgerechnet. Und auch das morgendliche Training hatte noch etwas anderes erwarten lassen. "Wir haben heute keine gute Arbeit geleistet, falsch auf die Streckenbedingungen reagiert und nicht das richtige Set-up gefunden", fasste ein enttäuschter Mercedes-Sportchef Norbert Haug das silberne Desaster in Worte. Im Vorjahr passierte das Ferrari ebenfalls am A1-Ring.

Für Michael Schumacher lief es dagegen so, wie es sich bereits beim Training angedeutet hatte. "Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, von der Poleposition überrascht zu sein", beurteilte er den 37. Startplatz Nummer eins seit seinem Einstieg 1991. Seine Topzeit fuhr Michael Schumacher bereits zu einem Zeitpunkt, als die schärfste Konkurrenz noch mit einem Schnellerwerden der Rennstrecke rechneten. Das war auch der Grund dafür, dass erst nach 21 der zur Verfügung stehenden 60 Minuten (zwölf Runden sind erlaubt) mit Fernando Alonso (Minardi) ein Hinterbänkler die erste Gummispur auf den A1-Ring legte. Doch ob mehr Gummi auf der Strecke oder auch nicht, diesmal spielte dieser Fakt nicht die entscheidende Rolle.

Die McLaren-Mercedes blieben auch im Top-Speed deutlich unter den Werten, die Juan Pablo Montoya und Ralf Schumacher mit BMW-Motoren im Williams erreichten. Sie schafften bei diesem Wert 305 km/h (Coulthard 297), was maßgeblich ihre heutigen Startplätze zwei und drei, vor Rubens Barrichello (Ferrari), Jarno Trulli (Jordan-Honda) sowie dem erneut stark fahrenden jungen Deutschen Nick Heidfeld (Sauber-Petronas) einbrachte.

Ralf Schumacher wird damit hinter seinem Bruder die 71 Runden (306,649 km) beim sechsten WM-Lauf der Saison in Angriff nehmen können. "Natürlich wäre ich gern noch weiter vor", beurteilte er diese Position, "aber ich bin mir nicht einmal sicher, ob hinter Michael zu starten nicht sogar ein Vorteil ist." Mit Druck von hinten rechnet er ohnehin, denn Coulthard und Häkkinen abzuschreiben, den Fehler macht niemand, auch er nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben