Sport : Formel 1: Ein Mann in Silber mit roter Schürze

Hartmut Moheit

Den Humor hatte Norbert Haug nicht verloren. Der Mercedes-Sportchef scheute sich nicht, Michael Schumacher am Abend mit einer Schürze in Ferrari-Rot um den Bauch zu bedienen. Als Reaktion darauf, dass Rot deutlich vor Silber platziert war. Bekannt ist zwar, dass zwischen dem Stuttgarter und dem Formel-1-Weltmeister eine fast freundschaftliche Beziehung besteht, aber dennoch hätte Haug auf diese Demutsgeste gern verzichtet. Zu ernst ist die Lage bei McLaren-Mercedes, um die Schlappe mit Jux und Tollerei abtun zu können.

Die Mercedes-Silberpfeile hatten beim Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring nicht den Hauch einer Siegchance. Das britisch-deutsche Team musste sich eingestehen, hinter Ferrari und dem Erzrivalen BMW nur noch die dritte Kraft zu sein. Die ungewohnte Eigenkritik von Haug, dass in der Eifel mehr nicht drin gewesen sei und es vor allem an der Geschwindigkeit gefehlt habe, bestätigt das. McLaren-Boss Ron Dennis ging sogar noch weiter. Für ihn ist das ganze Team aus dem Gleichgewicht geraten.

An den Fahrern David Coulthard und Mika Häkkinen liegt es nicht so sehr, dass es für Siege derzeit nicht reicht. Nach zu vielen Ausfällen bis zum Rennen in der Eifel ist es vor allem der fehlende Speed, der die Chancen auf den WM-Titel 2001 nach neun Saisonrennen auf ein Minimum hat sinken lassen. Gerade aber auf dem Motorensektor dominierte McLaren-Mercedes in der Vergangenheit. Es gab Zeiten, da erzeugte das in England gebaute Aggregat bei der Konkurrenz noch Neid. Lediglich Ferrari war ebenbürtig - aber nur durch Michael Schumacher, der mit seinen Fahr-Fähigkeiten viel ausgleichen konnte. Revolutionäre Entwicklungen blieben dagegen aus. Es reichte dennoch, weil das Gesamtpaket durch Schumachers Einfluss immer besser wurde.

In dieser Saison muss McLaren-Mercedes hinnehmen, dass gerade auf dem Motoren-Sektor der Nachteil liegt. Der Ferrari läuft wieder enorm zuverlässig, die zweite Kraft ist BMW. Der Motor hat Entwicklungspotenzial, weil er als Neuentwicklung nicht ausgereift ist. Im Gegensatz dazu befindet sich Mercedes in der Formel 1 auf einer Entwicklungsstufe, die Verbesserungen nur noch in ganz kleinen Schritten zulässt. Was auf dem heiß umkämpften Automobilmarkt als ein Zeichen verstanden wird. Wenn Ralf Schumacher, wie in Imola und in Montreal, vor den Silberpfeilen fährt, dann hat BMW gegenüber Mercedes ein Plus. Sonntags Autorennen, in der Woche Autos verkaufen - so lautet das Gesetz.

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