Sport : Formel 1: Es geht um Kopf und Kragen

Hartmut Moheit

Als Symptome traten Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindelgefühle und Müdigkeit auf. Die Leidtragenden hießen Nick Heidfeld, Heinz-Harald Frentzen und Eddie Irvine. Diese Formel-1-Fahrer hielten sich zuletzt öfter bei ihren Ärzten als auf der Rennstrecke auf. Frentzen musste sogar beim Grand Prix in Montreal den Jordan seinem Testfahrer Ricardo Zonta überlassen. Der Grund für ihre Beschwerden: Alle drei Fahrer waren mehr oder weniger schwer in Unfälle verwickelt. Nach dem Aufprall schlug ihr Kopf hin und her. Mit steifem Hals mussten sie die medizinische Abteilung ihrer Teams besuchen.

Mit Hans wäre das nicht passiert. Doch der Head And Neck Support, jene Kopf- und Nackenstütze, die von den Fahrern unter den Hosenträgergurten getragen wird, findet in der Formel 1 kaum Zuspruch. "Da muss noch einiges entwickelt werden, was den individuellen Bedürfnissen entspricht", sagt Weltmeister Michael Schumacher. Doch immerhin gibt er zu: "Im Prinzip ist Hans eine Bereicherung." Nach dem Grand Prix von Montreal, als das System in Silverstone getestet wurde, haben er und auch andere Fahrer das feste Schulterkorsett zum ersten Mal angelegt.

Eigentlich war es wie immer in der Vergangenheit. Erst müssen drei Fahrer gesundheitliche Probleme bekommen, dann erst beginnt der Aktionismus. Was bei den amerikanischen Cart-Rennen bereits Vorschrift ist, braucht in der Formel 1 wieder einmal viel Zeit. Dabei hat sich der Motorsport-Weltverband Fia längst dafür ausgesprochen, Hans ab 2002 zur Pflicht zu machen. Obwohl Fia-Präsident Max Mosley ("Wir werden das durchsetzen") sich immer wieder für neue Sicherheitssysteme einsetzt, gibt es schon wieder Gerüchte, die von einem späteren Zeitpunkt ausgehen.

Und das, obwohl bereits seit 1996 an diesem Projekt gearbeitet wird. Das Joint Venture von Mercedes-Benz mit der Fia, bei dem es um Kopf und Kragen der Fahrer geht, scheint immer noch in der Entwicklungsphase zu stecken. "Man fühlt sich mit diesem System regelrecht steif. Das ist es einfach noch nicht", sagt Mika Häkkinen von McLaren-Mercedes, dessen schwerer Unfall 1995 in Adelaide die Suche nach neuen Sicherheitssystemen verstärkt ausgelöst hatte. Gleiches gilt für den Kopf der Fahrer, den die Fia ebenfalls noch besser sichern möchte. In Monaco stellte Max Mosley einen Helm vor, der durch eine neuartige Kohlefaserbeschichtung erheblich sicherer sein soll. Zumindest zeigten sich die Fahrer bereit, mit ihren Helmfirmen darüber zu reden. Mosley erklärte damals: "Wir stellen ihnen den Entwurf mit allen Daten kostenlos zur Verfügung."

Heinz-Harald Frentzen sagte: "Um alles, was mehr Sicherheit verspricht, muss man sich so schnell wie möglich bemühen." Denn am Nürburgring wird Frentzen an diesem Wochenende wieder Kopf und Kragen riskieren.

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