Formel 1 : „Es wird schwierig, ihn zu stoppen“

Lewis Hamilton hat es geschafft. Der Brite ist jüngster Formel-1-Weltmeister aller Zeiten. Nach seinem ersten Titel trauen die Formel-1-Experten Hamilton sogar zu, selbst Schumachers Rekorde zu brechen.

Karin Sturm[São Paulo]
Hamilton
Jubelnde Brüder. Formel-1-Star Lewis Hamilton und sein Bruder Nicholas feiern den Gewinn des Weltmeistertitels. -Foto: dpa

Es waren die wichtigsten 800 Meter in der Karriere des Lewis Hamilton. Auf den letzten Kurven der letzten Runde der Formel-1-Saison zog er doch noch an dem im Regen mit Trockenreifen schwimmenden Timo Glock vorbei und rollte jubelnd durchs Ziel (siehe Text unten). Und es war die Reifeprüfung für den 23-jährigen Briten, der sich nun anschicken könnte, nach der Rekordkategorie „Jüngster Weltmeister in der Geschichte der Formel 1“ auch alle anderen mit seinem Namen zu versehen. Damon Hill, bis zum Sonntag der letzte britische Weltmeister, spekulierte bereits in diese Richtung. „Lewis ist ein wahnsinniges Talent und womöglich einer der großartigsten Fahrer, die wir in diesem Land hatten“, sagte der Champion von 1996. „Er hat jetzt eine Weltmeisterschaft auf dem Konto, und ich denke, dass es schwierig wird, ihn von nun an aufzuhalten.“ Mit seiner Ansicht steht Hill nicht allein da. Viele Experten trauen Hamilton zu, sogar Michael Schumachers Regime der Dominanz über die Formel 1 noch übertreffen zu können. Der siebenmalige Weltmeister und 91-malige Grand-Prix- Sieger höchstselbst hält es für durchaus möglich, dass Hamilton in Zukunft seine Rekorde brechen könnte.

Auch Martin Whitmarsh glaubt, dass sein Star mit dem Gewinn des ersten Titels jetzt vielleicht die größte Hürde aus dem Weg geräumt hat. Der erste WM-Erfolg sei schließlich oft der schwerste, sagt der McLaren-Geschäftsführer. „Lewis stand unter enormem Druck. Nach Brasilien zu kommen und einen Brasilianer schlagen zu müssen, das ist eine schwierige Aufgabe. Für Lewis ist es ein Riesenerfolg. Ich bin mir sicher, dass er in seiner Karriere noch viele weitere Weltmeisterschaften gewinnen wird.“

Dies ist in der Tat nicht abwegig. Nachdem Hamilton schon in seiner Debütsaison 2007 sein herausragendes Talent demonstriert, aber den WM-Titel aufgrund seiner Unerfahrenheit noch um einen Punkt verpasst hatte, zeigte er sich ein Jahr später deutlich gereift. Zweimal zeigte der 23-Jährige im Saisonfinale kurz hintereinander, dass er nach den Fehlern im vergangenen Jahr und auch noch in dieser Saison in Sachen Disziplin und Übersicht dazugelernt hat. Im vorletzten Grand Prix in China fuhr er ein souveränes Rennen von der Spitze weg, beim Saisonabschluss in Brasilien setzte er die von Anfang an auf Vorsicht und Platzhalten ausgelegte Teamstrategie genau nach Plan um. Wäre es am Ende tatsächlich noch schiefgegangen, hätte jegliche Kritik wohl eher dem Team gelten müssen. Hamilton jedenfalls verlor nie die Nerven, noch nicht einmal in der dramatischen Schlussphase, die in ihm alptraumhafte Erinnerungen an 2007 geweckt haben muss. „Ich weiß auch nicht, wie ich es geschafft habe, cool zu bleiben“, sagte er danach.

Das ist auch nicht so wichtig – wichtig ist nur: Er schaffte es. Dass Hamilton jetzt neben seinem unbestrittenen Fahrtalent auch im mentalen Bereich weitergekommen ist, lässt für die Zukunft noch viel erwarten. Hinzu kommt, dass der Brite seit Kindesbeinen von seinem Vater Anthony praktisch ausschließlich auf den Erfolg im Motorsport getrimmt wurde. Ein Motivationsabbruch oder ein Zuwenden zu den schönen Lastern des Lebens nach dem ersten Triumph, wie es der entthronte Weltmeister Kimi Räikkönen in diesem Jahr anschaulich demonstrierte, das wird es bei ihm sicher nicht geben. Dazu ist Hamilton viel zu ehrgeizig bei seiner Suche „nach ständiger eigener Verbesserung, nach Perfektion“. Dass die Formulierungen, die er da immer wieder verwendet, extrem der Philosophie Ayrton Sennas ähneln, ist dabei kein Zufall: Der Brasilianer ist sein großes Vorbild. Gut möglich, dass er schon bald zu seinen drei WM-Titeln aufschließen wird. Auch Jackie Stewart erwartet baldigen Besuch in der Hall of Fame der Formel 1. „Es gibt keinen Grund, warum Lewis nicht noch viele Titel holen sollte“, sagt der dreimalige Weltmeister. Mit seinem ersten hat Hamilton jedenfalls schon einmal das erste Zimmer der Formel-1-Ruhmeshalle erreicht. Seite 27

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