Formel 1 : Dumm und dümmer

Weil beim Sieg von Fernando Alonso in Fuji die WM-Favoriten Lewis Hamilton und Felipe Massa patzen, hat plötzlich sogar Robert Kubica Titelchancen.

Karin Sturm[Fuji]
AUTO-F1-PRIX-JPN
Kollision in Rot. Lewis Hamilton (links) und Felipe Masse haben nicht mehr die Ideallinie.Foto: AFP

Wenn es so weitergeht, steht der Automobil-Weltverband Fia am Ende der Saison vor einem Dilemma. Erstmals seit 1950 könnte es keinen Formel-1-Weltmeister geben. Zugegebenermaßen ist dieses Szenario ein wenig unrealistisch, aber die Protagonisten des diesjährigen Titelkampfes tun doch alles, um den Eindruck zu erwecken, sie würden den Titel gar nicht wollen. Beim Grand Prix von Japan in Fuji leisteten sich die Favoriten Lewis Hamilton im McLaren und Felipe Massa (Ferrari) zum wiederholten Mal so dumme Fehler, dass Renault-Pilot Fernando Alonso sein zweites Rennen in Folge gewinnen konnte. Und dass der in der WM-Wertung eigentlich fast schon abgeschlagene BMW-Fahrer Robert Kubica, der in Fuji Zweiter wurde, im Finale noch der lachende Dritte sein könnte. Von den deutschen Fahrern kam diesmal nur Toro-Rosso-Pilot Sebastian Vettel als Sechster in die Punkte. Nick Heidfeld (BMW-Sauber) fuhr als Neunter nur knapp am letzten WM-Punkt vorbei,  Nico Rosberg wurde im Williams Elfter. Toyota-Pilot Timo Glock schied früh durch einen Unfall aus, und auch Adrian Sutil sah keine Zielflagge – ihn stoppte ein Reifenschaden.

Hamilton patzte am Start, hatte einen Unfall mit Massa und wurde  nur Zwölfter

Die meisten Pannen aber erlebte der WM-Führende Lewis Hamilton, der nach einem verpatzten Start, einem Unfall mit Massa und einer Strafe am Ende als Zwölfter ohne Punkte dastand. Dabei hatte er doch in den letzten Tagen und Wochen so oft erzählt, er habe aus seinen Fehlern des vergangenen Jahres gelernt und werde in diesem Jahr etwas überlegter zu Werke gehen. Doch schon in den ersten Sekunden des Grand Prix von Japan waren alle guten Vorsätze vergessen: Hamilton verlor aus der Poleposition den Start gegen den nun endgültig entthronten Weltmeister Kimi Räikkönen im Ferrari, lag aber immer noch vor seinem WM-Konkurrenten Felipe Massa. Anstatt sich aber mit dem zweiten Platz zu begnügen, versuchte der Brite, die Führung mit Gewalt zurückzuerobern. Er bremste zu spät, brachte dadurch sich selbst und andere, vor allem Räikkönen, in Schwierigkeiten – und kassierte zu allem Überfluss für die Aktion auch noch eine Boxendurchfahrtsstrafe.

Im McLaren-Mercedes-Lager war man sowohl über Hamiltons unüberlegtes Lenken als auch über die Strafe erbost. „Lewis hat sich selbst geschadet und wird dadurch sicher auch lernen“, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nach dem „Rennen zum Vergessen“. „Er hat sich nach dem Start vielleicht aus dem Konzept bringen lassen, aber das werden wir üben.“ Hamilton selbst gab zu, dass man „im Nachhinein immer weiß, dass man etwas vielleicht besser anders gemacht hätte“ und versprach: „Ich werde es wieder gutmachen.“ Er beharrte aber dennoch darauf, „dass ich auch in Zukunft prinzipiell nicht anders fahren werde“. Im Übrigen hätten ihm nicht der Start und die Strafe das Rennen verdorben, „sondern die Tatsache, dass mich Felipe dann in der zweiten Runde in einen Dreher geschubst hat und ich dann erstmal das ganze Feld vorbeilassen musste“.

Massa hat im Chaos aufgeholt und liegt noch fünf Punkte hinter Hamilton

Tatsächlich stellte sich Massa in Fuji nicht viel cleverer an als sein Rivale. Der Ferrari-Pilot versuchte einen Konter gegen Hamilton, der ihn bereits wieder überholt hatte, und geriet dabei in den Dreck. Anstatt zu bremsen, krachte er in den McLaren und handelte sich ebenfalls eine Durchfahrtsstrafe ein. Immerhin konnte sich der Brasilianer noch auf den achten Platz zurückkämpfen – am Ende wurde er durch eine weitere Strafe für Toro-Rosso-Pilot Sebastien Bourdais gar Siebter und liegt damit nur noch fünf Punkte hinter Hamilton. Ferraris Teamchef Stefano Domenicali sprach dennoch von einem „bittersüßen Geschmack nach dem Rennen von Fuji“. Man habe das Potenzial nicht richtig ausschöpfen können.

Kubica war als Zweiter im BMW-Sauber gegen Alonsos Renault chancenlos

Die großen Profiteure der Favoritenpatzer hießen Fernando Alonso und Robert Kubica. Alonso fuhr nach seinem vom Glück begünstigten Überraschungs- Coup in Singapur den zweiten Sieg in Folge heraus, und konnte es „selbst noch kaum fassen“. Wie stark der Renault in letzter Zeit geworden ist, zeigte sich daran, dass Robert Kubica, der nach dem Start erst einmal geführt hatte, im BMW-Sauber gegen Alonso keine Chance hatte. Dennoch hat der zweitplatzierte Pole zwei Rennen vor Saisonende mit nur 12 Punkten Rückstand auf Hamilton zumindest noch Außenseiterchancen auf den WM-Titel. „Es ist alles möglich – allerdings hilft es mir natürlich nicht besonders, dass wir in letzter Zeit mit dem Auto keine besonders großen Fortschritte mehr gemacht haben“, sagte Kubica. „Wir müssen halt abwarten, dass die anderen Fehler machen – und dann einfach da sein.“ Legt man die Erfahrungswerte zugrunde, muss Kubica nicht lange warten. Schon am kommenden Wochenende bietet sich Hamilton und Massa in Schanghai die Möglichkeit, ihre Pannenserie erfolgreich fortzuführen.

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