Sport : Formel 1: Es kracht nicht nur beim Start

Karin Sturm

Schumacher? Coulthard? Häkkinen? Oder gar Barrichello? Die Formel-1-Weltmeisterschaft ist spannender denn je. Damit wächst aber auch die Streitlust aller Beteiligten, es kracht an allen Ecken und Enden. Vor dem Ungarn-Grand-Prix an diesem Wochenende in Budapest streitet sich fast jeder mit jedem.

Zum Beispiel stänkert Giancarlo Fisichella gegen Michael Schumacher: Auch wenn der Deutsche inzwischen einen Rückzieher machte, den Crash nach dem Start in Hockenheim als normalen Rennunfall darstellte - sein Kontrahent hat sich nicht beruhigt: "Schumacher denkt, weil er vorn ist, kann er machen, was er will." Des WM-Spitzenreiters Manöver in Hockenheim sei genau so gewesen, "wie wenn ein Lkw auf der Autobahn plötzlich vor dir ausschert und dann bremst. Mag ja sein, dass er durch Coulthard ein bisschen in diese Situation gebracht wurde, aber was hat das mit mir zu tun?"

Auch David Coulthard und Jacques Villeneuve kritisieren den Deutschen. Coulthard will in den ständigen Auseinandersetzungen neben der Strecke nicht zurückstecken. "Mir ist nicht wohl in dem Wissen, dass Michael sich offenbar für unfehlbar hält", attackierte der Schotte seinen WM-Rivalen. Coulthard erinnerte sich dabei an eine Debatte, die er bereits im vergangenen Jahr führte. "Da habe ich ihn gefragt, ob das bei ihm zu Hause genau so laufe, dass er immer Recht habe, seine Frau dagegen immer Unrecht." Schumacher habe damals geantwortet, das sei etwas ganz Anderes. Coulthards Antwort: "Es ist nichts Anderes. Es geht darum, zu verstehen, was richtig und was falsch ist. Ich glaube, dass ich diese Werte habe und du nicht." Villeneuve hakte jetzt nach: "Wir bremsen nicht mehr für Schumacher." Ferrari attackiert McLaren: Ferrari-Chef Luca di Montezemolo ließ es sich nicht nehmen, im Streit um den Ferrari-Brief an die Fia wegen des fehlenden Siegels an Häkkinens Auto in Österreich nachzukarten. "McLaren-Mercedes wurde in diesem Jahr zwei Mal wegen Nichteinhaltung des technischen Reglements bestraft, das doch eindeutig ist." Er finde Äußerungen von McLaren-Mercedes-Teamchef Ron Dennis, der den Brief als plumpen Beeinflussungsversuch klassifiziert hatte, deshalb unverschämt. Ferraris Brief sei kein Geheimnis gewesen, man habe nur eine Klärung der Regelauslegung gewollt. Es heißt, inzwischen habe DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp telefonisch Montezemolo gewarnt, es reiche allmählich, man sitze schließlich im gleichen Boot. In Italien wird kolportiert: Es gab nicht nur den Brief, Montezemolo habe mehrfach mit Fia-Präsident Max Mosley telefoniert und eine Disqualifikation von Häkkinen und Coulthard gefordert.

Mercedes mäkelt auch herum: An der Fia und dem Hockenheim-Veranstalter. Sportchef Norbert Haug kann sich noch nicht damit abfinden, dass der Demonstrant von Hockenheim, der McLaren-Mercedes den Sieg kostete, und die, die ihm die Chance dazu gaben, wohl ohne größere Konsequenzen davonkommen: "Für mich war das versuchter Totschlag. Dass man den Mann überhaupt nach dem ersten Versuch laufen ließ, ist schon ein Riesenskandal. Für mich ist das alles nicht mehr nachvollziehbar!"

Es ist offenbar kein Start im Rennauto mehr nötig, damit es in der Formel 1 mehr kracht als in anderen Disziplinen.

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