Formel-1-Finale : Der Faktor Mensch entscheidet

Die Saison 2014 war eine der faszinierendsten der Formel-1-Geschichte. Obwohl oder gerade weil Mercedes den Titel unter sich ausgemacht hat. Ein Kommentar.

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Lewis Hamilton und Nico Rosberg
Lewis Hamilton und Nico RosbergFoto: AFP

Das ist das Bizarre an der Formel 1: Nicht der stärkste Motor oder die beste Flügelstellung strahlt die größte Faszination aus, auch wenn die Manager der Großkonzerne das gern glauben machen wollen. Am Ende reißt die Zuschauer der Zweikampf Mensch gegen Mensch am meisten mit.

Aus dieser Perspektive betrachtet war die Saison 2014 eine der faszinierendsten der Formel-1-Geschichte. Nicht obwohl, sondern weil Mercedes so überlegen war. Der Titelkampf zwischen den beiden Männern im gleichen Auto rückte die Technik in den Hintergrund und den Faktor Mensch ins Rampenlicht. Während in früheren Jahren Reifen- und Spritmischungen den WM-Kampf bestimmt hatten, stand 2014 im Zeichen des Homo sapiens. Jedes Wort und jede Geste, jede Stichelei und jeder Ausbruch bekam im Kampf der Egos Gewicht. So enthoben Nico Rosberg und Lewis Hamilton die Formel 1 zumindest zeitweise der zermürbenden Diskussionen über die neuen leisen Spritsparmobile und unsinnige Regeln wie der Vergabe der doppelten Punktezahl im letzten Rennen.

In die Liga der ganz großen Sportduelle sind die beiden aber noch nicht vorgestoßen. Gerade in der zweiten Saisonhälfte ließ sich Rosberg zu oft von Hamilton abhängen, der am Ende verdient Weltmeister wurde. Unabhängig vom Technikpech unterliefen dem Deutschen zu viele menschliche Fehler. Es ehrt ihn einerseits, dass er dies zugibt und keine Ausreden sucht. Andererseits zerbricht ein Rennfahrerego gewöhnlich an der Einsicht, dass der andere schlicht besser ist.

Die Faszination fürs nächste Jahr ergibt sich nun aus Rosbergs Reaktion auf diese Niederlage. Wegen der Überlegenheit des Mercedes wird er 2015 ziemlich sicher die Chance zur Revanche erhalten. Dass die gelingen kann, hat Alain Prost 1989 gegen seinen Teamkollegen Ayrton Senna bewiesen. Ob der Mercedes-Kampf mal in einer Reihe mit der legendären McLaren-Fehde stehen wird, hängt ganz allein von einem Faktor ab: vom Menschen.

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