Formel 1 : Ein Sieg als Nebensache

Sebastian Vettel triumphiert auch beim ersten Formel-1-Rennen in Indien. Danach denkt der Formel-1-Weltmeister aber eher an die Todesfälle der vergangenen Wochen.

Karin Sturm
Trauriger Jubel. Sebastian Vettel hatte nach seinem souveränen Erfolg mit gemischten Gefühlen zu kämpfen. Foto: dapd
Trauriger Jubel. Sebastian Vettel hatte nach seinem souveränen Erfolg mit gemischten Gefühlen zu kämpfen. Foto: dapdFoto: dapd

Der Jubel von Sebastian Vettel fiel diesmal deutlich sparsamer aus. Eigentlich hätte der Weltmeister am Sonntag erneut ausgelassen sein können, schließlich hatte er den erstmals ausgetragenen Großen Preis von Indien gewonnen und war damit zum elften Sieg im 17. Lauf dieser Formel-1-Saison gefahren. Nach dem Zieleinlauf gingen die Gedanken des 24-Jährigen allerdings sofort wieder zurück zu den tragischen Unfällen, die der Motorsport in der jüngsten Vergangenheit zu beklagen hatte. „Ich habe heute sehr gemischte Gefühle“, sagte der sonst so fröhliche Heppenheimer, der das Rennen zuvor wieder einmal dominiert hatte. „Auf der einen Seite bin ich sehr glücklich und wir als Team können sehr stolz sein. Auf der anderen Seite muss man einen gewissen Respekt zollen, und die Gedanken sind bei Marco und Dan und ihren Familien.“

Indycar-Fahrer Dan Wheldon und Motorradweltmeister Marco Simoncelli waren in den vergangenen zwei Wochen tödlich verunglückt. „Das Wichtigste ist, dass man die beiden nie vergisst. Wir haben zwei ganz Große des Sports auf ganz tragische Weise verloren“, sagte Vettel, „das waren ganz, ganz schwere Wochen.“

Angesichts der Trauer in der Motorsportwelt schien Vettels Sieg vor Jenson Button und Fernando Alonso fast nebensächlich. Allerdings erlebten die indischen Zuschauer auch ein sehr einseitiges Formel-1-Wochenende. Vettel schien auch bei seinem 21. Grand-Prix-Sieg nahezu unschlagbar. Im Qualifying errang er die Poleposition und fuhr anschließend zu einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg. Auch die schnellste Rundenzeit gelang Vettel – in der allerletzten Runde. Das gefiel seinen Red-Bull-Teambossen gar nicht, die nichts davon halten, kurz vor dem Ziel noch unnötig Risiko einzugehen.

Neben Vettels Dominanz ging das gute Ergebnis von Mercedes mit den Plätzen fünf und sechs für Michael Schumacher und Nico Rosberg ein bisschen unter. Die beiden Deutschen profitierten davon, dass Lewis Hamilton und Felipe Massa zum x-ten Mal in dieser Saison heftig aneinandergeraten waren und dabei ihre Chancen einbüßten. Dass Schumacher am Ende vor seinem Teamkollegen landete, lag daran, dass Rosberg früher zum letzten Wechsel auf harte Reifen an die Box geholt wurde. „Ich habe mir die Reifen eingeteilt. Das hat den Unterschied gemacht“, sagte Schumacher, „es war hier ein bisschen wie an der Börse, ein Auf und Ab. Am Ende waren wir aber obenauf.“ Auch Adrian Sutil war zufrieden, beim Heimrennen seines Teams Force India holte er als Neunter zwei Punkte.

Vor dem Rennen hatte es eine Schweigeminute für Wheldon und Simoncelli gegeben, den Unfall des italienischen Motorradfahrers hatte Vettel am vergangenen Wochenende live im Fernsehen mitansehen müssen. Eine Woche später war dem Formel-1-Weltmeister deutlich anzumerken, wie sehr ihn dieses Erlebnis mitgenommen hatte. „Wir sind bereit, das Risiko einzugehen, wenn wir ins Auto steigen“, sagte Vettel, „aber wir beten natürlich alle, dass nichts passiert.“

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