Sport : Formel 1: Für den Hockenheimring könnte 2001 das Aus in der Königsklasse kommen

Hartmut Moheit

Ein Damoklesschwert schwebt über Nordbaden. Fällt es herunter, dann wird es in Hockenheim keine Formel 1 mehr geben. Dort, wo die Königsklasse des Motorsports seit 1970 gastiert, allein an einem Wochenende für Mehreinnahmen in Höhe von 87 Millionen Mark sorgt, ist deswegen die Aufregung sehr groß. Für die Gastronomen, Hoteliers und Einzelhändler, die im Umkreis von 50 Kilometern die hauptsächlichen Nutznießer des PS-Spektakels sind, hat das große Zittern begonnen. Irgendwelche Statements von Michael Schumacher, Mika Häkkinen oder David Coulthard werden für sie deshalb beim Grand Prix von Deutschland nicht so sehr interessant sein wie die zu erwartenden Aussagen dreier Herren: Ministerpräsident Erwin Teufel, Wirtschaftsminister Walter Döring und Bernie Ecclestone.

Was bedeutet es schon, dass sich das Stuttgarter Kabinett am Mittwoch in die Sommerferien verabschiedet hat? Die beiden Spitzenpolitiker aus Baden-Württemberg wollen dem Formel-1-Boss in einer schwierigen Situation einen neuen, langjährigen Vertrag bis 2006 abringen. 2001 läuft der alte Kontrakt aus. Eigentlich ein normaler Vorgang, wäre da nicht ein Maßnahmekatalog des kleinen Briten mit dem großen Hang zu den Dollar-Millionen, dessen Umsetzung 92,7 Millionen Mark verschlingen soll. Verkürzung der Rennpiste von 6,8 auf 4,5 km, Schaffung neuer Zuschauer-Kapazitäten und vor allem fernsehgerechter Werbeflächen - das schwebt Ecclestone hauptsächlich vor. Wenn von ihm in der Formel 1 eine "Idee" ausgeht, dann ist diese für alle Betreiber als Befehl zu werten. Als besonders störend empfindet er am Hockenheimring die langen Waldpassagen (wenig Werbung, keine Zuschauer), die auch für Mercedes-Sportchef Norbert Haug - aus anderer Sicht - nicht das Optimum sind. "Wenn es regnet, dann kann es dort auf dem Highspeedkurs sehr gefährlich werden. Hoffentlich bleibt uns das an diesem Wochenende erspart."

Das Engagement der beiden Politiker von CDU und FDP (Land, regionale Wirtschaft im Rhein-Neckar-Raum und Automobilindustrie sollen die Finanzierung tragen) wird im Freistaat Sachsen nicht gerade mit Freude verfolgt. "Unsere Chancen sind damit zumindest nicht besser geworden", äußerte sich Hans-Jörg Fischer dazu, der mit dem kurz vor der Eröffnung stehenden Lausitzring erst für den ungewöhnlich starken Druck auf Hockenheim gesorgt hatte. "Wir wollen die modernste Rennstrecke in Europa werden", kündigte der Geschäftsführer des neuen Kurses in der Lausitz an. "Ich bin erst zufrieden, wenn wir Formel 1, Motorrad-WM, ChampCar und Nascar austragen können." Ein Fünf-Jahres-Vertrag mit dem nordamerikanischen Pendant zur Formel 1, der Cart-Serie, kann er für den Lausitzring (in der internationalen Vermarktung Eurospeedway) bereits vorweisen. "Ich bin mir nicht sicher, ob wir die Formel 1 bekommen werden", sagte Fischer, aber wir bemühen uns ganz stark darum. Von Ecclestone erwarte ich in den kommenden acht Wochen eine Richtungsentscheidung."

Diese hatte der in allen Formel-1-Austragungsländern wie ein Staatsmann hofierte einstige Autohändler eigentlich bereits gegeben. "Warum die dort eine Rennstrecke bauen, weiß ich überhaupt nicht", meinte er noch im vorigen Jahr und betonte im Badischen, wie glücklich er sich in Hockenheim fühlen würde. Dass Ecclestone mit dieser Politik, den neuen Lausitzring als Druckmittel gegenüber Hockenheim zu benutzen, der Gewinner sein wird, steht außer Frage. Die ganze Formel-1-Welt legt für Ecclestone schließlich den "roten Teppich" aus, wenn man nur den Kurs in Malaysia zum Maßstab nimmt. 450 Millionen Dollar wurden dort investiert. Baden-Würtemberg hat in den zurückliegenden 15 Jahren gerade einmal 700 000 Mark für den Hockenheimring beigesteuert. Jetzt werden es mindestens 30 Millionen sein müssen.

Klar ist noch nichts. Hockenheim-Pressesprecher Hartmut Tesseraux meinte gestern diplomatisch: "Es ist alles noch in der Schwebe."

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