Sport : Formel 1: Ende einer Pechsträhne

Karin Sturm

Die Anspannung in den Gesichtern auf der McLaren-Mercedes-Kommandobrücke ließ erst langsam nach. Mika Häkkinen war längst als Sieger des Großen Preises von Großbritannien in der Formel 1. Zuviel war in den letzten Wochen bei den Silberpfeilen schiefgegangen. Und auch der elfte WM-Lauf in dieser Saison mit einem erneuten Desaster begonnen, als David Coulthard schon in der ersten Kurve von Jarno Trulli von der Strecke geschoben wurde. Dabei wurde die Aufhängung an seinem Boliden verbogen, und Coulthard landete deshalb drei Runden später im Kiesbett. Damit bekam der diesmal auf Rang zwei einkommende Michael Schumacher den WM-Titel praktisch auf dem Silbertablett serviert.

Zum Thema Online Spezial: Formel 1 Doch dann brach beim britisch-deutschen Team doch die Freude durch. Zuerst natürlich bei Erja Häkkinen, dann auch bei McLaren-Chef Ron Dennis, Mercedes-Sportchef Norbert Haug und Mercedes-Vorstand Jürgen Hubbert: Seit Mai, seit David Coulthards Sieg in Österreich, hatten die Silbernen auf einen Sieg warten müssen. Mika Häkkinen wartete sogar seit fast einem Jahr. Zum letzten Mal stand er Ende August 2000 in Spa-Francorchamps auf dem Siegerpodest ganz oben. "Das ist mir durch den Kopf gegangen, speziell in den letzten Runden", sagte der strahlende Finne, der zunächst nach Worten suchen musste, um seine Gefühle zu beschreiben. "Der Druck war gewaltig, natürlich ist mir auch das Drama vom Grand Prix in Barcelona in den Sinn gekommen, als ich so kurz vor dem Ziel ausfiel. In der ganzen letzten Runde habe ich gezittert, dass bloß um Himmels Willen nichts mehr passiert."

Aber auch Michael Schumacher konnte mit seinem zweiten Platz ausgesprochen zufrieden sein, "auch wenn es heute ein sehr schwieriges Rennen war, weil unser Auto diesmal nicht so gut ausbalanciert war. Und wenn nicht alles passt, dann können eben auch wir nicht gewinnen. Aber das können wir auch gut akzeptieren". Es macht Schumacher auch nicht viel aus, auf seinen 51. Grand-Prix-Sieg, mit dem er den Rekord von Alain Prost einstellen wird, noch ein bisschen zu warten. Denn auch wenn er immer noch vorsichtig behauptet, die Weltmeisterschaft 2001 sei noch nicht vorbei, für die meisten Beobachter ist klar: Dort, wo Schumacher 1999 durch seinen Unfall die WM verlor, nämlich in Silverstone, gewann er sie im Jahre 2001 wohl endgültig. Selbst unter dem Aspekt, dass die rein mathematische Entscheidung bei derzeit 37 Punkten Vorsprung frühestens in Ungarn fallen kann.

Dass David Coulthard diesen Rückstand noch aufholen kann, ist fast unmöglich. "Wir wissen, dass wir maximal noch Außenseiterchancen haben", meint Mercedes-Sportchef Norbert Haug dazuzu. "Aber besonders wichtig war, dass das ganze Team heute gezeigt hat, was es leisten kann." Klar, dass Coulthard sich über Trulli, der nicht zum erstenmal am Start eine völlig unüberlegte Aktion startete, gewaltig ärgerte, auch wenn er äußerlich immer noch sehr beherrscht wirkte. "Das sind Dinge, die sind quasi Schicksal, gegen die kann man nichts machen. Aber Mikas Überlegenheit hat gezeigt, wo auch ich heute hätte sein können, wie gut wir hier waren"

Selbst der Finne bedauerte seinen Teamkollegen, auch wenn ihm dessen Pech wenigstens eine drohende Teamorder vom Hals schaffte: "Was David passiert ist, tut mir wirklich leid." Große moralische Aufrüstung brauchte Coulthard freilich nicht: "David kann mit so etwas umgehen, der steckt das weg", urteilte Haug. "Wenn man sich die Zeiten das ganze Wochenende über in Rennabstimmung anschaut, dann hat er auch keinen Grund, daran zu zweifeln, dass auch er Mikas Tempo hätte gehen können. Er hat uns jedenfalls alle schon zum Feiern an sein Motorhome eingeladen, mit dem er hier ja wieder unter den Campern wohnt. Da werden wir dann noch eine Party feiern"

Grund zum Feiern hatte auch Nick Heidfeld, der zum zweiten Mal hintereinander nach Magny Cours als Sechster wieder einen Punkt kassieren konnte: "Für mich ein tolles Ergebnis, nach dem Pech im Qualifying." Da war ihm Ralf Schumacher in die Fahrlinie gekommen, was Heidfeld eine bessere Startposition als Rang neuen gekostet hatte. Direkt hinter Heidfeld platzierte sich Heinz-Harald Frentzen als Siebenter, der am Start durch die wieder einmal nicht funktionierende Startautomatik einige Plätze verlor.

Ein bisschen Ärger gab es auch bei BMW-Williams. Ralf Schumacher war sauer auf seinen Ausfall in der 37. Runde wegen eines Defekts: "Das Auto hat plötzlich Leistung verloren. Vorher schon ein paar Sekunden beim Boxenstopp, weil das Tankventil geklemmt hat." Und Teamkollege Juan Pablo Montoya, im Gegensatz zu Ralf auf einer Zwei-Stopp-Strategie unterwegs, schimpfte auf den Teamgefährten: "Wenn der mich vorbeigelassen hätte, wäre ich wohl Dritter geworden, weil ich dann Barrichello hätte überholen können."

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