Formel 1 : Ferrari schlägt zurück

Doppelsieg beim Großen Preis von Frankreich: Räikkönen gewinnt in Magny-Cours vor Massa.

Karin Sturm[Magny-Cours]
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Kimi Räikkönen (Mitte) feiert seinen Triumph -Foto: dpa

Wer zuletzt daran zweifelte, dass sich in der Formel 1 die Lage an der Spitze schnell ändern kann, der erhielt gestern den Gegenbeweis. Ferrari feierte beim Großen Preis von Frankreich einen Doppelsieg. Jenes Team also, das zu Hause, in Italien, schon massiv in Frage gestellt worden war nach drei Siegen von McLaren-Mercedes in Folge. Der Finne Kimi Räikkönen gewann vor Felipe Massa, obwohl der Brasilianer aus der Pole-Position gestartet war. Diesmal passte bei Ferrari einfach alles: Die Autos liefen gut, nachdem sie aerodynamisch verbessert worden waren. Der Ferrari-eigene Windkanal konnte nach einer unfall-bedingten Pause wieder benutzt werden. Und die Strecke hatte einen sehr ebenen, griffigen Belag, der Ferrari entgegen kam. „Es war ein fantastischer Moment für mich und für das ganze Team“, sagte Räikkönen. „Ich habe immer gesagt, dass die WM für uns noch nicht verloren ist.“

Lewis Hamilton von McLaren-Mercedes belegte den dritten Platz. Er wurde mit einer aggressiven Drei-Stopp-Strategie ins Rennen geschickt, eine Taktik, die ihm letztlich nichts nützte, jedenfalls konnte er damit nicht den Sieg holen. „Aber ein dritter Platz ist besser als nichts, und ich bin sicher, dass wir im nächsten Rennen in Silverstone wieder besser aussehen werden.“ Immerhin führt der Formel-1-Neuling mit 64 Punkten weiter die Gesamtwertung an.

Weltmeister Fernando Alonso, den ein Getriebedefekt in der letzten Session des Qualifyings auf den zehnten Startplatz verbannt hatte, konnte nur versuchen, Schadensbegrenzung zu betreiben, vor allem, weil der von ihm erhoffte Regen ausblieb. Er hatte wohl auch mit einer Drei-Stopp-Strategie geplant, doch so eine Taktik ist von Platz zehn aus sinnlos. „Ich wusste, dass das alles sehr schwierig wird. Wir haben versucht, ein wenig unkonventionell ins Rennen zu gehen, so dass ich am Anfang mit einem leichteren Auto weiter nach vorne kommen und die Position halten könnte“, sagte er. Aber am Ende wurde er nur Siebter.

Sein Haupthindernis hieß Nick Heidfeld. Der Mann im BMW-Sauber leistete Alonso lange Zeit erbitterten Widerstand. Das Duell der Beiden wurde zum Highlight des Rennens. Als der Weltmeister in der 34. Runde endlich überholen konnte, erntete er zwar Szenenapplaus, doch beim zweiten Boxenstopp setzte sich Heidfeld dann endgültig durch. Alonso kämpfte im Schlussabschnitt mit einem schweren Auto und harten Reifen auf verlorenem Posten: „Es kam, wie ich es befürchtet hatte. Der Vorsprung, den ich herausfahren konnte, war doch zu gegering. Am Ende haben Nick und auch Fisichella mich doch gekriegt. Ich habe alles versucht und bin sehr aggressiv gefahren.“

Heidfeld, der Fünfter wurde, hatte einen Riesenspaß. „Es war toll. Das ist Rennfahren, wie es mir wirklich Spaß macht. Es war nicht so einfach, ihn hinter mir zu halten. Es war immer fair. Und mit meinem Rücken hatte ich im ganzen Rennen keine Probleme.“ Auch BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen war begeistert: „Das war klasse, so viele Duelle hat man schon lange nicht gesehen. Da waren zwei Profis am Werk, insofern waren wir uns sicher, dass da nichts schief geht.“ Für BMW-Sauber war es ein erfolgreicher Tag, denn noch vor Heidfeld kam der Pole Robert Kubica als Vierter ins Ziel. Ein bemerkenswerter Erfolg nach seinem Horror-Unfall beim Großen Preis von Kanada. „Unsere Position als dritte Kraft haben wir bestätigt und den Angriff von Renault abgewehrt“, sagte Heidfeld. „Das war heute das Wichtigste.“

Nicht ganz so gut lief es für die anderen Deutschen: Nico Rosberg (Williams) wurde Neunter und Ralf Schumacher (Toyota) Zehnter. „So schlecht war unser Rennen gar nicht, auch wenn ich mich heute im Auto nicht hundertprozentig wohlgefühlt habe”, sagte Rosberg. „Aber so lange die Topleute nicht ausfallen, sind sie halt nicht zu schlagen. Die einzige negative Überraschung war, dass Jenson Button im Honda noch vor uns lag.“ Allerdings fuhr der Brite auch ein vergleichsweise sehr gutes Rennen.

Adrian Sutil, der eine Durchfahrtsstrafe wegen Zu-Schnell-Fahrens in der Boxengasse kassiert hatte, kam mit dem chancenlosen Spyker nur auf den 17. und damit letzten Platz.

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