Sport : Formel 1: "Er ist und bleibt ein Kerpener Junge"

Eine ganze Stadt hat am Sonntag den vierten Weltmeisterschafts-Sieg von Michael Schumacher gefeiert. Rund 2000 Zuschauer verfolgten in der Heimatstadt der beiden Formel-1-Fahrer Michael und Ralf Schumacher live auf einer Großbildleinwand das Rennen auf dem Hungaroring in Budapest. Jubelnd rissen sie die Arme in die Höhe, schwenkten ihre Fahnen und fielen sich um den Hals, als der berühmteste Kerpener nach seiner Triumphfahrt die Ziellinie überquerte. "Grandios, wir freuen uns alle mit ihm. Meinen Glückwunsch an Michael", sagte Kerpens Bürgermeister Ralf Valkysers.

Rot war die Farbe, die in der kleinen Stadt mit ihren 69 000 Einwohnern am Niederrhein dominierte. Überall in den Fenstern hingen rote Fahnen, Transparente und Poster des Ferrari-Piloten. "Schumi, Schumi", skandierten seine Fans schon Stunden vor dem Rennen. In langen Warteschlangen hatten sie sich vor den Toren der Jahnhalle postiert, wollten die besten Plätze vor der fünf Meter breiten und sieben Meter hohen Leinwand haben. Kaum einer, der kein rotes Hemd trug, auf den Köpfen selbstverständlich die rote Mütze.

Wer keinen Einlass mehr in die überfüllte Halle fand, der nahm im benachbarten Biergarten Platz. Auch dort waren mehrere Fernsehgeräte aufgestellt. Überhaupt war rund um das Rathaus seit Sonntagmorgen um elf Uhr eine ganze Menge los. Live-Musik stimmte die Fans auf das Rennen ein. Sechs Fernsehteams, dutzende Radiostationen und eine Vielzahl Journalisten hatten sich eigens für diese "Formel-1-Party" am Niederrhein eingefunden.

"Das ist die sechste Veranstaltung dieser Art. Immer wenn Michael die Chance hatte, Weltmeister zu werden, haben wir ihm von hier aus die Daumen gedrückt", sagte Valkysers. Doch in diesem Jahr fiel die Entscheidung zu dieser Veranstaltung ganz spontan. Erst wenige Tage vor dem Rennen hatten sich die Stadtväter dazu entschlossen.

Einer der Höhepunkte war neben dem eigentlichen Rennen der Auftritt des Schlagersängers Jürgen Drews. Zehn Minute vor Rennbeginn und immer in den Werbepausen heizte er den rund 2000 Fans mit seinem neuen Hit "Schumania" ein. Auf die Frage, ob er denn Formel-1-Änhänger sei, antwortete Drews: "Nein, ich bin nur Schumi-Fan. Und zwar einer von ganz vielen, nur ein bisschen berühmter eben." Auf eine Zugabe des Sängers warteten die Fans vergeblich, denn mit Rennende machte sich Drews auf zum Flughafen, um direkt nach Ungarn zu fliegen. "Ich habe versprochen, wenn Schumi Weltmeister wird, werde ich in Ungarn für die Fans singen."

Derweil feierten sie in der und um die Jahnhalle herum ausgelassen. Mit Sprechchören ehrten sie ihren einstigen Mitbürger. Er ist einer von ihnen. "Ganz egal wo der Michael wohnt, ob in der Schweiz oder in Monaco, er ist und bleibt ein Kerpener Junge", sagte ein Fan. Und Bürgermeister Valkysers stellte fest: "So viel Geld hätte die Stadt für Werbung gar nicht ausgeben können, um Kerpen so berühmt zu machen, wie es die Schumachers getan haben."

Genau wie bei den ersten drei Titeln werden sie dem Weltmeister einen Empfang im Rathaus bereiten. "Im Herbst, wenn Michael und Ralf auf ihrer eigenen Kartbahn ihr Museum eröffnen, wäre ein guter Zeitpunkt", verriet Valkysers.

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