Formel 1 : Ein Glanzlicht in tiefer Dunkelheit

Sein zweiter Platz nach langer Pechsträhne bringt Williams-Pilot Nico Rosberg den Optimismus zurück.

Karin Sturm[Singapur]

Wer hatte da vor zwei Jahren geunkt, nach dem Rücktritt von Michael Schumacher würde es lange dauern, bis Deutschland in der Formel 1 wieder eine entscheidende Rolle spielen würde? Die Erben des siebenmaligen Weltmeisters strafen die Pessimisten Lügen: Beim Großen Preis von Singapur kamen vier deutsche Fahrer unter die ersten Sechs in die Punkteränge – das gab es noch nie. Auch wenn der Rekord mit vier Piloten auf den ersten vier Plätzen beim Grand Prix von Frankreich 1982 weiter in französischer Hand bleibt, präsentierten sich die Deutschen in Singapur als absolute Großmacht in der Formel 1.

Nach dem Sieg von Sebastian Vettel in Monza führte diesmal Nico Rosberg den deutschen Konvoi an. Der gebürtige Wiesbadener setzte mit seinem zweiten Platz hinter Fernando Alonso das Glanzlicht beim ersten Nachtrennen der Formel-1-Geschichte. Es war auch das Highlight einer Saison, die für den Williams-Pilot bisher alles andere als einfach verlaufen ist.

Zwar hatte Rosberg zum Saisonauftakt in Australien als Dritter schon auf dem Podest gestanden, doch danach musste er einige Rückschläge wegstecken. Er kämpfte mit einem schlechten Auto und auch dem einen oder anderen eigenen Fehler und schien zuletzt immer tiefer in die Abwährtsspirale zu geraten. Noch vor dem Rennen in Singapur klagte er: „Wenn das Auto nicht geht, geht auch dein Marktwert runter. Ich bin jetzt schon zweieinhalb Jahre dabei, jetzt will ich schon gern ein tolles Auto. Und wenn ich zum Rennwochenende komme, möchte ich wissen, hier kann ich was reißen.“

Das Rennen in Singapur begann er nicht in diesem Bewusstsein, und kurz nach dem Start verschlechterte sich seine Laune sogar noch. „Als ich hinter Jarno Trulli festhing, dachte ich schon, alles sei gelaufen.“ Und als er dann endlich an dem oft als rollende Schikane bekannten Italiener vorbei war und mit einer „Qualifyingrunde nach der anderen“ aufholte und die Lücke zur Spitze schloss, ereilte ihn der nächste Schlag. Nach dem Unfall von Nelson Piquet Junior kam das Safetycar auf die Strecke und die Boxengasse wurde gesperrt. Weil Rosberg keinen Sprit mehr hatte, musste er trotzdem zum Tanken kommen. „Da dachte ich: Jedes Mal passiert mir der gleiche Mist“, sagte der 23-Jährige. „Ich war wirklich sauer und hatte die Hoffnung schon aufgegeben.“

Doch dann kehrte das Glück zurück. Die Sportkommissare brauchten lange, um die Strafe für das verbotene Tankmanöver auszusprechen, weil sie zuvor noch über die Bestrafung des chaotischen Stopps des Ferrari-Piloten Felipe Massa entscheiden mussten, der beim Losfahren den Tankschlauch mitgerissen hatte. Dadurch hatte Rosberg ein paar Runden Zeit, an der Spitze einen großen Vorsprung herauszufahren, was er perfekt und fehlerfrei tat. Da geizte dann auch Vater Keke, Formel-1-Weltmeister 1982, nicht mit Lob: „Heute musste man kämpfen. Das hat Nico gemacht und er ist dafür belohnt worden.“

Kämpfen wird Rosberg auch künftig müssen. Auch wenn das Gerücht, es könnte doch noch einen Platztausch zwischen ihm und BMW-Pilot Nick Heidfeld geben, nicht totzukriegen ist, wird er wohl ein weiteres Jahr bei Williams bleiben müssen, ehe ein Wechsel zu einem Top-Team möglich wird. Bis dahin muss er sich mit gelegentlichen Highlights im Williams zufrieden geben. Immerhin scheint er nun aus dem ganz tiefen Motivationsloch herausgefunden zu haben: „Ich glaube, das Ergebnis gibt uns einen richtigen Schub fürs nächste Jahr.“ Und ganz nebenbei kann er auch hoffen, dass ihm Glanzlichter wie das von Singapur dabei helfen könnten, „irgendwann im richtigen Auto zu sitzen“.

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