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Formel 1 : Für Sebastian Vettel ist das Ziel bereits in Sichtweite

Sebastian Vettel siegt auch beim großen Preis von Italien in Monza und kann schon im nächsten Rennen Weltmeister werden.

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Nach dem Start war der Spanier Fernando Alonso zwischenzeitlich in Führung gegangen, doch letztlich behielt Sebastian Vettel die Oberhand und gewann den Großen Preis von Italien.
Nach dem Start war der Spanier Fernando Alonso zwischenzeitlich in Führung gegangen, doch letztlich behielt Sebastian Vettel die...Foto: dapd

Da waren sie wieder, zum ersten Mal seit dem Titelgewinn 2010 in Abu Dhabi: die Tränen. Die Gefühle übermannten den Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel nach seinem achten Saisonsieg beim Großen Preis von Italien. „Das ist unheimlich emotional, hier wieder zu gewinnen, das bedeutet mir sehr viel“, gab er nachher zu. „In Monza zu gewinnen, das ist eine spezielle Geschichte.“ Vor drei Jahren gewann Sebastian Vettel in Monza sein erstes Rennen. „Ich erinnere mich an jeden einzelnen Moment meines Sieges 2008.“ Noch emotionaler wird die Angelegenheit für Vettel deswegen geworden sein, weil er nach seinem Sieg vor dem McLaren-Piloten Jenson Button und dem Ferrari-Fahrer Fernando Alonso nun ganz dicht vor seinem zweiten Titelgewinn steht. An der Spitze der WM-Wertung hat Vettel nun 112 Punkte vor seinem ersten Verfolger Alonso. Schon beim nächsten Rennen in Singapur kann es so weit sein, wenn er seinen Vorsprung auf 125 Punkte ausbaut.

Aber so weit wollte Vettel noch nicht denken. Er war noch mit dem Herzen in Monza. „Hier ganz oben auf dem Podium zu stehen, ist unglaublich“, sagte er. „Die ganzen Leute, die von überall herkommen, zur Siegerehrung zusammenlaufen, das ist eine Stimmung, das gibt es sonst nirgendwo.“ Auch sein Teamchef Christian Horner war bester Laune und jubelte über Vettels Leistung: „Das war unglaublich, wie er das an diesem Wochenende wieder gemacht hat. Er wird einfach immer besser.“

Dabei sah es am Start so aus, als würde es in Italien einen Ferrari-Heimsieg geben. Nach überlegener Poleposition am Samstag musste Vettel den von Platz vier gestarteten Fernando Alonso erst einmal vorbeiziehen lassen. „Ich weiß nicht, wo Fernando so schnell herkam am Start“, sagte Vettel. Dann gab es eine Safetycar-Phase, weil in der ersten Schikane Vitantonio Liuzzi im Hinterbänkler-HRT auf die Wiese geriet und unkontrolliert ins Feld flog, wobei er gleich Nico Rosbergs Mercedes und den Renault-Piloten Witali Petrow mit abräumte.

Zwei Runden nach dem Neustart schnappte sich Vettel jedoch den Spanier, mit einem wahrhaft weltmeisterlichen Manöver in der Curva Grande. „Ich war mir nicht ganz schlüssig, ob ich rechts oder links vorbeigehen sollte“, sagte er. Er entschied sich für den Weg auf der linken Außenseite. Doch weil Alonso nicht nachgab, ging ihm dabei die Straße aus und er geriet in der Vollgaskurve mit zwei Rädern aufs Gras. „Viel Platz hat er mir nicht gelassen“, sagte Vettel. „Ich weiß nicht, ob er mitgekriegt hat, dass ich schon auf dem Gras war. Ich glaube, er hat mich anfangs nicht gesehen. Ich bin aber voll auf dem Gas geblieben.“ Alonso antwortete grinsend: „Er hat mehr als 100 Punkte Vorsprung, da kann man ihm es doch nicht zu leicht machen.“

Nachdem er das letzte Hindernis überwunden hatte, war der Heppenheimer von der Konkurrenz nicht mehr gesehen. Die Duelle spielten sich hinter ihm ab. Button im McLaren sicherte sich am Ende noch Platz zwei vor Alonso, Michael Schumacher landete nach einem langen Zweikampf mit Lewis Hamilton, der sich über mehr als das halbe Rennen hinzog, am Ende auf Rang fünf. Mit großer Klasse aber auch teilweise grenzwertigen Zickzacklinien hatte sich Schumacher vor dem McLaren-Piloten gehalten, doch wohl auf Einschreiten der Sportkommissare bekam er von Mercedes-Teamchef Ross Brawn mehrfach die Anweisung, Hamilton mehr Platz zu lassen, so dass dieser vorbeikam. „Lewis ist jemand, der als hart bekannt ist und am Limit fährt, und meine Reputation ist nicht viel anders, also nenne ich das Racing“, meinte Schumacher. „Natürlich dehnt man die Grenzen bis ans Machbare aus, aber das ist mein Job, meine Berufung, der Grund, warum ich hier bin. Es hat mir Spaß gemacht und den Fans auch.“ Von den anderen Deutschen kam nur Timo Glock auf Rang 15 ins Ziel. Neben dem früh eliminierten Rosberg schied auch Adrian Sutil mit einem Hydraulikdefekt aus.
Für Sebastian Vettel hingegen ist das Ziel nun ganz nah. Er muss nur in Singapur gewinnen, Alonso dürfte maximal Vierter werden und der in Italien durch einen Unfall ausgeschiedene zweite Red-Bull-Pilot Mark Webber und Button maximal Dritter. Aber wie die Angriffe der Konkurrenz wehrte Vettel bisher auch alle Gedanken an den Triumph erfolgreich ab. „Daran denken wir gar nicht“, sagte er, „wir nehmen Singapur genauso wie alle anderen Rennen, und dann werden wir sehen, was rauskommt.“ Was er wirklich denkt, zeigt die Tatsache, dass er schon in der Vergangenheitsform von der Saison spricht. „Wir haben als Team große Fortschritte gemacht“, sagte Vettel. „Das war ein fantastisches Jahr.“

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