Formel 1 : Ein Mann sinnt auf süße Rache

Voll auf Attacke gepolt: Nach seiner Bestrafung will McLaren-Pilot Lewis Hamilton in der Ferrari-Heimat Monza zurückschlagen und den Roten ihr Heimspiel vermiesen.

Karin Sturm
Lewis Hamilton
Lewis Hamilton will trotz der Kontroverse weiter angreifen. -Foto: AFP

MonzaEin Sieg in Monza gegen Ferrari, beim Heimspiel der Scuderia, das ist seit jeher für alle Rivalen der Roten eine besondere Genugtuung. Für McLaren-Mercedes und für Lewis Hamilton wäre es an diesem Wochenende mit Sicherheit eine ganz spezielle nach der umstrittenen Strafe, die den 23-Jährigen zuletzt in Belgien einen sicheren Sieg kostete. Zwar betonen Hamilton und seine Vorgesetzten bei McLaren-Mercedes, man wolle sich nach dem Einspruch gegen die 25-Sekunden-Strafe wegen des Überholmanövers gegen Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen in Spa wieder ganz auf das Sportliche konzentrieren. Doch ein Sieg in Italien wäre für die Silbernen natürlich eine ganz besonders süße Rache.

Zumal die Umstände des umstrittenen Urteils immer dubioser werden. So wurde nun bekannt, dass McLaren noch während des Rennens in Spa bei der Rennleitung nachgefragt hatte, ob sich denn Hamilton weit genug hinter Räikkönen habe zurückfallen lassen, nachdem er eine Schikane abkürzen musste und bevor er das Überholmanöver startete. Angeblich kam das offizielle Einverständnis von oben gleich zweimal. Um so erstaunlicher, dass der gleiche Rennleiter, Charlie Whiting, den Sportkommissaren später einen Bericht lieferte, der eine Untersuchung des Vorfalls fordert. „Wir haben extra nachgefragt,“ bestätigte McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh, „denn hätte es irgendwelche Bedenken gegeben, hätten wir Lewis angewiesen, Räikkönen noch einmal vorbei zu lassen.“

Verschwörung?

Also doch eine Verschwörung, wie sie die Gegner der Roten bei jeder ferrarifreundlichen Entscheidung des Automobil-Weltverbands Fia wittern? BMW-Pilot Robert Kubica stellte dazu nur grinsend und vielsagend mit Blick auf den tobenden WM-Kampf fest: „Um diese Zeit in der Saison gibt es doch immer solche Entscheidungen.“ Fernando Alonso hingegen konnte es natürlich nicht lassen, gegen seinen Erzrivalen Hamilton ein bisschen zu stänkern: „Ich fand die Bestrafung richtig, für mich hat er einen Vorteil gehabt, wenn da eine Mauer gewesen wäre, hätte er ja auch nicht durchfahren können.“ Und dass McLaren protestierte, sei typisch, „die machen das ja immer so“.

Ob der Einspruch von der Fia überhaupt akzeptiert wird, ist freilich noch nicht klar. Dass die Chancen, tatsächlich eine Aufhebung der Strafe zu erreichen, nicht besonders groß sind, glauben die meisten Experten aus Erfahrung zu wissen. Dennoch, sagt der frühere Formel-1-Pilot Marc Surer, sei es „absolut richtig, dass McLaren-Mercedes diesen Schritt gemacht hat. Man kann nicht alles hinnehmen und auf sich sitzen lassen.“

Aggressive Satisfaktionspolitik

Die Chancen für Lewis Hamilton, in Monza auf der Strecke zu gewinnen, dürften freilich größer sein als die, seinen entrissenen Triumph von Belgien am Grünen Tisch zurückzubekommen. Einiges spricht jedenfalls dafür, dass McLaren-Mercedes sportlich auch in der Ferrari-Heimat die Nase vorne hat. Die Streckencharakteristik etwa, die verlangt, immer wieder aggressiv über die Randsteine zu fahren. Mit ähnlichen Bedingungen tat sich Ferrari etwa in Kanada reichlich schwer. Dann die Tatsache, dass wieder mit den harten Reifenmischungen gefahren wird, womit McLaren normalerweise besser zurecht kommt, weil der Wagen seine Reifen schneller auf Temperatur bringt. Und selbst das italienische Wetter scheint diesmal eher auf Seiten der englisch-deutschen Gäste zu stehen: Nicht die von Ferrari geliebte Hitze ist für den Renntag angesagt, sondern Temperaturen unter 20 Grad – mit der Möglichkeit von Regen.

Außerdem kündigte auch Lewis Hamilton eine aggressive Satisfaktionspolitik an – obwohl sein Vorsprung auf den Ferrari-Piloten Felipe Massa nach seinem Manöver und der Bestrafung von acht auf zwei Punkte zusammengeschmolzen ist. „Ich werde meine Einstellung nicht ändern“, sagte der Engländer. „Ich werde wieder angreifen – die Formel 1 wird doch erst durchs Überholen interessant.“

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