Formel 1 : Fahrer gegen Team

Fernando Alonso kann noch Formel-1-Weltmeister werden – obwohl McLaren genau das verhindern will. Der lachende Dritte des Streits könnte am Ende Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen sein.

Karin Sturm
Alonso
Neuer Freund? Fernando Alonso fühlt sich in Ferrari-Gesellschaft sichtlich wohl. -Foto: dpa

Schanghai  Statt einer rauschenden Siegesparty gab es nur Hohn und Spott. Noch lange rätselten die Formel-1-Experten am Sonntagabend nach dem Großen Preis von China in Schanghai: Warum nur hatte McLaren-Mercedes Lewis Hamilton nicht rechtzeitig zum Boxenstopp geholt, warum hatte man so hoch gepokert – und dann am Ende den zum Greifen nahen vorzeitigen Titelgewinn verpasst? Hamilton, der Führende in der WM-Fahrerwertung, war in der 31. Runde ausgeschieden.

Eine Antwort mag in dem Satz von Ron Dennis verborgen sein. „Kimi Räikkönen war nicht das Problem, wir sind in erster Linie gegen Fernando Alonso gefahren”, sagte der McLaren-Teamchef. Und wenn der schon Alonso, den eigenen Fahrer also, zum Hauptgegner von Lewis Hamilton erklärt, dann steht natürlich die sonst stets ausdrücklich betonte Gleichberechtigung beider Fahrer auf dem Prüfstand. Da brauchte Alonso gar nicht mehr mit eigenen Zweifeln nachzuhelfen. Dass er mit einer Benzinmenge für drei Runden mehr als Hamilton keine Chance hatte, um die Pole-Position mitzufahren, und bei der Stärke der Ferrari klar sein musste, dass ihm da Rang vier drohte, lässt sich kaum abstreiten. Und dann soll bei seinem Wagen, so wurde auch gemunkelt, der Reifendruck nicht gestimmt haben.

Sicher, wie so oft hat der Satz von Dennis, aus dem Englischen ins Deutsche übertragen, einen anderen, noch härteren Klang. „We were basically racing Alonso“, hatte der McLaren-Chef wörtlich gesagt, wohlwollend könnte man das auch sinngemäß mit: „Wir haben unser Rennen hauptsächlich auf Alonso ausgerichtet”, wiedergeben. Aber eines stimmt offensichtlich: Bei McLaren-Mercedes hatte man das Augenmerk in Schanghai sehr wohl darauf gerichtet, auf jeden Fall schon dort Hamilton endgültig zum Weltmeister zu machen. Und nicht darauf, dass auf jeden Fall einer der beiden McLaren-Mercedes-Piloten Weltmeister wird. Denn dafür hätte es auch gereicht, Hamilton auf dem vierten oder fünften Platz ins Ziel zu bringen – und das wäre der Brite auch mit einem zusätzlichen Sicherheitsboxenstopp geworden. Kimi Räikkönen, der Ferrari-Pilot, wäre dann – Sieg hin oder her – aus dem Spiel gewesen, die Entscheidung beim letzten Grand Prix am 21. Oktober in Brasilien hätte nur noch zwischen Hamilton und Alonso fallen können.

Nunmehr muss McLaren-Mercedes beim Finale in Sao Paulo auf Räikkönen höllisch aufpassen. Und so stark, wie sich der Finne im Ferrari zuletzt auf den mit Sao Paulo vergleichbaren Kursen (etwa in Interlagos) präsentierte, ist er dort möglicherweise Siegkandidat Nummer eins. Dann braucht es bloß noch ein bisschen Chaos oder ein kleines technisches Problem bei Hamilton, und bei McLaren-Mercedes würde man plötzlich vor der fatalen Situation stehen, alles auf den ungeliebten Alonso setzen zu müssen, wenn man nicht auch noch den Fahrertitel an die italienische Konkurrenz verlieren will. Sollte der Spanier Alonso dann für 2008 als Weltmeister zu Ferrari wechseln – was noch immer als eine Option gilt –, dann wäre das für ihn zwar eine Genugtuung, für McLaren-Mercedes aber nahezu der GAU, zu toppen nur noch von dem Szenario, dass sich die beiden Silberpfeil-Piloten im letzten Rennen gegenseitig von der Strecke räumen und Räikkönen damit den Titel auf dem Silbertablett servieren.

Wobei aber die Statistik für den derzeit zweitplatzierten Fernando Alonso als altem und neuem Weltmeister spricht – trotz aktuell vier Punkten Rückstand auf Hamilton. In den acht WM-Finals seit 1950, in denen im letzten Rennen noch drei Fahrer um den Titel kämpften, gewann am Ende vier Mal der, der als Zweiter ins letzte Rennen ging, nur drei Mal der vor dem Finale führende Fahrer. Auch beim letzten Ereignis dieser Art lachte am Ende der Zweite: 1986 in Adelaide platzte dem Favoriten Nigel Mansell der Reifen, und Alain Prost sicherte sich als Zweiter im Rennen hinter Nelson Piquet doch noch den Weltmeistertitel.

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