Sport : Formel 1: Ein Heck mit Anziehungskraft

Karin Sturm

"Er hat viel zu früh gebremst" - sagt der eine. "Blödsinn, ich habe gebremst, wo ich immer bremse", erwidert der andere. Jacques Villeneuve gegen Ralf Schumacher, Rubens Barrichello gegen Ralf Schumacher, Jos Verstappen gegen Juan-Pablo Montoya - drei Unfälle in den ersten drei Rennen 2001, und dreimal gab es die gleiche Situation: Ein BMW-Williams vorne, ein anderes Auto, das aus dem Windschatten heraus auffährt - ohne ersichtlichen Grund. War das reiner Zufall - oder doch mehr?

Was Jacques Villeneuve schon gleich nach seinem Crash mit Ralf Schumacher in Melbourne beobachtet zu haben glaubte, bekommt nunmehr seine Bestätigung auch durch neutrale Beobachter: "Die BMW-Williams müssen wohl aus zwei Gründen vor den Kurven ein bisschen früher bremsen als die meisten anderen Autos. Erstens kommen sie durch ihre hohe Motorleistung etwas schneller an, und zweitens haben ihre Michelin-Reifen eine gewisse Tendenz zum Untersteuern, sodass man etwas früher bremsen muss", sagt der Schweizer Marc Surer, der früher selbst in der Formel 1 fuhr und jetzt als Fernsehkommentator arbeitet. In den Rundenzeiten würde sich das nicht bemerkbar machen, weil "sie zwar langsamer in die Kurven hineinfahren, aber viel schneller wieder heraus beschleunigen können, wodurch sich das wieder ausgleicht." Vor diesem Hintergrund ließen sich die Unfälle leichter erklären, zudem würden die Auffahrer entlastet. "Jeder Fahrer hat seinen Bremspunkt automatisiert. Wenn der Vordermann auch nur fünf Meter früher bremst, ist die Reaktionszeit viel zu kurz", sagt Surer. "Selbst der Formel-1-Fahrer mit den besttrainierten Reflexen hat eine Reaktionszeit von 0,2 bis 0,3 Sekunden." Deshalb würden auch die Bremslichter für die Formel 1, deren Einführung jetzt einige fordern, nicht helfen. "Bis man das Bremslicht registriert hat, hängt man schon drauf", meint Surer.

BMW-Williams hat reagiert. "Wir untersuchen diese Sache", bestätigt Motorsportchef Mario Theissen. Ralf Schumacher hat es dagegen eher mit flapsigen Kommentaren. Gefragt, warum denn der BMW-Williams die Konkurrenten so magisch anziehe, antwortete er: "Das liegt an unserem wunderschönen Heck." Darauf warnte beim Freien Training zum Großen Preis von San Marino ein Aufkleber die Fahrer: "Keep your distance!"

Wie schnell die BMW-Williams sind, das zeigte Ralf Schumacher, während Montoya noch Probleme mit seinem Boliden hatte. Hinter seinem Bruder Michael und dessen Ferrari-Kollegen Rubens Barrichello fuhr Ralf auf Rang drei, vor dem früheren Weltmeister Mika Häkkinen, der im McLaren-Mercedes Vierter wurde.

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